zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

22. November 2017 | 10:30 Uhr

Manchmal wird es handgreiflich

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fussball Ein abgebrochenes Freundschaftsspiel in Hasloh lenkt die Diskussion auf Gewaltausbrüche unter Sportlern und Trainern

Der Spielabbruch während eines Freundschaftsturniers der E-Jugend in Hasloh sorgt weiter für Diskussionen bei Spielern, Trainern, Eltern und den Unparteiischen im Amateur-Fußball. Anlass war der verbale Angriff eines erwachsenen Trainers auf den Schiedsrichter Sam  (14) des 1. FC Quickborn.

Im Finalspiel des Vereins Phönix Kisdorf gegen den BT Bad Bramstedt schoss Kisdorf in der fünften Spielminute ein Tor, das der Bad Bramstedter Trainer umgehend reklamierte. Schiedsrichter Sam berichtet: „Er kam auf mich zu und sagte ,Du pfeifst das ganze Turnier schon so scheiße’. Da habe ich ihn verwarnt und ihm gesagt, dass er solche Beleidigungen unterlassen soll, und mit einem Platzverweis gedroht.“ Statt einzulenken, verließ der Trainer mitsamt seiner Mannschaft das Spielfeld. „Die Bramstedter, die auf der Bank saßen, haben mich daraufhin auch übel beschimpft“, sagt Sam. Die Kisdorfer dagegen seien enttäuscht gewesen, das Spiel nicht zu Ende spielen zu können.

„Es gab schon Probleme im Halbfinale“, erinnert sich Sam. Bramstedt habe bereits 4:0 gegen den TuS Hasloh geführt, als ein Spieler der BT einen Hasloher foulte indem er ihn einfach umrannte. „Das war grob unsportlich, und er hat sich nicht einmal entschuldigt“, sagt Sam. Seine Konsequenz: Er zog die Rote Karte und stellte den Spieler vom Platz. Der war damit auch für das Finale gesperrt. „In Gesprächen danach haben mir die Turnierleitung und der Hasloher Trainer versichert, dass ich alles richtig gemacht habe“, betont Sam. Dennoch ist er traurig über den Vorfall: „Es war doch noch Zeit, die hätten auch noch gewinnen können“, sagt der Unparteiische.

Aggressionen am Spielfeldrand sind längst keine Einzelfälle mehr, wie Heike Weinert, Schiedsrichterobfrau des 1. FC Quickborn weiß. „In höheren Klassen gibt es extreme Fälle, wo nicht nur Drohungen ausgesprochen, sondern auch Gewalttaten gegen Schiedsrichter verübt werden“, berichtet sie. Dabei sollte doch der Spaß am Sport – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – im Vordergrund stehen. „Wir hatten schon junge Schiedsrichter, die wegen solcher Vorfälle aufgehört haben.“

Dabei seien alle Vereine darauf angewiesen, Nachwuchs auszubilden: Kann ein Verein für ein Turnier keinen Unparteiischen stellen, muss er häufig Strafgeld bezahlen. „Wir suchen deshalb immer nach jungen Menschen, die bereit sind, diesen Posten zu übernehmen und sich ausbilden zu lassen“, wirbt Weinert. Im September starte der nächste Lehrgang für künftige Spielleiter „Sam wollte schon Schiedsrichter werden, als er elf Jahre alt war“, berichtet Vater Mario über die Passion seines Sohnes. Als Trainer einer Mannschaft in Quickborn empfahl er seinem Sohn, zunächst Erfahrungen als Spieler zu sammeln. „Vor drei Monaten haben wir dann gemeinsam die Ausbildung zum Spielleiter gemacht“, sagt er.


Gefühlsausbrüche sind verständlich


Dass die Emotionen am Spielfeldrand hochkochen können – bei den Trainern und auch den Eltern – weiß er nur zu gut. „Ich werde auch manchmal laut“, gibt er offen zu. Verbale Entgleisungen, die von Eltern oder anderen Trainern kommen, sehe er jedoch seit dem Lehrgang zum Schiedsrichter mit anderen Augen. „Es ist nicht die Lautstärke, sondern der Inhalt“, sagt auch Obfrau Weinert.

Solange die Gefühlsausbrüche keine Beleidigungen oder Drohungen enthielten, seien sie durchaus verständlich. „Aber den Schiedsrichter anzupöbeln und zu beschimpfen, geht einfach nicht“, ergänzt Sam. Er wird sich die Freude daran, als Unparteiischer Spiele leiten zu dürfen, nicht verderben lassen – und hofft auf viele junge Kollegen, mit denen er Erfahrungen austauschen kann.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen