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Kreis Pinneberg : Manfried Heinrich fordert einen Bildungskanal für Einwanderer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Telekolleg für Flüchtlinge - die Rundfunkanstalten zeigen sich von dem Vorschlag des Kreis Pinnebergers nur wenig begeistert.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2015 | 12:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Hunderte von Flüchtlingen sind in den Kreis Pinneberg gekommen. Es werden wöchentlich mehr. Viele wollen langfristig bleiben. Doch wie lassen sich so viele Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln integrieren? Darüber hat sich der Pinneberger Manfried Heinrich Gedanken gemacht. Sein Vorschlag: ein eigener Bildungskanal für Migranten.

„Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache“, sagt Heinrich. „Aus eigener Anschauung weiß ich, dass die Deutschkurse aller sich bemühenden Institutionen weder in der Bewältigung des Andrangs noch in der Intensität des Unterrichtes ausreichen.“ So habe er bei Begegnungen mit Ausländern festgestellt, dass ihnen grundlegende Sprachkenntnisse fehlten. Seine Frau gebe im Pinneberger Café Pino, in dem es ein Beratungs- und Begegnungsangebot für Flüchtlinge gibt, Sprachunterricht. „Das Bisschen Sprachtraining, das die Ehrenamtlichen geben können, ist wichtig. Aber es reicht absolut nicht aus“, sagt der Pinneberger.

Deswegen schlägt Heinrich vor, das Fernsehen für den Sprachunterricht zu nutzen. Etliche Rundfunkanstalten, darunter der Norddeutsche Rundfunk, der Westdeutsche Rundfunk und das Zweite Deutsche Fernsehen, hat der Meteorologe in Ruhestand angeschrieben. Auch an überregionale Zeitungen und Magazine hat er seinen Vorschlag geschickt. Heinrich stellt sich ein 24-Stunden-Programm in einem eigenen Kanal vor. „Es sollten abgestufte Kurse mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden für Kinder, Männer und Frauen auf eine attraktive Weise angeboten werden“, schlägt er vor. Das Programm solle ausschließlich auf Deutsch verbreitet werden.

Für Heinrich ist das Angebot kein Konkurenzkonzept zum herkömmlichen Unterricht: „Es sollte nicht gegen die persönlichen Ausbilder gearbeitet werden. Die Lehrer sollten im Gegenteil damit unterstützt werden.“ Es dürfe aber nicht beim Sprachunterricht bleiben. „Wir sollten auch selbstbewusst unsere Leitkultur nahebringen, unter der ich Gleichberechtigung der Frauen, Demokratie, Toleranz, Säkularisierung, Rechte der Kinder und sexuelle Selbstbestimmung verstehe“, sagt Heinrich.

Wie in alten Zeiten

Bereits in den 1970er und 1980er Jahren hatte es im Fernsehen das Telekolleg gegeben, mit dessen Hilfe Zuschauer Schulabschlüsse nachholen konnten. Inhaltlich könnten sich Teile des Programms in dem neuen Kanal am Telekolleg oder an Kindersendungen wie der Sesamstraße orientieren, die Elemente vorschulischer Bildung vermittelt. „Alle Sprachtexte sollten mit deutschen Untertiteln versehen werden. Das macht die Sendungen verständlicher und unterstützt das Lernen der Schrift“, sagt Heinrich.

Organisatorisch solle der Kanal von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten getragen werden. „Wenn es nicht anders geht, müssen halt Luxuskanäle wie ZDF Info oder Tagesschau 24 umfunktioniert werden“, sagt der Rentner.

Nur die großen Verwaltungsapparate der Anstalten hätten zudem im Gegensatz zu anderen Bildungsträgern wie Volkshochschulen die Möglichkeit, mit ihren Zuschauerbefragungen ausreichend Rückmeldungen vom Publikum einzusammeln, um die Sendungen kontinuierlich besser zu machen. Privatsender hat Heinrich bisher nicht kontaktiert: „Den Privaten geht es doch nur um Werbung, nicht um einen Bildungsauftrag.“ Auch das Internet hat Heinrich nicht vergessen: „Selbstverständlich sollten alle Sendungen auch als Podcasts bereitgestellt werden, da viele Flüchtlinge Handys nutzen.“

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„Noch haben die Neuankömmlige
Biss. Wenn sie erst in
Lethargie verfallen, ist alles zu spät.“

Manfried Heinrich
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Nach Ansicht Heinrichs gibt es keine Zeit zu verlieren: „Das Problem der Sprachausbildung brennt. Die Einrichtung dieses Kanals sollte sofort erfolgen. Noch haben die Neuankömmlige Biss. Wenn sie erst in Lethargie verfallen, ist alles zu spät.“ Der Zustrom von unzähligen jungen Männern, Frauen und kleinen Kindern könne für Deutschland Fluch oder Segen sein. „Wenn ein wesentlicher Anteil davon nicht integriert wird, wendet er sich enttäuscht Terroristen zu“, sagt Heinrich. „Nur nach einer zügigen Eingliederung werden die unter Gefahren zu uns Geflüchteten unserer überalterten Gesellschaft Segen bringen.“

Die Reaktionen sind verhalten. Rheinland-Pfalz hat den Vorsitz in der Rundfunkkommission der Länder inne. Deren Medienbeauftragte lässt wissen: „Derartige Vorschläge sind uns nicht bekannt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk macht Programm für alle Menschen, die hier leben ebenso wie für alle Menschen, die neu zu uns kommen. Er hat einen umfassenden Bildungsauftrag und vermittelt Sprache und unsere Grundwerte.“

Eine ARD-Sprecherin verweist auf eine Kooperation des NDR mit der Deutschen Welle. So würden Sendungen zum politischen System Deutschlands auf Englisch und Arabisch gesendet. Der NDR verbreite im Refugee Radio auch Nachrichten auf Arabisch. Einen Namen für den neuen Kanal hat sich Heinrich trotzdem schon ausgedacht: „Deutsch“. Damit sei alles gesagt.

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