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Her mit dem Fahrtest für Rentner : Mehrheit der Leser stimmt online für einen Fahrtauglichkeitscheck

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sie haben abgestimmt. Die Senioren-Union wehrt sich: Rentner sind die besseren Fahrer.

von
erstellt am 23.Jun.2015 | 13:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Das Ergebnis ist eindeutig: „Her mit einem Führerscheintest für ältere Autofahrer“, fordern mehr als 70 Prozent der Online-Nutzer von shz.de. Nachdem wir vor einer Woche darüber berichtet hatten, dass die Zahl der durch Senioren verursachten Unfälle im Kreis Pinneberg in den vergangenen Jahren gestiegen war, fragte die Redaktion ihre Leser im Internet, wie sie zu einem regelmäßigen Check auf Fahrtauglichkeit ab der Vollendung des 65. Lebensjahrs stehen – so wie es von der Europäischen Union seit sieben Jahren gefordert und in vielen EU-Ländern wie etwa Schweden, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien mit Altersgrenzen zwischen 45 und 70 Jahren praktiziert wird. Mit dem Resultat: 70,6 Prozent der 699 Leser stimmten bei der nicht repräsentativen Umfrage für die Einführung eines Checks.

„Ich selbst beobachte im Straßenverkehr ganz regelmäßig wie ältere Menschen durch ihr verzögertes und sehr langsam Fahrverhalten den Straßenverkehr eher behindern“, schreibt etwa Patrick Herold bei Facebook. „Es ist nun einmal Fakt, dass man im Alter einfach nicht mehr so fit ist wie man es gern hätte. Warum also nicht ab einem gewissen Alter die Fahrtauglichkeit testen? Wenn der Test okay ist, ist doch alles gut. Und sollte man Auffälligkeiten feststellen, dann hat man auf jeden Fall etwas Positives für den Straßenverkehr getan.“

Chucky Ebeling pflichtet Herold bei Facebook bei: „Ich finde ja, ältere Menschen – ab 70 Jahre – sollten alle zwei Jahre zu einem Test. In diesem Test sollten dann aber auch Fehler aufgezeigt werden, beispielsweise ein schwacher linker Fuß oder so, damit diese Personen dann nur noch Automatik fahren dürfen.“

„Viele glauben, dass sie noch fit sind“, schreibt Facebook-Nutzerin Claudia Asmussen. „Aber sie sind es gar nicht und wollen es nicht wahrhaben, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ein Auto zu führen.“ Die Redaktion hat aber auch Zuschriften erhalten, die sich gegen eine Fahrtauglichkeitsüberprüfung wenden. „Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre“, schreibt etwa Gabriela Broszat. Rina Jotpunkt kommentiert die Test-Idee nur mit den Worten: „Aber bis 68 arbeiten müssen.“

Und Chris Fastenau schreibt: „Junge Fahrer sollte man dann aber auch testen. Die meinen, auf einer Rennstrecke zu sein und vor allem kaum, wenn sie den Führerschein haben, meinen fahren zu können.“

Josef Werner, Vorsitzender der Senioren-Union im Kreis Pinneberg, wehrt sich ebenfalls gegen die Vorurteile über ältere Autofahrer. „Die vorläufige Unfallbilanz für 2014 des Statistischen Bundesamts belegt, dass die Unfallzahlen bei den Über-60-Jährigen nicht signifikant gestiegen sind, schon gar nicht in Relation zum Bevölkerungsanteil insgesamt“, sagt er. „2014 verunglückten zirka 43.800 Menschen im Alter zwischen 60 und 75 Jahren gegenüber 41.500 in 2013. In der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen lag die Zahl bei 104.400“, rechnet Werner vor. Der Teil an allen Hauptverursachern von Pkw-Unfällen sei in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen mit 22,7 Prozent fast doppelt so hoch gewesen, so Werner weiter. „Die älteren Autofahrer sind weniger häufig Schuld an Unfällen, als es ihrem Anteil am Verkehrsgeschehen entspricht“, konstatiert der Vorsitzende. Die Zahlen widerlegten damit alle Vorurteile gegen Senioren. „Entgegen vielfachen Behauptungen fahren Senioren deutlich sicherer und umsichtiger als jüngere Verkehrsteilnehmer.“ Deshalbt seien altersabhängige Führerscheintests nicht gerechtfertigt und stellten eine Altersdiskriminierung dar.

Allerdings schlägt der Vorsitzende der Senioren-Union auch vor, sich regelmäßig auf freiwilliger Basis – „auch im eigenen Interesse“ – einem Gesundheitscheck zu unterziehen. Auf Freiwilligkeit setzt auch Gerd Vollstedt, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Pinneberg: „Es wäre schön, wenn es zum guten Ton gehören würde, freiwillig seine Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen. Das sollte gesellschaftsfähig werden und es sollte geächtet werden, wenn jemand sich diesem verweigert.“

Werner fordert darüberhinaus die Autohersteller auf, altersgerechte Fahrassistenzsysteme zu entwickeln. „Die können in komplexen Fahrsituationen die Verkehrssicherheit erhöhen“, sagt der Senioren-Union-Vorsitzende.

Fünf Apps, die auf der Straße helfen

Arznei mobil: Die App sagt Ihnen, welche Medikamente die Verkehrstüchtigkeit beeinflussen. Zum Schnell-Check scannen Sie einfach per iPhone-Kamera den Strichcode der Medikamenten-Packung.
ADAC Pannenhilfe: Diese App stellt eine Telefonverbindung zum ADAC her, um bei einer Panne schnell Hilfe anzufordern. Auf Wunsch wird zusätzlich Ihr Standort zum ADAC übertragen. Das spart Zeit.
ZKF-Unfallhelfer: Im Falle eines Unfalls unterstützt Sie diese App Schritt für Schritt. So vergessen Sie nichts: Unfallstelle sichern, Notruf tätigen, Unfall mit Fotos protokollieren. Schnell und unkompliziert.
ParkAssistent: Mit dieser App hat das leidige Thema überzogener Parkzeiten endlich ein Ende. Sie erinnert Sie daran, wann die Zeit abläuft. Vergessen wo das Auto steht? Kein Problem, auch hier hilft die App.
Toiletten-Scout: Wo ist die nächste Toilette? Diese App weisen auf der Google-Karte sofort WCs in der Nähe auf. Symbole zeigen auch an, ob sich das Ziel barrierefrei mit dem Rollstuhl erreichen lässt.
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