Alkoholprävention : Mehr junge Komasäufer im Kreis Pinneberg

Im Kreis Pinneberg unterstützen nicht nur die DAK vertreten durch Thomas Ehlert (von links), sondern auch Landrat Oliver Stolz und Sozialpädagoge Stefan Albrecht von der Diakonie-Suchtberatung die Präventionskampagne „Bunt statt blau“.
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Im Kreis Pinneberg unterstützen nicht nur die DAK vertreten durch Thomas Ehlert (von links), sondern auch Landrat Oliver Stolz und Sozialpädagoge Stefan Albrecht von der Diakonie-Suchtberatung die Präventionskampagne „Bunt statt blau“.

DAK-Gesundheit: 2016 kamen landesweit 661 Schüler mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus, im Kreis Pinneberg waren es 51.

shz.de von
07. Februar 2018, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Immer wieder erregen Fälle von Komasaufen bei Jugendlichen Aufsehen. Auch im Kreis Pinneberg vergeht kaum eine Woche, in der nicht von Schülern berichtet wird, die sich regelrecht ins Krankenhaus gesoffen haben. Und während die Zahl alkoholbedingter Klinikaufenthalte von Kindern und Jugendlichen landesweit leicht rückläufig ist, haben solche Extremfälle im Kreis Pinneberg leicht zugenommen. Das Rauschtrinken bei Schülern bleibt somit weiter ein gesellschaftliches Problem. Nach aktuellen Informationen der DAK-Gesundheit landeten im Jahr 2016 genau 51 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. 2015 waren es 48.

 „Nach bislang unveröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes in Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2015 um 6,3 Prozent. Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu. Besonderen Anlass zur Sorge bereitet der Alkoholmissbrauch bei den jüngeren Mädchen und Jungen. In der Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen mussten in der Region acht Kinder in einer Klinik behandelt werden“, sagte Thomas Ehlert von der DAK-Gesundheit im Kreis Pinneberg. „Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns unverzichtbar, um Kindern und Jugendlichen die Gefahren von Alkoholmissbrauch aufzuzeigen. Solche wichtigen Gesundheitsthemen sollten in den Schulalltag und die elterlicher Erziehung einfließen“, sind sich Ehlert, Landrat Oliver Stolz – selbst Vater von drei Söhnen zwischen 13 und 19 Jahren – und Stefan Albrecht von der Diakonie-Suchtberatung einig.

Das Trio stellte am Montag die Zahlen der aktuellen Statistik vor. Zur Aufklärung setzt die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) auch 2018 die erfolgreiche Kampagne „Bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“, im Kreis Pinneberg fort. Beim bundesweiten Wettbewerb werden Schüler zwischen 12 und 17 Jahren aufgerufen, mit Plakaten kreative Botschaften gegen das Rauschtrinken zu entwickeln. Auch die Schulen in der Region wurden angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. An der mehrfach ausgezeichneten Präventionskampagne gegen Alkoholmissbrauch nahmen seit dem Jahr 2010 bereits mehr als 87 000 junge Künstler teil.

 Teilnahme noch bis zum 31. März

Anschließend werden in allen 16 Bundesländern die besten Siegerplakate ausgezeichnet. Im Juni wählt dann eine Bundesjury mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, den Bundessieger. Es gibt wertvolle Geld- und Sachpreise zu gewinnen. Der Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung lobt „Bunt statt blau“ seit Jahren als erfolgreiches und beispielhaftes Präventionsprojekt gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen. Die erfolgreiche Gesundheitskampagne wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem renommierten „Internationalen Deutschen PR-Preis 2014“. Die Kampagne ist eingebunden in die „Aktion Glasklar“, die seit zwölf Jahren Schüler, Lehrer und Eltern über das Thema Alkohol aufklärt. Weitere Informationen gibt es im Internet.

Jugendliche trinken Alkohol meistens, wenn sie mit ihren Freunden auf Partys oder in der Disco sind. Dort kommt es aber leider oft zu Alkoholexzessen: Die Jugendlichen trinken mehrere Gläser schnell hintereinander. Dieses sogenannte Abschießen und auch das Komasaufen, also das Trinken bis zum Vollrausch und – im schlimmsten Fall – bis zur Alkoholvergiftung, sind für viele ein Austesten der eigenen Grenzen und der Versuch, die Kontrolle zu verlieren. Die Folgen sind jedoch gravierend. Ein derart hoher Alkoholkonsum im Jugendalter kann zu bleibenden Schädigungen der Hirnstruktur führen, die sich beispielsweise in einer verringerten Leistungs- und Lernfähigkeit äußern. Zudem steigt mit dem Promillewert auch das Unfallrisiko an, weil sich die   jungen Menschen durch die enthemmende Alkoholwirkung überschätzen.
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