Kreis Pinneberg : Mehr Flüchtlinge im Kinderschutzhaus

Sind für die Jugendpflege zuständig: Maike Möller, Anja Martin, Christoph Helms, Helga Kell-Rossmann und Eckbert Jänisch.
Sind für die Jugendpflege zuständig: Maike Möller, Anja Martin, Christoph Helms, Helga Kell-Rossmann und Eckbert Jänisch.

Der Verein Perspektive präsentiert seinen Jahresbericht. 265 Fälle wurden bearbeitet.

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05. Juni 2015, 12:15 Uhr

Elmshorn | Die Zahl der Kinder- und Jugendlichen, die im Kreis Pinneberg aus ihren Familien genommen und in Obhut gegeben worden sind, ist 2014 im Vergleich zum Vorjahr von 221 auf 265 gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht der gemeinnützigen Prespektive GmbH hervor, die sich mit dem Jugendamt der Kreisverwaltung um die Inobhutnahme kümmert. Die Perspektive beobachtet zudem, dass der Anteil der Flüchtlingskinder zunimmt.

Der Anstieg der Fallzahl erscheint deutlich, liegt aber im mehrjährigen Mittel. Von 2009 bis 2014 schwankte der Wert zwischen 221 (2013) und 272 (2011). 103 Mädchen und 89 Jungen wurden 2014 im Kinderschutzhaus betreut, 29 Mädchen und 44 Jungen in Familien. In Familien werden meist Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren untergebracht – vor allem weil sie vernachlässigt wurden oder weil ihre Eltern psychisch erkrankt sind. Im Kinderschutzhaus kommen vor allem die 13- bis 17-Jährigen unter. Sie haben häufig Gewalt erlebt oder haben Drogenerfahrung.

20 unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder sind 2014 im Kinderschutzhaus aufgenommen worden. 2013 waren es acht. Das stellt die Jugendpflege vor ganz neue Herausforderungen. „Es dauert manchmal, bis wir an Dolmetscher herankommen“, sagte Eckbert Jänisch, Geschäftsführer der Perspektive. „Es ist auch schwierig, pädagogische Anliegen über einen Dolmetscher zu kommunizieren“, sagte Christoph Helms, Fachdienstleister Jugend in der Kreisverwaltung.

Diejenigen, die im Kinderschutzhaus unterkamen, bewerteten die Einrichtung gut. Besonders die Betreuer bekamen gute Noten. Mittelmäßige Noten gab es für die Hausordnung mit den restriktiven Ausgehzeiten. Die schlechteste Bewertung bekam das Essen. Wegen massiver Preiserhöhungen wurde aber im April der Lieferant gewechselt. „Wir sind gespannt, wie sich die Rückmeldungen verändern werden“, heißt es in dem Bericht.

Der Verein sucht Familien, die Plätze in der Bereitschaftspflege anbieten. Voraussetzung sind stabile Familienverhältnisse. Ein Elternteil darf nicht berufstätig sein. Außerdem muss die Familie über ein Auto verfügen. Für die Versorgung eines Kindes gibt es etwa 1000 Euro pro Monat, um den Aufwand, etwa für Essen oder Fahrtkosten, auszugleichen.

Der gemeinnützige Verein Perspektive kümmert sich um in Not geratene Kinder und Jugendliche. Er organisiert die Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII. Der Verein tut dies mit drei Instrumenten. Er koordiniert etwa zwölf Familien, die insgesamt 16 Plätze für Bereitschaftspflege anbieten. Kinder in Not können für eine begrenzte Zeit in diesen Familien bleiben. Außerdem bietet der Verein eine Rufbereitschaft an, der außerhalb der Dienstzeiten des Jugendamts – auch nachts – ansprechbar ist und etwa Anzeigen auf Kindeswohlgefährdung prüft. Im Kinderschutzhaus finden Kinder und Jugendliche vorübergehend Unterschlupf. Sie bekommen dort Essen, ein Bett und Beratungen.
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