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Des Pudels Kern : Meine Familie, mein Hund und ich

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Startschuss für unsere neue Kolumne: Redakteur Christian Brameshuber ist auf den Pudel gekommen - und erntet dafür Hohn und Spott.

Wir, Nicole, Elisa, Johannes und ich, bekommen einen Hund – genauer gesagt einen Pudel. Wir sind blutige Hundeanfänger, nervös, voller Vorfreude. Begleiten Sie mich in den kommenden Wochen immer sonntags durch mein neues Hundeleben – immer auf der Suche nach des Pudels Kern.

„Ein Pudel“? Die ungläubigen Augen wollen nicht verstehen, was die Ohren hören müssen. „Das ist doch kein Hund“, spottet der Kollege. Natürlich ist das kein Hund – kein Hund, der bei mir auch nur den Hauch einer Chance hat, erwählt zu werden. In meinem Kopf laufen ein Labrador und ein Schäferhund um die Wette, um den lang gehegten ersten Hundetraum endlich wahr werden zu lassen. Die Nase des Labradors ist immer ganz leicht vorn. Das ist ein Hund! Nicht so ein lächerlicher Friseur-Salon auf vier Pfoten.

Wir kaufen einen Pudel! 3:1 – der Beschluss im Familienrat ist eindeutig. Vielleicht ist Demokratie eine akzeptable Regierungsform für dieses Land – für unseren kleinen Familien-Staat ist sie gänzlich ungeeignet. Diese Niederlage schmerzt.

Doch Frau und Kinder sind happy. Mir wird der Pudel schmackhaft gemacht, die Hundebücher stapeln sich im Wohnzimmer. Nach der Lektüre steht fest: Es ist ein Wunder-Pudel! Er ist nach dem Border Collie der intelligenteste Hund der Welt. Er haart nicht. Er ist eine Sportskanone und wird mir helfen, meinen abgewrackten Körper wieder in Form zu bringen. Er ist eine Spaß-, Spiel- und Knuddelfabrik für meine Kinder. Er ist ein liebenswerter Kuschelpartner für meine Frau. Allein seine Anwesenheit sorgt für Ausgeglichenheit und Ruhe. Perfekt: Genau das fehlt mir!

Unja wird die Pudel-Dame heißen. Unfassbar: Mein Vorschlag wird erhört. Natürlich eine reine Konzessionsentscheidung, um den patzigen Pudel-Skeptiker zu besänftigen. Ich wollte einen Hund. Ich bekomme einen Hund.

Doch die warnenden Stimmen wollen nicht verstummen. Ein Hund, jetzt, wo ihr aus dem Gröbsten raus seid? Ein Welpe ist wie ein Baby, oder noch schlimmer – prophezeit meine Mutter. Ich bin fast 45 Jahre alt und werde jetzt bestimmt nicht damit anfangen, auf meine Mutter zu hören – und bestimmt nicht darüber nachdenken, wie oft sie Recht hatte.

Ich wache seit 17 Jahren neben der selben Frau auf. Ich arbeite seit 16 Jahren bei der Tageszeitung. Ich habe zwei Kinder gezeugt, ein Haus gebaut und einen Baum gepflanzt. Ich bin bereit für diesen Wunder-Pudel. Mich kann nichts mehr erschüttern – dachte ich. Was für ein kapitaler Irrtum.
 

Unser Autor Christian Brameshuber

Christian Brameshuber, Jahrgang 1968, verheiratet, zwei Kinder, Elisa (8)  und Johannes (6). Seit 1998 beim Tageblatt – und   2013 irgendwie auf den  Hund gekommen.
Kontakt: brh@a-beig.de

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erstellt am 09.Sep.2013 | 12:00 Uhr

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