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Marseille-Kaserne: Debatte über den „Stern von Afrika“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Mobbingskandale, rechtsextreme Soldaten, die Debatte über geplante Anschläge auf Flüchtlinge – die letzten Wochen waren kein Zuckerschlecken für die Bundeswehr. Das angeknackste Image will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wieder aufpolieren, unter anderem mit einer Überarbeitung des Traditionserlasses von 1982 – also die Richtlinien, nach denen Traditionen im Militär weitergegeben werden. Im Tagesbefehl „Innere Führung Heute“ vom 10. Mai sprach von der Leyen davon, Handlungssicherheit im Umgang mit der Geschichte der Wehrmacht geben zu wollen und gleichzeitig die Geschichte der Bundeswehr in den Fokus zu rücken.

Und dazu zählen auch Kasernennamen: Die Verteidigungsministerin kündigte an, solche mit Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenennen zu wollen. So wie die Marseille-Kaserne in Appen, wo die Unteroffizierschule der Luftwaffe beheimatet ist. Denn die wurde nicht etwa nach der gleichnamigen französischen Stadt benannt, sondern nach dem Jagdflieger und Offizier Hans-Joachim Marseille (1919-1942). Der Mann, der sich mit waghalsigen Flugmanövern einen Namen selbst unter Feinden machte – und eben damit, dass er die meisten Abschüsse verbuchen konnte (siehe Infobox). 13 Auszeichnungen erhielt er dafür, eine von Adolf Hitler persönlich.

Rainer Jürgensen, Vorsteher des Amts Marsch und Geest Südholstein, zweifelt jedoch, ob die Menschen den Namen Marseille heutzutage überhaupt noch mit dem Fliegerass des Zweiten Weltkrieges in Verbindung bringen. „Ich glaube, mehr als die Hälfte denkt dabei eher an eine Partnerschaft mit der Stadt Marseille“, sagt er. Appens Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU) wünscht sich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema: „Der Traditionserlass gehört überarbeitet, aber man muss differenzieren, das geht nicht pauschal“, sagt er. Es müsse überprüft werden, welche Person tatsächlich hinter dem Namen steht.

So will das auch das Verteidigungsministerium handhaben. Eine Sprecherin erklärte, es gehe um solche Namensgeber, die nicht im Einklang mit dem heutigen Traditionsverständnis der Bundeswehr stehen könnten. „Ziel ist es, zu prüfen, ob die Benennungen der Kasernen sinnstiftend im Sinne des Traditionsverständnisses der Bundeswehr ist oder ob eine Umbenennung von Kasernen zu erfolgen hat. Es gilt daher, bei den Bundeswehrangehörigen einen offenen Meinungsbildungsprozess anzustoßen und gemeinsam mit den Vertretern der Kommunen in einen entsprechenden Dialog zu treten.“ Noch dieses Jahr will das Verteidigungsministerium diesen Prozess abschließend umsetzten.

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