Mehr Respekt für die Helfer

Kreisbrandmeister Frank Homrich (rechts) überreicht die Bronzene Florianmedaille an Kay Sierk (von links), Olaf Hahn und Sabrina Bornholdt.
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Kreisbrandmeister Frank Homrich (rechts) überreicht die Bronzene Florianmedaille an Kay Sierk (von links), Olaf Hahn und Sabrina Bornholdt.

Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Pinneberg mit klarem Appell an die Gesellschaft

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09. März 2020, 15:30 Uhr

kreis pinneberg | Eigentlich wollte Maike Bahlke (Foto) 2003 mit ihrem damals sechsjährigen Sohn nur zum Laternenlauf. Dort wurde sie jedoch angesprochen, ob sie nicht passives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde Klein Offenseth-Sparrieshoop werden möchte. „Warum passiv“, dachte sie sich, „dann doch gleich richtig“, und trat als aktives Mitglied ein. Vor zwei Jahren wurde die heute 52-jährige Kauffrau schließlich zur stellvertretenden Wehrführerin gewählt, und stand damit als erste Frau im Kreis in der höchsten Führungsriege einer Wehr. Vielleicht ist die zunehmende Zahl der Frauen in den Wehren auch der Grund, warum Kreiswehrführer Frank Homrich während der Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) Pinneberg jüngst vermelden konnte, dass zwölf Frauen und Männer mehr als im Vorjahr per Ende 2019 im aktiven Dienst seien.

Angesichts der Gesamtzahl von 2660 Einsatzkräften mag dies nicht hoch erscheinen, aber Homrich freute sich darüber, dass der seit drei Jahren andauernde Abwärtstrend im vergangenen Jahr gestoppt werden konnte. 3121 Einsätze mussten die Feuerwehrkräfte der Wehren im KFV 2019 bewältigen, 324 Einsätze weniger als 2018. Homrich betonte, dass sich die Bürger immer auf ihre Wehren verlassen können, aber einschränkend bemängelte er auch: „Gerade bei der Beseitigung von Sturmschäden werden die Kameraden auch gern einmal als billige Arbeitskräfte gerufen. Nicht selten erweist sich der Baum auf der Straße als kleiner Ast oder der voll gelaufene Keller hätte auch mit dem Feudel trockengelegt werden können.“ Andererseits könne er feststellen, dass sich seit der intensiven Erwähnung in den Verkehrsnachrichten, das Bilden einer Rettungsgasse erfreulicherweise deutlich verbessert habe.

Bahlke, die in ihrer Freizeit gern läuft und wandert, gründete damals auch die Jugendabteilung der örtlichen Wehr, deren Führung heute ihr Sohn als Jugendwart hat. Dazu stellte sie fest: „Heute besteht die Jugendwehr bei uns zu 75 Prozent aus Mädchen. Ich war jedoch damals die erste Frau in der Wehr.“ Eine Tatsache, die nicht wenige Kameraden zunächst irritierte. „Manche der Männer haben zuerst ein wenig erstaunt geschaut, so nach dem Motto: Wie soll das denn gehen?“ Aber richtigen Gegenwind oder regelrechte Diskriminierung habe sie nie gespürt. Und sie sei in dieser Hinsicht auch nicht empfindlich, denn: „Ich arbeite als Groß- und Außenhandelskauffrau im Sanitärhandel. Da ist ein herzlich-rauer Ton mit den Handwerken Gang und Gebe.“

Homrich hingegen bemängelte aggressives Verhalten von Bürgern gegenüber Einsatzkräften. Er habe das Gefühl, dass es zu wenig Verständnis und Respekt gegenüber den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten gebe. Beleidigungen und sogar Angriffe seien immer noch zu häufig. Wie Homrich, so bekräftigte auch Landrat Oliver Stolz (parteilos): „Das sollte bei uns keinen Platz haben.“ Stolz verband seinen Dank an die 110 Delegierten der Wehren mit dem Versprechen: „Wir als Kreis Pinneberg hören zu und haben ihren berechtigten Belangen Rechnung getragen.“ Er kündigte Gespräche an, um weitere strukturelle Verbesserungen im Kreisfeuerwehrverband in Gang zu setzen.

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