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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 06:17 Uhr

Mehr als 350 Rehe angefahren

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jagdsaison 2012/2013: Im Landesvergleich ist die Zahl der Zusammenstöße zwischen Tier und Auto im Kreis besonders hoch

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Viel zu oft kracht es in der herbstlichen Dämmerung auf den Straßen im Kreis Pinneberg. Wildunfälle halten die Kreisjägerschaft auf Trab. 352 Rehe, fünf bis zehn Wildschweine sowie drei bis fünf Stück Rotwild erlebten nach Angaben von Kreisjägermeister Wolfgang Heins in der vergangenen Jagdsaison von April 2012 bis März 2013 unschöne Begegnungen mit motorisierten Gefährten.

„Das kann lebensgefährlich enden“, warnte der stellvertretende Kreisjägermeister Sven Schwake. Lebensgefährlich für Mensch und Tier. „Ein Reh wiegt 20 Kilogramm, ein Rothirsch allerdings 170 Kilogramm. Und wenn Sie eine 150-Kilogramm-Sau anfahren, da sieht die Welt schon anders aus“, sagte Schwake. Die Polizei registrierte nach Angaben von Pressesprecherin Sandra Mohr bisher 122 Wildunfälle von Januar bis Juni 2013. Bei einem Unfall sei eine Person leicht verletzt worden.

Die Wildverkehrsunfallzahl sei im Kreis verglichen zum Landesschnitt besonders hoch, beachte man, dass der Kreis Pinneberg der flächenmäßig kleinste Kreis in Schleswig-Holstein ist. Gründe seien die hohe Besiedlungsdichte und das große Verkehrsaufkommen, erläuterte Schwake

In Schleswig-Holstein habe es laut Heins in der vergangenen Jagdsaison Wildunfälle mit 11 275 Rehen, 410 Wildschweinen sowie 802 Hirschen gegeben. Schwake erwähnte außerdem Unfälle mit Wölfen, die jedoch nicht zum jagdbaren Wild zählten. „Ein Wolf wurde das letzte Mal am 2. April 2013 im Kreis Stormarn überfahren“, berichtete der stellvertretende Kreisjägermeister. Hinzu kämen zahlreiche Zusammenstöße unter anderem mit Füchsen, Dachsen, Fasanen und Hasen. „Wenn man durch ein klassisches Gefahrengebiet mit 70 Kilometern pro Stunde fährt, ist das schon fast zu schnell. Meist sehe ich das Tier erst, wenn es vor dem Kühler ist. Mit 100 bis 120 Stundenkilometern Geschwindigkeit haben Fahrer keine Chance zu reagieren.“ Schwake kritisierte, dass Warnschilder häufig ignoriert würden. Bundesweit habe es von April 2012 bis März 2013 sieben Prozent mehr Wildunfälle gegeben als im Jahr davor. Im Kreis Pinneberg sei die Zahl der Wildunfälle laut Heins jedoch leicht gefallen.

Grundsätzlich gelte bei jedem Wildunfall: Die Polizei informieren, die dann die zuständigen Jagdausübungsberechtigten kontaktiere, erläuterte der stellvertretende Kreisjägermeister. Dabei sei es egal, ob es sich um einen Unfall mit einem Wildschwein oder einem Fuchs handele. Noch immer gebe es Menschen, die die Unfallstelle tatenlos verlassen würden, so Schwake. „Das ist rein rechtlich gegenüber dem Tierschutzgesetz ein Fehlverhalten, eine Ordnungswidrigkeit. Moralisch ist es völlig verwerflich. Das Tier ist verletzt und leidet.“ Auch wer den Unfallort verlässt, sollte die Unfallstelle markieren. „Auf diese Weise kann ich mit meinem Hund die Fährte aufnehmen“, erläuterte Schwake. „Im Regelfall wird es vom Jagdausübungsberechtigten aus der freien Wildbahn entnommen.“

Durch Wildunfälle entstünde den Jägern auch wirtschaftlicher Schaden, erläuterte der Kreisjägermeister Heins. Ein Reh habe grob geschätzt einen Fleischwert von bis zu 250 Euro, ein Wildschwein von bis zu 600 Euro. Ein Rothirsch könne allerdings auch bis zu 1200 Euro bringen. Schwake ergänzte: Nach einem Unfall sei das Fleisch „nicht mehr verkehrsfähig“.

Der Appell des stellvertretenden Kreisjägermeisters an die Autofahrer insbesondere i in der Morgen- und Abenddämmerung lautet: „Aufmerksam und bremsbereit fahren, insbesondere auf Straßen, die durch Waldgebiete und an Dickungen vorbeiführen.“ Zu diesen Zeiten seien insbesondere Rehe und Hirsche aktiv. Auch Wildschweine liefen langsam zu Hochtouren auf.

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