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Pinneberger Amnesty-Gruppe : Mehr als 40 Jahre Kampf für Malawi

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit 1972 setzen sich die Aktivisten der Pinneberger Gruppe von Amnesty International für Menschenrechte in dem afrikanischen Staat Malawi ein.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Jürgen Ohlert überlegt kurz. Dann sagt er bestimmt: „Zufrieden sind wir nicht.“ Mehr als 40 Jahre lang hat der Ingenieur aus Pinneberg für Amnesty International (AI) gegen Staatsterror und Menschenrechtsverletzungen in dem kleinen afrikanischen Binnenstaat Malawi gekämpft. Über Jahrzehnte hat Ohlert versucht, die Machenschaften des Diktators Hastings Kamuzu Bamba öffentlich zu machen. Malawische Oppositionelle im Exil gingen in seinem Pinneberger Haus ein und aus. Unermüdliche setzt er sich für politische Gefangene in Malawi ein, vor allem für das Ehepaar Orton und Vera Schirwa. Immer wieder werden die beiden ehemaligen Politiker – Orton war Justizminister – mit der Todesstrafe bedroht. Vera wurde 1993 freigelassen, Orton starb 1992 unter bis heute ungeklärten Umständen in der Haft. Symbolisch für Ohlerts Kampf. Für jeden Sieg gab es auch einen Rückschlag.

Heute hat Malawi zumindest nominell ein Mehrparteiensystem, die erste Präsidentin, Joyce Banda, duldet kritische Journalisten und Vera Schirwa kann weitgehend frei für Bürgerrechte und Meinungsfreiheit kämpfen. Doch nächstes Jahr wird gewählt und Ohlert befürchtet, dass die anstehenden Wahlen das politische Klima wieder verschärfen. „Es gibt keinen Sinn für Verhältnismäßigkeit bei der Polizei“, so Ohlert. Wer verhaftet wird, müsse mit körperlicher Gewalt rechnen. Der Kampf gehe also weiter.

Zum Malawi-Spezialisten wurde Ohlert durch Zufall. 1972 soll die frisch gegründete Pinneberger Amnesty-Gruppe Menschen aus Malawi betreuen. „Wir wussten ja kaum, wo das Land überhaupt liegt“, erzählt Ohlert. Doch der heute 76-Jährige leckt Blut. Er verbeisst sich richtig in die Materie. „Es war schwierig, an Informationen zu kommen“, betont der Ingenieur. Gerade das habe ihn aber gereizt. Eine zusätzliche Herausforderung: Bambas Regime gilt als Freund des Westens. Im Kalten Krieg möchten viele Verantwortlichen aus dem Auswärtigen Amt nichts Negatives über den gebildeten Arzt, der seine Erziehung in Europa erhielt, hören. „Dabei hat er Oppositionelle als Krokodilfutter bezeichnet“, empört sich Ohlert. Der Pinneberger hat seine Kontakte überall. Bei Diplomaten, Journalisten und Wirtschaftsvertretern, die nach Malawi reisen. So kommt er schnell an Insiderinformationen und kann Aktionen von Amnesty organisieren. So stehen sofort Aktivisten mit Protestplakaten vor dem Hamburger Hotel Atlantik, in dem die First Lady des afrikanischen Landes abgestiegen war.

Das Ende der Sowjetunion und des Kalten Krieges bringt endlich diplomatischen Druck auf Präsident Bamba. 1994 lässt er freie Wahlen zu und unterliegt Bakili Muluzu. Bamba tritt widerstandslos ab. Jürgen Ohlert kann Vera Schirwa endlich persönlich treffen. Diese hatte nur von einer ebenfalls inhaftierten Afrikanerin im Gefängnis erfahren, dass Amnesty International für ihre Freilassung kämpft.

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