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Kreis Pinneberg : Medizinische Hilfe für Menschen ohne Versicherung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Praxis Sozius: Die Besucherzahl des Angebots steigt weiter an.

Kreis Pinneberg | Für Menschen ohne Krankenversicherung bietet sie im Kreis Pinneberg seit einem halben Jahr kostenlos eine Anlaufstelle in Krankheitsfällen und medizinischen Notlagen: Die Praxis Sozius im Haus der Begegnung, Hainholzer Damm 11, in Elmshorn. Und der Zulauf steigt langsam, wie Ulrich Grobe, Leiter des Trägervereins Regio Mobil, sagt.

„Wir hatten einen Patienten, der brauchte einen Herzschrittmacher. Eine andere Patientin war derart zuckerkrank, dass sie die nächsten Wochen nicht überlebt hätte, wenn sie nicht gekommen wäre“, schildert Grobe die Situation. Auch Schwangere hätten in der Praxis Sozius bereits Hilfe gesucht.

Seit September 2014 hat die Praxis jeden Montag von 18 bis 19 Uhr geöffnet. Acht Ärzte – darunter Allgemeinmediziner, Chirurgen und Dermatologen aus dem Kreis Pinneberg, sind ehrenamtlich im Wechsel für die Patienten da. Hinzu kommen drei Arzthelferinnen und ein Mitarbeiter am Empfang.

„So im Schnitt kommt pro Öffnung eine kranke Person“, so Grobe. Das sei eher wenig und spiegele die tatsächliche Bedarfssituation im Kreis Pinneberg nicht wieder. Denn Schätzungen zufolge lebten hier 400 Menschen ohne Krankenversicherungsschutz, so der Vereinsvorsitzende. „Wir gehen davon aus, dass das Klientel schlecht zu erreichen ist und sich das Angebot erst herumsprechen muss.“ Dennoch: „Am Anfang kamen deutlich weniger. Es ist eine gefühlte Steigerung.“

Die Praxis Sozius suchen Menschen auf, die beispielsweise nicht genug verdienen, um eine Krankenversicherung zu bezahlen. Aber auch Menschen, die mit einem Touristenvisum nach Deutschland eingereist seien, sich hier aufhalten und im Krankheitsfall nicht versichert sind. Dazu zählten auch ältere alleinstehende Familienmitglieder aus Krisenländern. „Das ist menschlich. Das ist eben so“, sagt Grobe. Gibt es sprachliche Barrieren bei Menschen aus dem Ausland? „Die Menschen bringen eigentlich immer Übersetzer mit. Manche können sich auch auf Englisch verständigen, was wir auch sprechen“, so Grobe. Auch Kinder seien bereits behandelt worden. Die Menschen seien dankbar, die Behandlung erfolge auf Wunsch anonym.

Weitere Ärzte fürs Team gesucht

Der Praxisraum wird montags im Gymnastikraum des Hauses der Begegnung eingerichtet und steht kostenlos zur Verfügung. Drei Stühle, ein Tisch, eine Untersuchungsliege stehen bereit. Der jeweilige Arzt bringt seinen Notfallkoffer mit. „Wenn es komplizierter wird, versuchen wir Fachärzte zu finden, die kostenlos und anonym behandeln“, so Grobe. Bisher habe das immer geklappt. „Unser Traum ist es, dass wir eine Liste mit Experten aufstellen, die sagen: ,Zweimal im Jahr kann jemand zu uns kommen.‘“ Auch weitere Ärzte sind zum ehrenamtlichem Einsatz im Team willkommen.

Braucht ein Patient Medikamente, werde ein Privatrezept ausgestellt. Seien die Patienten bedürftig, springe der Verein mit bis zu 50 Euro für ein Rezept ein, die aus Spenden oder den Mitgliedsbeiträgen der bisher 17 Mitglieder gedeckt werden.

Unterstützend weise auch die Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) bei ihren Einsätzen auf die Praxis Sozius hin. Grobe sagt: „Die kommen oft zu Fällen, die vorher hätten zu uns kommen können. Es ist klüger, Bluthochdruck zu behandeln, als einen Herzinfarkt abzuwarten.“ www.regiomobil-pinneberg.de

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erstellt am 26.Feb.2015 | 16:00 Uhr

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