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Kreis Pinneberg : Mehr Geld für Kindertagesmütter

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Kreis Pinneberg will die Kindertagespflegesatzung ändern. 6,5 Prozent mehr Gehalt. Kürzungen bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

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erstellt am 18.Feb.2016 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Der Jugendhilfeausschuss des Kreises Pinneberg berät heute über die Kindertagespflegesatzung (KiTaPflS). Künftig sollen Tagesmütter statt bisher vier Euro 4,24 Euro pro Stunde und Kind vom Kreis für die Betreuungsleistung erhalten. Vereinbaren Tagesmütter einen höheren Stundensatz mit den Eltern, müssen diese die Differenz selbst zahlen, es sei denn, sie können nachweisen, dass sie keine Platz in einer Kindertagesstätte erhalten haben.

Auch die bisherige Urlaubsregelung will der Kreis kippen. Bisher wurde das Geld bis zu sechs Wochen bei Urlaub weitergezahlt. Krankheitsbedingte Ausfälle wurden nicht vergütet. Künftig will der Kreis bei Ausfallzeiten durch Urlaub und Krankheit insgesamt maximal sechs Wochen pro Jahr weiterzahlen.

„Ein höherer Stundenlohn ist eine feine Sache, jedoch müssen die Tagespflegepersonen mehr Steuern, Krankenversicherung und Rentenversicheurng zahlen. Ob am Ende nach allen Abzügen mehr Geld übrig bleibt, ist die Frage“, sagt Susann Nötzel. Seit 1999 ist sie als Tagesmutter aktiv und betreut aktuell vier Kinder. Sie plädiert für eine Anpassung der Betriebsausgabenpauschale. Denn die Gesamtsumme von 4,24 Euro setzt sich aus 2,51  Euro Förderbetrag sowie dem Sachkostenzuschuss von 1,73 Euro zusammen, der steuerlich in Abzug gebracht werden kann. „Trotz ständig steigender Kosten hat es seit 1999 erst eine Anpassung der Betriebsausgabenpauschale gegeben“, kritisiert Nötzel. Der Kreis zahlt eine Pauschale von 300 Euro pro Monat für alles, was zur Betreuung notwendig ist – vom Malbuch bis zum Strom. Auf die individuelle Abrechnung der Kosten verzichtet die Tagesmutter bewusst: „Das ist viel zu viel Aufwand. Ich müsste jede Kleinigkeit belegen, den Strom anteilig berechnen oder wie viel Toilettenpapier welches Kind benötigt. Das steht in keinem Verhältnis.“

Auch eine Neuregelung für Krankheits- und Urlaubstage hält Nötzel für unnötig: „Eine einheitliche Regelung für alle Tagespflegepersonen gibt es nicht. Jeder macht mit den Eltern eigene Verträge, in denen Urlaubs- und Ausfalltage geregelt sind.“ Sie wünsche sich, dass 30 Urlaubs- und zehn Krankheitstage bezahlt würden. Denn gerade letztere gäbe es kaum. „Krankentage fallen bei mir nicht ins Gewicht. Wenn ich arbeiten kann, arbeite ich“, sagt Nötzel, die bereits zwei Bandscheibenvorfälle hatte und dennoch gearbeitet habe. „Ich kenne viele Tagesmütter, die auch arbeiten, wenn sie krank sind. Wenn ich nicht arbeite, können vier, fünf Menschen nicht arbeiten. Das geht nicht“, so Nötzel.

Tagesmutter sind keine Erzieher

Einen wirklichen Änderungsbedarf sieht Nötzel bei der Anerkennung ihrer Tätigkeit. „Es wäre sehr wichtig, die Tagespflege den Krippen gleichzustellen.“ Bisher müssen Eltern drei Absagen von Krippen vorweisen, um die Differenzkosten für die Unterbringung bei einer Tagesmutter erstattet zu bekommen. „Dann könnten die Eltern frei entscheiden, welches die passendere Betreuungsform für ihr Kind ist“, sagt Nötzel.

„Ich halte die Erhöhung der Stundensätze für nachvollziehbar und in Ordnung. Es ist nicht realistisch, dass eine Tagesmutter wie eine Erzieherin berechnet wird“, sagt Gudrun Garden, Leiterin der Evangelischen Familienbildung Pinneberg. Die Erhöhung liege im Bereich von 6,5 Prozent: „Das gibt es auch nicht in jeder Branche.“ Auch die Neuregelung der Urlaubs- und Krankentage halte sie für angemessen: „Die Regelung im Kreis Pinneberg ist sehr großzügig. Vielleicht sogar die großzügigste im ganzen Land.“ Zudem spricht sie sich für den Beibehalt der Differenzkostenregelung aus. Sollte diese wegfallen, würden auf den Kreis Mehrkosten in Höhe von etwa 590.000 Euro zukommen.

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