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„Eltern müssen Ansprechpartner sein“ : Medienpädagoge Joszi Sorokowski im Interview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Medienpädagoge Joszi Sorokowski erläutert im shz.de-Interview, wie Kinder das Rüstzeug für die digitale Welt bekommen.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2016 | 09:45 Uhr

Kreis Pinneberg | Joszi Sorokowski ist seit mehr als 20 Jahren als Medienproduzent und Medienpädagoge tätig und gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Netzwerks Medienkompetenz“ des Kreises Pinneberg. Im Interview mit dieser Zeitung betont er unter anderem, dass die Eltern sich mit dem digitalen Wandel intensiv beschäftigen müssen, damit sie eine vernünftige Medienerziehung sicherstellen können.

Joszi Sorokowski ist seit mehr als 20 Jahren als Medienproduzent und Medienpädagoge tätig. Der Vater zweier Töchter wurde in Kiel geboren und wohnt in Elmshorn. Sorokowski ist Lehrbeauftragter der Universität Flensburg im Bereich Medienbildung und Gründungsmitglied des „Netzwerks Medienkompetenz“ des Kreises Pinneberg.

Worauf sollen Eltern bei der Medienerziehung achten?
Erst einmal ist wichtig, dass überhaupt eine Medienerziehung stattfindet. Viele Eltern haben noch gar nicht auf dem Schirm, wie wichtig dieses Thema ist und lassen ihre Kinder damit allein. Dazu müssen sich Erwachsene vor Augen führen, dass das eigene Verhalten vom Nachwuchs nachgeahmt wird. Wenn man selbst beim Essen immer auf das Handy starrt, darf man sich nicht beschweren, wenn es die Kinder genauso machen. Medienerziehung sollte zudem nicht von Verboten geprägt sein. Es ist wichtig, früh damit zu beginnen und gemeinsame Erlebnisse zu haben. So können wir den Kindern helfen, Medien kreativ zu nutzen.

Was sollten Eltern auf keinen Fall tun?
Sie dürfen ihre Kinder bei dem Thema nicht allein lassen. Das ist einerseits anstrengend, kann aber auch viel Freude bereiten. Zudem müssen die Eltern Ansprechpartner sein. Die Bedienung der Geräte geht den Kindern ganz selbstverständlich von der Hand. Aber viele andere Bereiche können sie gar nicht nachvollziehen. Die Bedienungskompetenz ist nicht alles, die inhaltliche Kompetenz ist genauso wichtig. Ethische Fragen, Datenschutz, politische Interessen, Urheberrecht – das sind Themen, die Kinder und Jugendliche meistens gar nicht auf der Rechnung haben. Um ihnen zu helfen, müssen wir aber selbst wissen, wovon wir reden. Das bedeutet auch für uns lebenslanges Lernen.

Sind die Schulen für die digitalen Herausforderungen gerüstet?
In Schleswig-Holstein herrscht eine irrsinnige Diskrepanz. Es gibt einige Schulen, die bei der Integration der digitalen Medien in den Unterricht ganz weit vorn sind und beispielsweise Tablet-Klassen haben. Viele Schulen liegen aber in diesem Bereich ganz weit hinten. Da geht es häufig nur darum, welches Smartphone-Verbot eingeführt wird und wann die Geräte einkassiert werden. Es ist eine viel größere Herausforderung, diese in den Unterricht zu integrieren.

Muss die Ausbildung der Lehrer diesen Herausforderungen angepasst werden?
Auf jeden Fall. An vielen Universitäten passiert das auch schon. Ich bin selbst Lehrbeauftragter an der Universität Flensburg. Dort gibt es viele Konzepte und Projekte, die dem Wandel durch die Digitalisierung Rechnung tragen.

Glauben Sie, dass die Unsicherheit im Umgang mit den digitalen Medien uns dauerhaft beschäftigen wird oder hat sich dieses Thema irgendwann erledigt, weil unsere Kinder es gar nicht mehr anders kennen?
Das ist aufgrund der immensen Dynamik der Entwicklung schwer zu prognostizieren. Manche Schulen haben sich vor Jahren in Unkosten gestürzt, um Whiteboards zu kaufen. Die sind aber schon wieder veraltet. Das zeigt, dass keiner weiß, was in einigen Jahren ist. Ich finde den Ansatz interessant, dass die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Geräte mitbringen und mit denen arbeiten. Das bedeutet aber auch für die Lehrer, dass sie sich ständig mit der aktuellen Entwicklung beschäftigen. Sie müssen am Ball bleiben, damit sie nicht den Anschluss verlieren. Ich merke an meiner eigenen Arbeit, dass nichts mehr so ist wie vor 20 Jahren.

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