Interview : „Mehr für den Sport arbeiten“

Uwe Hönke sagt, Sport leistet Herausragendes für unsere Gesellschaft.
Uwe Hönke sagt, Sport leistet Herausragendes für unsere Gesellschaft.

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, spricht über die Zusammenarbeit mit der Stadt und die Sportallianz.

shz.de von
26. Januar 2018, 16:30 Uhr

Pinneberg | Marode Sportstätten, Stress mit der Verwaltung, Diskussionen über die Kosten für die Übernachtungen in Sporthallen, jahrelanges Warten auf einen Kunstrasenplatz – die Pinneberger Sportvereine haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Um diese zu lösen, haben der VfL Pinneberg, der SC Pinneberg und der SuS Waldenau eine Sportallianz gebildet. Im Interview mit shz.de erklärt Uwe Hönke, einer der Sprecher der Sportallianz und Geschäftsführer des VfL Pinneberg, was die Vereine von der Stadt erwarten.


Frage: Welche Bedeutung hat die Sportallianz für Pinneberg?
Uwe Hönke: Eine sehr große. Wir repräsentieren über 8000 Mitglieder und damit mehr als zwei Drittel der organisierten Sportler in Pinneberg. Uns geht es nicht um Einzelinteressen. Von den Jugendlichen bis zu den Senioren sind bei uns alle Gruppen vertreten. Das sollte stärker gewürdigt werden. Es geht uns nicht darum, nur Kritik zu üben und eigene Interessen durchzusetzen. Die Allianz gestaltet auch und bringt Dinge für Pinneberg auf den Weg. Beispiele dafür sind das Sportforum und die regelmäßigen Sportdialoge, die sportpolitische Themen in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.


Wie ist der Stellenwert des Sports in Pinneberg?
Der Stellenwert ist hoch. Ich gehe davon aus, dass Politik und Verwaltung genau wissen, was sie am Sport haben und ihnen bewusst ist, welche gesellschaftlichen Leistungen die Vereine für die Stadt erbringen. Es hapert allerdings an der Umsetzung, wenn es darum geht, den Sport zu fördern. Ohne die Arbeit der Vereine hätte Pinneberg in etlichen anderen Bereichen erhebliche Probleme. Das ist zwar statistisch schwer zu fassen. Es ist allerdings unbestritten, dass Sport Werte wie Fairplay, Respekt, Teamgeist und soziale Kompetenzen vermittelt. Hinzu kommen Gesundheitsvorsorge, Rehabilitation und Geselligkeit. Der gemeinwohlorientierte Sport leistet Herausragendes für unsere Gesellschaft.
 

Übernachtungen in Turnhallen sorgen für Diskussionen. Es geht darum, ob diese grundsätzlich erlaubt sind und ob die Vereine dafür zahlen müssen. Ist eine Lösung in Sicht?
Der aktuelle Sachstand ist, dass Turnhallenübernachtungen grundsätzlich erlaubt sind. Im Moment noch gegen gewisse Auflagen. So muss beispielsweise ein Konzept vorgelegt werden, in dem unter anderem dargelegt wird, dass genügend Aufsichtspersonen vor Ort und die Fluchtwege klar gekennzeichnet sind. Alles Selbstverständlichkeiten, die wir auch vorher schon ohne die Auflagen beachtet haben. Ob für die Übernachtungen Kosten anfallen, muss noch abschließend geklärt werden. Die Politik hat allerdings schon deutlich signalisiert, dass die Sportvereine nichts zahlen sollen. Ziel ist jetzt, eine Nutzungs- und Entgeltordnung zu schaffen, die Rechtssicherheit schafft. Es wird also eine Formulierung für etwas gesucht, was immer problemlos möglich war. Und hierbei reden wir nicht nur über Turnhallenübernachtung, sondern über die gesamte überfachliche Jugendarbeit, die die Sportvereine ja noch „on top“ durchführt. Ich finde es schade, dass wir überhaupt an einem solchen Punkt angekommen sind.
Werden in der Verwaltung die falschen Prioritäten gesetzt?
Das ist schwer zu sagen. Ich habe allerdings schon vor Jahren davor gewarnt, bei den Hallen und den Sportplätzen nicht dieselben Fehler wie bei den Schulgebäuden zu machen. Leider schlagen wir genau diesen Weg ein. Die Sportstätten sind über Jahre vernachlässigt worden. Zudem gab es bislang kein Sportentwicklungskonzept. So sind Baugebiete ausgewiesen worden, ohne an Flächen für den Sport zu denken. Meiner Meinung nach ist es ein Unding, dass der Sport bislang kein Bestandteil der Stadtentwicklung ist. Wenn man denn aus städtebaulicher Sicht der Meinung ist, dass die vorhandenen Sportflächen ausreichen, müssen diese zumindest vernünftig gepflegt und instand gehalten werden. Das passiert aber leider nicht überall.
 

Hilft der Sportentwicklungsplan, der derzeit erstellt wird?
Das beauftragte Institut hat bereits in einem Zwischenbericht deutlich aufgezeigt, dass ein erheblicher Sanierungsbedarf besteht und damit bestätigt, was die Sportvereine immer gesagt haben. Es wurde auch die klare Empfehlung ausgesprochen, einen Kunstrasenplatz für den Hockeysport zu errichten. Darüber hinaus müssten mindestens zwei Fußballplätze von Grand- in Kunstrasenplätze umgewandelt werden. Bleibt das aus, werden etliche Sportler gerade im Kinder- und Jugendbereich zu den Vereinen in den Nachbarkommunen wechseln. Dort gibt es fast überall Kunstrasenplätze. Ich erhoffe mir sehr viel von dem Sportentwicklungsplan, weil er die Defizite klar benennt und Handlungswege aufzeigt. Nun müssen wir gemeinsam nach Wegen suchen, diese auch umzusetzen. Auch wenn uns klar ist, dass nicht alles sofort möglich ist.

Der VfL hofft also immer noch auf den Kunstrasen für die Hockeyspieler?
Selbstverständlich. Als Sportfunktionär lernt man, optimistisch zu sein. Und wenn man wie ich auch noch HSV-Fan ist, ist zudem die nötige Leidensfähigkeit vorhanden.


Können sich weitere Vereine an der Sportallianz beteiligen?
Grundsätzlich ja. Wir sind für alle Vereine offen. Meine Wunschvorstellung wäre, dass irgendwann ein Stadtsportbund für alle Vereine entsteht, der das Sprachrohr für den organisierten Sport ist. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Zwei Drittel aller Mitglieder repräsentieren wir schon. Es wäre schön, wenn wir in die Nähe von 100 Prozent kommen. Alle sind also eingeladen, mit uns zu sprechen und zu kooperieren.


Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem für den Sport zuständigen Fachbereich im Rathaus?
Meine Erwartungshaltung an den Fachbereich Sport ist, dass er sich für den Sport einsetzt und Möglichkeiten aufzeigt, den Sport zu fördern. Wenn man wie Pinneberg wenig Geld hat, sind Kreativität und guter Willen erforderlich, um etwas zu bewegen. Ich habe aber leider den Eindruck, dass sehr häufig nur nach Gründen gesucht wird, warum etwas nicht geht. Das ist aus meiner Sicht nicht die Aufgabe eines Fachbereichs Sport. Ich würde mir wünschen, dass mehr für und nicht gegen den Sport gearbeitet wird.
 

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