Pinneberg : Mediensucht wird zunehmend zum Problem

Mediensucht, Glückspiel, Hochprozentiges: Stefan Albrecht und Maike Kleber können helfen.
Mediensucht, Glückspiel, Hochprozentiges: Stefan Albrecht und Maike Kleber können helfen.

Alkohol & Co.: Die Beratungsstelle der Diakonie bietet Einzelgespräche und Gruppentherapien an.

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31. Juli 2014, 12:00 Uhr

Pinneberg | Cannabis, Heroin und Koks – der Missbrauch harter Drogen ist Dauerthema in den Medien. Weniger im Fokus: Suchtmittel, deren Konsum nicht vom Gesetz verfolgt wird. Und das, obwohl Millionen Menschen mit Alkoholabhängigkeit, Tabaksucht und dem Drang zum Glücksspiel zu kämpfen haben. Dieser Tatsache wird beim Diakonischen Werk Hamburg-West/Südholstein Rechnung getragen. Maike Kleber und ihr Team von der Suchtberatung bieten Information, Therapie, Nachsorge und Gruppentreffen an.

Pro Jahr kommen etwa 400 Menschen in die Einrichtung, die im Haus der Diakonie an der Bahnhofstraße beheimatet ist. Ihnen wird Anonymität zugesichert. Ein vertrauliches Umfeld ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. Sechs Mitarbeiter sind bei der Suchtberatung der Diakonie, die vom Kreis finanziert wird, beschäftigt. Zum Team zählen Diplom-Sozialtherapeuten mit suchttherapeutischen Zusatzausbildungen.

Einer dieser Experten ist Stefan Albrecht. Zu seinen Schwerpunkten zählt die Mediensucht. Albrecht berichtet von Jugendlichen, die es nicht mehr schaffen, vom Computer wegzukommen. „Handys haben dieses Problem verschärft“, sagt Albrecht. Vor allem Ego-Shooter und Rollenspiele sorgen dafür, dass junge Menschen immer mehr Zeit vor den Bildschirmen verbringen. Auch Videoportale wie You Tube würden intensiv genutzt.

Von kausalen Zusammenhängen zwischen dem Konsum gewaltverherrlichender Inhalte und tatsächlicher Gewalttätigkeit kann Albrecht nicht berichten: „Den sehe ich nicht, da müssten noch andere Faktoren mitspielen“, sagt er. Jugendliche könnten in der Regel zwischen virtueller Ebene und Realität unterscheiden. „Aber es ist ganz schrecklich, dass Gewaltvideos im Internet frei zugänglich sind“, so Albrecht. „Es müsste eine Instanz geben, die derartige Videos sperrt“, ergänzt Kleber.

Mediensucht – ein Problem unserer Gesellschaft. Jedoch nicht das Größte. Ein Großteil der Hilfesuchenden kämpft mit der legalen Droge Alkohol. „Etwa 60 Prozent unserer Klienten“, sagt Kleber. Ein Viertel der Gespräche wird mit Angehörigen geführt – die Sucht kann Familien vor Zerreißproben stellen. Weitere Klienten wenden sich an die Diakonie, weil sie mit Essstörungen kämpfen, nicht von Medikamenten wegkommen oder dem Nikotin abschwören wollen.

Spezielle Gruppenangebote gibt es etwa für Frauen, die ihre Alkoholabhängigkeit häufig verheimlichen. Auch Kinder aus von Sucht betroffenen Familien werden betreut. Ein weiteres Thema, das an Bedeutung gewinnt, ist laut Kleber die Sucht im Alter.

Die Beratung bei der Diakonie ist kostenlos. Wartezeiten werden möglichst vermieden. Das Team arbeitet eng mit Selbsthilfegruppen und stationären Einrichtungen zusammen.

Die Suchtberatungsstelle der Diakonie ist im dritten Stock in der Bahnhofstraße 29-31 beheimatet. Telefonisch sind die Mitarbeiter unter 04101-408870 zu erreichen. Nähere Informationen im Internet unter www.suchtberatung-pinneberg.de
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