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Blick in die Sterne für alle möglich : Mehr als 500 Besucher pro Jahr in der Sternwarte Tornesch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mehr als 500 Besucher pro Jahr verzeichnet die Sternwarte Tornesch zu monatlichen Astro-Nächten, Führungen und Vorträgen.

Tornesch | Sie stehen auf Star Wars und Science Fiction. Sie beobachten die Sterne. Und ihre Herzen schlagen für die Wissenschaft. Diese Beschreibung trifft auf viele der 44 Mitglieder des Vereins zu, der die Regionale Volks- und Schulsternwarte Tornesch (RVTS) auf dem Dach der Klaus-Groth-Schule betreut. Sie wollen Menschen die Möglichkeit bieten, mehr über die Welt zu erfahren, in der wir leben – Basiswissen vermitteln.

Mehr als 500 Besucher pro Jahr verzeichnet die einzige Sternwarte im Kreis Pinneberg zu monatlichen Astro-Nächten, Schulklassen-Führungen, Vorträgen von Astronomie-Professoren und Fachleuten – teils auch aus den eigenen Reihen. „Eigentlich kommen immer viel zu viele Menschen für diesen Raum“, sagt Michael Speichert, Technik-Vorstand des Vereins. „Bei der Astronacht Neujahr 2015 war die Bude voll.“ Allein 150 Besucher kamen zur Sonnenfinsternis in diesem Jahr – auch wenn aufgrund des schlechten Wetters ein Alternativprogramm stattfinden musste. Zwischen 30 und 40 Zuhörer seien bei den Vorträgen die Regel. Alle Angebote des Vereins sind kostenlos.

Zirka zehn vereinseigene Teleskope stehen in den Räumen des RVTS. Über eine Holztreppe geht es hinauf zum eigentlichen Schatz des Vereins, das hauptoptische Instrument, ein großes Teleskop unter der Kuppel, die sich öffnen lässt und Blicke auf den Sternenhimmel freigibt. Das wurde 2010, im Jahr der Vereinsgründung eingeweiht.

„Der ,Wow‘-Effekt entsteht, wenn Kinder zum ersten Mal den Saturn sehen. Den Effekt hören wir sehr oft“, so Lutz Zimmermann, der im Verein für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Gerade Kinder seien sehr leicht zu begeistern, weiß Vereinsvorsitzender Bodo Hübner. „Wir sind speziell bemüht, uns im Bereich Schule zu engagieren.“ Schüler der Elmshorner Elsa-Brändström-Schule, der Johannes-Schwennesen-Schule in Tornesch und der Grundschule Moorrege waren bereits teilweise mehrmals mit Begeisterung zu Gast. So auch die Schüler der Astro-AG des Elsensee-Gymnasiums in Quickborn, die der Quickborner Karl Engeldinger, Schriftführer des Vereins, leitet.

Die einzige Schule, die nicht mit der Sternwarte zusammenarbeite, sei die Klaus-Groth-Schule, auf dessen Dach die Sternwarte steht, so Hübner. „Die Schulleitung sieht keine Möglichkeit, es programmatisch einzubinden.“ Im Verein gibt es laut Speichert immer wieder die Hoffnung, dass aus der Schule heraus etwas passiert. „Unsere Nachwuchsprobleme wären dann schlagartig erledigt.“ Denn der Verein habe vielfältige Aufgaben, das Echo auf die Veranstaltungen sei groß, die große Mehrheit der Vereinsmitglieder allerdings älter als 40 Jahre. „Es gibt genug Beispiele, wo Schulen mit Sternwarten zusammenarbeiten“, fügt er an. In drei ostdeutschen Bundesländern werde Astronomie noch immer als Schulfach unterrichtet.

Jeden ersten Donnerstag im Monat ab 20 Uhr veranstaltet die Sternwarte Tornesch, Klaus-Groth-Straße 11, eine  Astronacht – die nächste  am  1. Oktober. Dazu gibts ab 19 Uhr einen Vortrag, der sich mit dem Sternen-Leben und Sternen-Tod befasst. Jeden zweiten Donnerstag im Monat um 20 Uhr treffen sich die Hobby-Astronomen zu einem Stammtisch im Lokal „Von Stamm“ in Uetersen, zu dem Interessierte dazustoßen können. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. www.sternwarte-tornesch.de

Zudem gehöre die Sternwarte zum Schulzweckverband Tornesch-Uetersen, dem Träger der Schule, erläutert Speichert. Die Anschaffung des Teleskops auf dem Schuldach im Wert von 18.000 Euro sei im Rahmen des Schulbaus von Bund, Land und Kreis gefördert worden, Bürgermeister Roland Krügel (CDU) habe sich als Vorstand des Schulzweckverbands für den Bau der Sternwarte eingesetzt. Der Verein habe damals aus eigener Tasche den optischen Tubus im Wert von 5500 Euro bezahlt, um die Nutzung der Sternwarte abzusichern. Der Verein finanziert sich über Beiträge und Spenden.

Trotz mangelnden Interesses der Klaus-Groth-Schule verfolgen die Hobby-Astronomen weiter ihr Ziel, Basiswissen zu vermitteln, und gehen dabei auch der eigenen Leidenschaft nach. „Wir gucken uns Planeten an, Kraterschatten im Halbmond, Saturn, Jupiter. Den mal live mit eigenen Augen zu sehen: Da sagen alle nur ,boah‘“, so Speichert. „Wir wären ohne die Entwicklung des Universums nicht existent.“ Erstmal habe das Beobachten mit Mathematik nichts zu tun. Auch in Kindergärten hätten die Astronomen bereits die Sterne erklärt.

„Es geht darum, mehr Ehrfurcht und Wertschätzung für diese Welt zu vermitteln“, sagt Hübner. Engeldinger kritisiert: „Der Trend der Esoterik hat in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. Das läuft einher mit einem ganz allgemeinen Stand des Wissensstandes in unserer Gesellschaft.“ Hübner verdeutlicht: „Die Jugend wird nicht mehr genug in der Wissenschaft gefördert. Es gab noch nie so viele Möglichkeiten für Astronomen, eine Beschäftigung zu finden, aber kaum Möglichkeiten, sich ausbilden zu lassen – angefangen in den Schulen.“

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erstellt am 18.Sep.2015 | 17:45 Uhr

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