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Armutsrisiko : Mehr Hilfe für alleinerziehende Frauen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gleichstellungsbeauftragte Ute Stöwing will Angebote wiederbeleben.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Schenefeld | Laut einer Studie der Hochschule Darmstadt im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ist jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Ihr Armutsrisiko ist hoch. Alleinerziehende leben fünfmal so oft im Hartz-IV-Bezug wie Paarfamilien. Die Schenefelder Gleichstellungsbeauftragte Ute Stöwing möchte deswegen in diesem Jahr das Angebot für alleinerziehende Frauen wiederbeleben.

„Es hat in der Vergangenheit schon besondere Veranstaltungen gegeben. Zwischenzeitlich ließ das Interesse aber nach“, sagt Stöwing. Doch Armut unter Alleinerziehenden, von der besonders Frauen betroffen sind, sei nach wie vor ein großes gesellschaftliches Risiko. „Ich plane keine Selbsthilfegruppen, sondern Treffen unter professioneller Leitung“, sagt Stöwing. Größte Herausforderung sei nach wie vor, Job und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. „Gelingt das nicht, wird Frauen oft der Vorwurf gemacht, schlechte Mütter zu sein“, sagt Stöwing. Die Gleichstellungsbeauftragte beklagt auch den fehlenden gesellschaftlichen Rückhalt für die Betroffenen: „Es scheint als normaler Automatismus wahrgenommen zu werden, dass Ein-Familien-Haushalte den sozialen Abstieg hinnehmen müssen.“

Die Probleme scheinen zuzunehmen. Laut der Studie leben heute etwa 2,2 Millionen Kinder bei nur einem Elternteil. Das sind etwa 370.000 Kinder mehr als noch Mitte der Neunzigerjahre. Inzwischen wächst demnach jedes zweite Kind, das in Deutschland auf Grundsicherungsleistungen angewiesen ist, in einer Ein-Eltern-Familie auf. Und obwohl 70 Prozent der Alleinerziehenden erwerbstätig sind, darunter 45 Prozent in Vollzeit, reicht in vielen Ein-Eltern-Familien das Einkommen nicht aus.

Stöwings Aufgabenfeld ist groß. Sie kümmert sich nicht nur um Frauenangelegenheiten, welche die Einwohnerinnen Schenefelds betreffen. Sie ist auch für die Gleichstellung von Männern und Frauen innerhalb der Schenefelder Stadtverwaltung zuständig. Sie hat etwa ein Auge auf Stellenbesetzungen. Und Arbeit gibt es laut Stöwing genug.

In der Diskussion ist derzeit, ob Kommunen ihre Gleichstellungsbeauftragten in Teilzeit oder Vollzeit beschäftigen. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) will sie mit einem Gesetz verpflichten, Vollzeitstellen zu schaffen (unsere Zeitung berichtete). „Die Netzwerkarbeit mit anderen Gleichstellungsbeauftragten oder die Zusammenarbeit auf Landes- und Bundesebene kommt häufig zu kurz. Außerdem bringt die Integration von Flüchtlingen neue Aufgaben mit sich“, sagt Stöwing.

Ein Projekt sei 2016 gewesen, Frauen, die als Flüchtlinge nach Schenefeld gekommen sind, in Sprachkurse zu bringen. Die Betreuung von Kindern während der Kursdauer sei ebenfalls angeboten worden. „Natürlich kann auch das traditionelle Rollenverständnis der Neubürger ein Hindernis sein. Ich habe jedoch festgestellt, dass es ein großes Problem ist, die Frauen überhaupt zu erreichen“, sagt Stöwing. Anfangs sei sie mit Listen und einer Dolmetscherin in die Unterkünfte gegangen. Die Verständigungsbarrieren seien trotzdem hoch gewesen.

Kurse bleiben nach Geschlechtern getrennt

Trotzdem sei es vielversprechend, auch weiterhin Kurse nach Geschlechtern getrennt anzubieten. „Die Bereitschaft von Männern, ihre Frauen in gleichgeschlechtliche Kurse zu lassen, ist größer. Und wenn dort Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen, etwa aus Osteuropa, zusammenkommen, welche mit dem westlichen Lebensstil eher vertraut sind, macht das die Sache auch Musliminnen einfacher“, sagt Stöwing. Langfristiges Ziel sei aber, Angebote für Frauen zu schaffen, in denen die Herkunft keine Rolle mehr spielt. „Kunst und Handarbeit sind ideal dafür. Die Kreativwerkstatt könnte so ein verbindendes Angebot werden“, sagt Stöwing.

Derzeit steht noch nicht genau fest, welche konkreten Angebote die Schenefelder Gleichstellungsbeauftragte Ute Stöwing für alleinerziehende Frauen organisieren wird. Frauen, die Rat suchen oder Vorschläge für neue Veranstaltungen machen möchten, können sich bevorzugt per E-Mail an ute.stoewing@stadt-schenefeld.de oder alternativ per Telefon unter (040) 83037196 melden.

 

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