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600 Meter Kriminalgeschichte : Martin Musiol aus Pinneberg führt Interessierte durch die Sternschanze in Hamburg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pinneberger Martin Musiol führt durch sein altes Zuhause, die Sternschanze, und berichtet von Raubzügen, Drogen-Mafia und der RAF.

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erstellt am 29.Apr.2015 | 13:15 Uhr

Pinneberg/Hamburg | 600 Meter und beinahe jeder Meter hat seine eigene Geschichte: Der Pinneberger Künstler Martin Musiol bietet am Sonntag, 10. Mai, einen Rundgang durch die Sternschanze an. Titel der Veranstaltung: „600 Meter und eine Stunde Kriminalgeschichte des Hamburger Schanzenviertels“.

Ein Pinneberger führt durch das Hamburger Szeneviertel? Musiol hat selbst 25   Jahre lang in der Sternschanze gewohnt. Als Student nutzte er Anfang der 1970er Jahre den günstigen Wohnraum. 1998 zog er dann mit seiner Familie nach Pinneberg. „Meine Söhne waren damals im Kindergartenalter und die Schanze zu diesem Zeitpunkt von der Drogenszene beherrscht“, berichtet der 65-Jährige. Bereits als er noch in dem Viertel wohnte, setzte er sich viel mit seiner Umgebung auseinander. So habe er zum Beispiel seine Nachbarn gebeten: „Erzählt doch mal von früher“.

Musiol ist Stadtteilchronist aus Leidenschaft. Sein Wissen über das Quartier gibt er nun weiter. Treffpunkt ist um 11 Uhr der U-Bahn-Ausgang Sternschanze. Dann geht es erstmal in den gegenüberliegenden Schanzenpark. „Der Park war quasi das Zuhause der Zweiten RAF-Generation von 1975 bis 1981“, so der pensionierte Gymnasiallehrer. Während der Führung möchte er Facetten von mehr als 350   Jahren Kriminalhistorie der Sternschanze erläutern. „Ich will noch nicht zu viel verraten, aber das älteste Ereignis reicht zurück bis in das Jahr 1686“, gibt der 65-jährige Ausblick. „Und das jüngste Ereignis war im Jahr 2012“, fügt er hinzu.

Der Postraub von 1920

Außerdem erfahren die Teilnehmer etwas über den großen Postraub von 1920. „Dafür war der sogenannte Lord von Barmbeck verantwortlich. Er und seine Bande überfielen die Post und sperrten den Nachtwächter in einem Schrank ein“, sagt Musiol. Der Lord hieß mit bürgerlichem Namen Julius Adolf Petersen (1882 bis 1933). Seinen Beinamen erhielt er, weil er stets gut gekleidet war und viel Wert auf seine „Ganovenehre“ legte. So habe er die Familien von geschnappten Bandenmitgliedern immer finanziell versorgt. Der Überfall auf die Post lohnte sich für ihn: 230.000 Reichsmark und Briefmarken im Wert von 360.000 Reichsmark erbeutete er. „So viele Briefe konnte er gar nicht schreiben“, sagt Musiol und lacht. Außerdem berichtet er von Schanzen-Geschehnissen der Vornazizeit und des Zweiten Weltkriegs.

Einer der Kriminalfälle habe sogar ein Verbindung zu Pinneberg. „Drei Jugendliche haben am S-Bahnhof Thesdorf einer älteren Dame die Handtasche geklaut. Kurz darauf sind sie nach Hamburg gefahren – und haben in der Schanze jemanden umgebracht“, erzählt Musiol.

Sein Rundgang wird ein zweites Mal am 13. September angeboten. „Als Teil der Stadtteilführungen der Hamburger Geschichtswerkstätten“, sagt er. „Wenn sich unabhängig davon eine Gruppe ab fünf Personen findet, können wir auch gern einen anderen Termin vereinbaren“, so der Künstler. Die Teilnahmekosten betragen fünf Euro pro Person. Für die zwei Termine ist eine Anmeldung nicht notwendig. Absprache für weitere Rundgänge unter Telefon 04101-512790 und per E-Mail an martin.musiol @t-online.de.

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