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Interview : „Mehr Natur erhöht die Attraktivität“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Barbara Engelschall, Geschäftsführerin Regionalpark Wedeler Au.

Wedel | Barbara Engelschall ist Geschäftsführerin des Regionalparks Wedeler Au. Im Sonntagsgespräch erläutert sie unter anderem, warum der Regionalpark für die Region so wichtig ist und welches Projekt momentan im Mittelpunkt steht.

Wofür ist der Regionalpark Wedeler Au da?
Der Regionalpark ist ein freiwilliger Interessenverbund des Bezirks Altona mit den angrenzenden Randgemeinden Schleswig-Holsteins. Dieser Verbund soll länder- und gemeindeübergreifend Projekte anschieben und koordinieren. Ziel ist, Natur- und Kulturlandschaftsräume zu erhalten und in Wert zu setzen.

Welche Aufgaben übernimmt der Regionalpark?
Der Regionalpark will Naherholung, Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung miteinander in Einklang bringen. Wir sehen uns als Mittler zwischen Vereinen, Behörden, Gemeinden und Naturschutzverbänden. Ihnen geben wir auch eine Plattform. Ein Beispiel dafür ist der gemeinsame Veranstaltungskalender mit dem Elbmarschenhaus. Bei Projekten ist es uns wichtig, Bürger und Vereine einzubinden. Wir nehmen gerne Anregungen aus der Bevölkerung auf. So ist die Laufroute in Wedel auf Initiative des Lauftreffs Wedel entstanden.

Wie sieht Ihre Arbeit als Geschäftsführerin aus?
Gespräche mit den einzelnen Kommunen führen, Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen vorbereiten, Infotafeln erstellen, die Website pflegen, Öffentlichkeitsarbeit, Ideen entwickeln, Konzepte erstellen für die Initiativen von Gemeinden und Vereinen - die Arbeit ist enorm vielfältig. Ganz wichtig ist, dass wir unter anderem beim Einwerben von Fördermitteln helfen, wenn es um die Umsetzung von Projekten geht. Auch die Organisation von Veranstaltungen gehört zu meinen Aufgaben. Vor kurzem habe ich beispielsweise für die Stadt Schenefeld eine Radtour durch den Regionalpark angeboten. Während der Tour informierte ich die Teilnehmer über die Arbeit des Regionalparks und über die Flora und Fauna. Das kommt mir entgegen. Schließlich bin ich von der Ausbildung Biologin.

Wie kamen Sie zum Regionalpark?
Ich habe lange freiberuflich als Gutachterin im Naturschutz gearbeitet, unter anderem in Altona und Wedel. So war ich in der Region gut vernetzt. Auch die Öffentlichkeitsarbeit war mir schon damals wichtig, weil ich anderen die Bedeutung von Naturthemen vermitteln will. Deshalb arbeitete ich an Ausstellungsprojekten mit und leitete Führungen. Das Stellenprofil als Geschäftsführerin des Regionalparks sprach mich sofort an. Landschaftsplanung, Naturschutz und Umweltbildung sind drei Schwerpunkte, die perfekt zu mir passen.

Welche Bedeutung hat der Regionalpark für die Region?
Im Randbereich von Hamburg treffen ganz viele Interessen aufeinander. Die eher ländlichen Gemeinden setzen ganz andere Schwerpunkte als der Bezirk Altona. Mit dem Regionalpark hat man ein Instrument, um im Westen Hamburgs einen Dialog zwischen allen Beteiligten zu ermöglichen. Im Süden gibt es übrigens noch einen weiteren Regionalpark, den Regionalpark Rosengarten. Ich würde mir wünschen, dass noch weitere Regionalparks entstehen - beziehungsweise, dass ein Regionalpark rund um ganz Hamburg etabliert wird. Das dürfte aber schwierig werden, weil daran mit Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg gleich drei Bundesländer beteiligt werden müssten.

Hat der Regionalpark mit Problemen zu kämpfen?
Unsere finanziellen Mittel sind begrenzt. Durch die Jahresbeiträge der einzelnen Mitgliedsgemeinden haben wir zwar eine sichere Einnahmequelle und damit ein solides Fundament. Es wäre aber schön, wenn ein noch größeres Budget zur Verfügung stünde. Damit könnten wir beispielsweise mehr Projekte von kleineren Vereinen fördern. Wir müssen für jedes Vorhaben, das wir unterstützen oder initiieren wollen, Fördermittel beantragen. Das ist immer mit enormem Aufwand verbunden - zumal wir unsere Ideen allen Mitgliedern einzeln vorstellen müssen. Ich würde mir außerdem wünschen, dass uns Bevölkerung und Politik noch stärker als bisher wahrnehmen. Das ist ohne eigenes Marketingbudget gar nicht so einfach. Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgt derzeit vor allem durch unsere einzelnen Projekte.

Genießt der Naturschutz einen ausreichenden Stellenwert?
Wer hier wohnt oder am Wochenende hierher kommt, um sich zu erholen, schätzt auch die Natur. In der Politik sieht es leider häufig anders aus. Bei der Ausweisung von neuen Baugebieten steht in vielen Gemeinden vor allem der maximale Gewinn im Mittelpunkt. Ich würde mir wünschen, dass der Erhalt von Natur und öffentlichem Grün eine stärkere Wertschätzung bekommt. Ein grünes Image erhöht die Attraktivität einer Kommune und steigert die Lebensqualität.

Welche Projekte stehen beim Regionalpark derzeit an?
Einmal das Erstellen einer neuen Radroutenkarte. Zudem beschäftigt uns derzeit das Leitprojekt „Biotopverbund in der Metropolregion Hamburg“, an dem sich auch der Regionalpark beteiligt. Ziel ist, dass Natur- und Grünflächen Lebensräume für Flora und Fauna bieten und über einen Biotopverbund grenzübergreifend vernetzt sind - auch in Siedlungsräumen und in Flächen mit intensiver Landnutzung.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz im Gebiet des Regionalparks?
Da gibt es viele. Aktuell finde ich das Tävsmoor sehr spannend. Es lohnt sich, dieses Gebiet zu erkunden.

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