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Interaktive Grafik : Mehr Menschen brauchen Hilfe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Landesweit 130.000. Mitglied begrüßt. Der Beratungsbedarf steigt. 500.000 Euro an Nachzahlungen an Mitglieder im Kreis Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 15:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Kirsten Günthers Leben hat im Jahr 2008 eine plötzliche Wendung genommen: Sie erhielt die Diagnose Brustkrebs. Eine Therapie folgte. Arbeiten konnte sie nicht mehr. Aufgrund der Erkrankung erhielt sie einen Schwerbehindertenausweis. Doch der galt nur fünf Jahre lang. „Keiner hat gefragt, wie es mir geht und ob ich etwas übrig behalten habe“, sagt die Elmshornerin. Weil sie noch Beeinträchtigungen hatte und nicht arbeiten konnte, wollte sie den Ausweis verlängern. Doch das Landesamt für soziale Dienste lehnte ab. Das war der Moment, in dem Günther in den Sozialverband Deutschland (SoVD) eintrat.

Der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Wolfgang Schneider begrüßte die Elmshornerin gestern als 130.000. Mitglied. Die Eintrittszahlen steigen so rasant, dass im landesweiten Verzeichnis inzwischen fast 138.000 Namen stehen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Mitgliederzahl damit verdoppelt. Im Kreis Pinneberg haben sich dem sozialpolitischen Interessenverband fast 13.000 Menschen angeschlossen. In fast allen Ortsverbänden in der Region steigen die Mitgliedszahlen. Das bedeutet: Immer mehr Menschen brauchen Hilfe. Die Rechtsberatung für Schwerbehinderte bildet laut Siegrid Tenor-Alschausky den Schwerpunkt, gefolgt von Hilfe bei Renten- und Krankenkassenproblemen. Katrin Oberjat ist Juristin in der SoVD-Geschäftsstelle am Drosteiweg in Pinneberg. Sie kümmert sich täglich um die Fälle, mit denen sie teilweise bis zu neun Monate beschäftigt ist. Sie sagt: „Wenn der Grund in einem Ablehnungsschreiben unberechtigt ist, schreite ich ein.“ Sie sitzt an der Nahtstelle zwischen Antragstellern und Sozialversicherungsträgern.

Der SoVD habe dafür gesorgt, dass den Mitgliedern im vergangenen Jahr landesweit 8.000.000 Euro nachgezahlt wurden, im Kreis Pinneberg waren es laut Tenor-Alschausky etwa 500.000 Euro. Wie kommt es, dass Träger nicht zahlen? Schneider, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender des SoVD ist, bezeichnet es als „falsche Wirtschaftlichkeit“, die Träger machten es den Antragstellern nicht leicht ans Geld zu kommen. „Wir klagen bis zum Sozialgericht, wenn es sein muss“, sagt Schneider.

Auch wenn der SoVD „mehr ist als ein Kaffeetrinker-Club“, wie Karin Hänßel, Vorsitzende des Ortsverbands Elmshorn, es ausdrückt, viele Mitglieder suchen beim SoVD einfach Gesellschaft – bei den Adventsfeiern, den Spieleabenden oder bei Vorträgen.

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