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„Pinneberger Erklärung“ : Mehr barrierefreier Wohnraum

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wohnungsbauunternehmen und Behindertenorganisationen im Kreis Pinneberg unterzeichnen die „Pinneberger Erklärung“.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2016 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Großer Erfolg für den Behindertenbeauftragten des Kreises Pinneberg, Axel Vogt: Im Beisein von Landrat Oliver Stolz und Kreispräsident Burkhard Tiemann (CDU) haben Vertreter der Wohnungsbauwirtschaft und verschiedener Behindertenorganisationen gestern die sogenannte Pinneberger Erklärung unterzeichnet. Damit bekunden beide Seiten den Willen, mehr Wohnraum für Menschen mit Behinderung zur Verfügung zu stellen.

Zu den Unternehmen, die die „Pinneberger Erklärung“ unterzeichnet haben, gehören Wohnungsbaugesellschaft Th. Semmelhaack, Neue GeWoGe, Eigenheim Wohnungsgenossenschaft, Stiftung „Wir helfen uns selbst“, Adlershorst Baugenossenschaft, Neue Lübecker, Lebenshilfe, Arbeiterwohlfahrt, Großstadt-Mission Hamburg-Altona, ASB-Landesverband, Kreisseniorenbeirat und der Behindertenbeauftragte des Kreises Pinneberg.

Stolz sprach von einem guten Moment und großen Erfolg für Vogt und lobte die Erklärung als einen „Pakt zwischen Menschen, die die Bedürfnisse von Behinderten kennen“. Vogt kündigte bereits für den 22. Juni ein erstes Arbeitstreffen der Unterzeichner an, in dem es zunächst um die Regulierung des Informationsflusses und die Ermittlung des Bedarfs gehen werde.

Zurückhaltende Vermieter, zu hohe Mieten, ungeeignete Wohnungen – für Hans-Peter Stahl von der Arbeiterwohlfahrt haben Menschen mit einem Handicap kaum eine Chance, aus einer stationären oder teilstationären Unterbringung in freie Wohnungen zu wechseln. „Vor uns liegt ein schwerer Weg, aber es ist gut zu wissen, wo die Ansprechpartner sitzen“, sagte er. Auch Michael Behrens von der Lebenshilfe begrüßte den Pakt. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren kontinuierlich voneinander entfernt, weil die Angebote, die wir unterbreiten, eher separieren.“

Die Vertreter der Wohnungsbauunternehmen und Genossenschaften warnten allerdings vor zu großen Hoffnungen auf schnelle Umsetzung aller Ziele und Erfüllung aller Wünsche. „Wenn jede neu gebaute Wohnung immer den höchsten Ansprüchen genügen soll, kommen wir irgendwann in Regionen, die nicht mehr bezahlbar sind“, sagte Uwe Wirries von der Baugenossenschaft Adlershorst.

Kai Lorenz von der Neuen GeWoGe mahnte alle Beteiligten zu Geduld. „Das Thema ist ein schwieriges, auch für Vermieter.“ Weil sie die häusliche Gemeinschaft im Blick haben müssten und im Umgang mit behinderten Menschen als Mieter oft unsicher seien, gingen sie häufig noch den leichteren Weg und entschieden sich gegen einen behinderten Bewerber. Ingo Worm von der Stiftung „Wir helfen uns selbst“ forderte ebenfalls eine größere Sensibilität auch von Politik und Verwaltung. „Inklusion ist erst dann erreicht, wenn 100 Prozent der Wohnungen barrierefrei sind“, sagte er. Dieses Ziel müsse auch für Investoren gelten, die Worm gern ausschließen möchte, wenn sie dazu nicht bereit sind. Fachleute gehen davon aus, dass im Kreis Pinneberg 50.000 Menschen mit einer Behinderung leben, darunter 30.000 mit einer schweren Beeinträchtigung. Nach neuesten Erhebungen gibt es 67.000 Mietwohnungen, 35 Prozent gehören den Baugesellschaften. Der Rest gehört privaten Vermietern.

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