Notunterkunft in Pinneberg : Mangelnde Postzustellung als Problem: Die Polizei muss den Briefträger spielen

Am Hindenburgdamm 59 kommt die Post nicht an: Ein einziger Briefkasten wurde für alle Parteien angebracht.
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Am Hindenburgdamm 59 kommt die Post nicht an: Ein einziger Briefkasten wurde für alle Parteien angebracht.

Bewohner der Notunterkunft in Pinneberg erhalten keine Zustellungen, weil der Name auf dem Postkasten fehlt. Stadt bessert nach.

shz.de von
30. Juli 2015, 12:15 Uhr

Pinneberg | Ob vom Jobcenter, von der Staatsanwaltschaft oder vom Bewährungshelfer: Die Bewohner der Notunterkunft am Pinneberger Hindenburgdamm bekommen ihre Post nicht. Nun hat sogar die Polizei ein Schreiben vorbeibringen müssen. „Hätte der Empfänger es nicht erhalten und nicht reagiert, hätte das verheerende Konsequenzen haben können“, berichtet Bewährungshelfer Hans Heinrich Wittenhagen. Der ist mittlerweile ganz schön genervt. Denn auch er erreicht zwei seiner Klienten seit Monaten nicht per Post. Wittenhagen bekommt seine Schreiben an die beiden Männer jedes Mal zurück, mit dem Vermerk: „Empfänger unter dieser Anschrift nicht zu ermitteln“.

Das Problem: Lange Zeit gab es für die 14 Obdachlosen  der Notunterkunft keinen Briefkasten, mittlerweile gibt es einen einzigen für alle. Doch nirgends auf dem Plastik-Postkasten stehen Namen. Und ob wirklich alle einen Schlüssel haben, da ist sich Wittenhagen auch nicht sicher. „Das ist doch hanebüchen. So ist es wirklich schwierig, dass alle Zugriff auf ihre Post haben. Da kann auch mal was verloren gehen“, sagt er. „Oder einer sagt, er hat die Post einfach nicht bekommen, redet sich raus“, fügt er hinzu.

Das erste Mal sei ihm das Postproblem im Frühjahr aufgefallen. „Mein Schreiben vom 11. März bekam ich fünf Tage später wieder zurück“, berichtet Wittenhagen. Daraufhin sei er selbst bei der Unterkunft vorbeigefahren und habe den Brief unter der Tür durchgeschoben. Ein Schreiben, das er wenige Tage später an seinen anderen Klienten abgeschickt habe, sei ebenfalls wieder zurückgekommen. Er sei dann wieder zum Hindenburgdamm gefahren. „Und dort habe ich ihn angetroffen“, sagt der Bewährungshelfer.

Im April sei die Post wieder nicht zugestellt worden. „Der Mann hat dann auch einen wichtigen Leistungsbescheid nicht erhalten“, bedauert Wittenhagen. Noch am selben Tag habe er das Ordnungsamt angerufen. „Ich habe den Sachverhalt dargestellt, denn ich wusste, dass auch die Post vom Amtsgericht nicht angekommen ist.“ Beim Ordnungsamt habe man ihm geantwortet: „Wir kümmern uns drum“. Aber: „Passiert ist erstmal nichts“, wettert Wittenhagen. Im Mai habe er dann erneut Schreiben an seine Klienten geschickt, auch sie seien nicht angekommen. Da habe es ihm gereicht. Am 27.Mai  habe er einen Brief an Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg geschrieben. „Dieser Zustand ist unerträglich, auch weil es nachteilige Konsequenzen für die Bewohner haben kann“, heißt es darin. Er erwarte Schritte von der Stadt. Und weiter: „Ich rege in diesem Fall  an, die Wohneinheiten mit Briefkästen zu versehen.“

Fehlende Post kann zur Gefängnisstrafe führen

Denn: Wenn seine Klienten nicht auf wichtige Schreiben antworten, dann könne das bis zum Bewährungswiderruf führen. Das bedeutet: Die Männer müssten ins Gefängnis. Als Wittenhagen am 14. Juli bei der Notunterkunft gewesen sei, hätte er dort zwei Polizisten getroffen, die ein Schreiben im Auftrag der Staatsanwaltschaft zustellen wollten. „Ich wende mich jetzt an die Öffentlichkeit, weil das einfach nicht mehr sein kann“, sagt Wittenhagen. Was ihn besonders nervt: „Die Stadt redet sich damit raus, einen einzigen Briefkasten aufgehängt zu haben.“ Nachvollziehen kann er das nicht.

Bürgermeisterin Urte Steinberg teilte gestern auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass an mehrere Bewohner jeweils ein Schlüssel ausgehändigt worden sei. „Zwei Herren sind angeschrieben worden mit der Bitte, ihren Schlüssel hier bei uns abzuholen. Das ist bisher nicht geschehen“, berichtet Steinberg. Dass an dem Briefkasten keine Namen angebracht seien, habe Steinberg nicht gewusst. Darum werde die Verwaltung sich kümmern.

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