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Wohnungsverlust : Mehr als 330 Menschen ohne Bleibe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Beratungsstelle will Verlust der Wohnung verhindern. Für morgen ist ein Aktionstag in der Pinneberger Innenstadt geplant.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Es kann existenzgefährdend sein: 68 Räumungsklagen für Pinneberger Wohnungen landeten im vergangenen Jahr auf den Schreibtischen der Sozialen Wohnraumhilfe Pinneberg. 68-mal drohte der Verlust des eigenen Heims. 32-mal haben Christa Hausmann und ihr Team ihn verhindert. „Eine gute Bilanz“, findet sie. In den anderen Fällen mussten die Bewohner die Tür endgültig hinter sich schließen. Einige fanden eine neue Wohnung, andere kamen bei Bekannten unter. Aber einige rutschten auch in die Obdachlosigkeit. Dann springt die Stadt ein und bringt sie unter. In Pinneberg haben auf diese Weise derzeit 150 Menschen ein Dach über dem Kopf.

Etwa 330 Menschen sind es kreisweit. Die genauen Zahlen werden bei den Ordnungsämtern der Gemeinden und Städte erfasst, Antje Mause trägt sie dann zusammen. Mause ist Mitarbeiterin der Beratung für Wohnungslose, die in Pinneberg mit in den Räumen der Sozialen Wohnraumhilfe sitzt, aber für das gesamte Kreisgebiet zuständig ist. „Wer nicht zum Ordnungsamt geht, wird nicht erfasst“, sagt Mause. Wie viele Menschen im Kreis Pinneberg derzeit auf der Straße lebten, wisse sie nicht.

Aber warum verlieren Menschen ihre Wohnung? Das kann schnell gehen: Der Vermieter ist bereits nach zwei ausstehenden Monatsmieten berechtigt, den Mietvertrag zu kündigen. „Parallel entstehen meistens auch noch Energieschulden. Viele gehen nicht wirtschaftlich mit ihrem Geld um“, sagt Hausmann und fügt an: „Aber zur Wohnungslosigkeit kommt es auch, ohne dass Mietschulden entstanden sind.“ Trennung, häusliche Gewalt und Suchtprobleme können ebenfalls Gründe dafür sein, dass Menschen auf eine Notunterkunft angewiesen sind. Wenn eine Räumungsklage auf ihrem Tisch landet, muss Hausmann schnell handeln. „Im besten Fall kommen sie schon mit der Kündigung zu uns und nicht erst mit der Räumungsklage“, sagt sie. Ansonsten versucht sie, den drohenden Wohnungsverlust zu verhindert. Zu allererst, indem sie Kontakt mit dem Jobcenter oder dem Sozialamt aufnimmt und die Übernahme der Mietrückstände erwirkt. Manchmal vermittelt sie zwischen Vermieter und Mieter. „Darüber hinaus wollen wir mit den Frauen und Männern, die zu uns kommen, eine für sie nachhaltige Perspektive erarbeiten“, sagt Hausmann.

Dass Menschen überhaupt in diese Lage geraten, liegt laut der Sozialen Wohnraumhilfe und Beratung für Wohnungslose auch an der Wohnungsnot. Eine Wohnung, die kostenmäßig innerhalb der Mietobergrenzen liege und sich in einem annehmbaren Zustand befinde, „gleicht geradezu einem Sechser im Lotto“. Zudem kritisieren die Mitarbeiter, dass nicht genug Notunterkünfte vorhanden seien.

Den bundesweiten Tag der Wohnungslosen am morgigen Freitag, 11. September, wollen Mause, Hausmann und ihre Kollegen zum Anlass nehmen, über Wohnungslosigkeit ins Gespräch zu kommen und auf ihre Beratungsstelle aufmerksam zu machen. Zwischen 10 und 12 Uhr präsentieren sie auf dem Lindenplatz in der Pinneberger Fußgängerzone ihre Arbeit. Beim Straßenspiel „Obdach-fertig-los“ können Passanten die Stationen von Wohnungslosen „abgehen“. Es wird ein monopolyähnliches Spiel aufgebaut, zu dem ein großer Würfel gehört. „Auf den Stationen wie ,einen Übernachtungsplatz suchen’ oder ,Geld leihen’ können die Spieler nachempfinden, wie Wohnungslose leben“, sagt Hausmann. Sie ergänzt: „Wir freuen uns auch über Spenden für Tagesausflüge mit Wohnungslosen, wofür wir keinen Etat haben.“

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