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Daz-Klassen in Pinneberg : Manche sprechen ein halbes Jahr gar nicht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In den Daz-Klassen lernen Flüchtlingskinder Deutsch. Gruppe immer größer.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 17:00 Uhr

Pinneberg | Auf den Tischen liegen Rechenbücher aufgeschlagen. Die Kinder sind damit beschäftigt, Aufgaben zu lösen. Konzentriert sitzen sie über ihren Heften. Einige sind schüchtern und gucken mit großen Augen. Viele verstehen die deutsche Sprache noch nicht richtig. Deutschland, das ist für sie noch ein fremdes Land. Lehrerin Birte Osterloh hat sich zu einem Schüler gesetzt und erklärt etwas. Es ist kein ganz normaler Unterricht wie er in zig Grundschulen in Schleswig-Holstein Tag für Tag über die Bühne geht. Wir sind in einer Daz-Klasse an der Rübekampschule mitten in der Stadt Pinneberg.

Daz – das steht für Deutsch als Zweitsprache. Die Kinder, die die Klasse besuchen, sind mit ihren Eltern vor Krieg, Hunger oder Folter geflohen. Ihre Heimatländer sind Syrien, Iran, Bulgarien und Rumänien. Als sie nach Deutschland gekommen waren, konnten sie kein Wort Deutsch.

Die Integration der vielen Flüchtlinge, die nach Schleswig-Holstein kommen, sei deshalb eine große Herausforderung für das Land, heißt es von Seiten der Politiker. Dass Integration vor allem über die Sprache funktioniert, ist kein Geheimnis. Genau da setzt Schleswig-Holstein an, genau das wird an der Pinneberger Rübekampschule umgesetzt.

Birte Osterloh und Simone Töpelmann sind zwei Daz-Lehrerinnen an der Rübekampschule, die zugleich auch Daz-Förderzentrum ist. Kompetent und engagiert sind die beiden Lehrerinnen. „Es gibt an unserer Schule eineinhalb Daz-Klassen mit bis zu 22 Kindern“, berichtet Töpelmann. 20 Stunden in der Woche werden die Schüler in Mathematik, Deutsch und Sachkunde unterrichtet, damit sie in ein bis eineinhalb Schuljahren in die Regelklassen wechseln können. Es geht nicht nur um reine Wissensvermittlung: „Jedes Kind wird nach seinen Fähigkeiten und seinem Wissensstand individuell gefördert“, sagt Töpelmann.

Außer den eineinhalb Klassen an der Rübekampschule gibt es zwei Daz-Klassen an der Helene-Lange-Schule. Eine weitere gibt es an der Hans-Claussen-Schule. Insgesamt werden 50 Schüler mit Migrationshintergrund unterrichtet. Dr. Hakan Akgün, Daz-Koordinator beim Schulamt, rechnet bis Ende des Jahres mit 60 bis 70 neuen Daz-Schülern.

Doch das ist eine Herkulesaufgabe: Kriegserlebnisse und null Schulerfahrungen bei einigen machen die Sache nicht leichter. Einige Schüler könnten teilweise nicht einmal ihre Muttersprache lesen und schreiben. „Der Erfolg ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Manche haben Traumata und sprechen ein halbes Jahr gar nicht. Andere lernen die deutsche Sprache recht schnell“, sagt Töpelmann.

Aber schon jetzt sei die Klasse mit 22 Jungen und Mädchen zu groß. „Das sind mehr als in manchen ersten Klassen. Ursprünglich waren die Klassen für acht bis zwölf Schüler gedacht. Bei 16 Kindern ist eine individuelle Förderung nicht mehr möglich“, sagt sie. Das Problem werde auf die Regelschulen verlegt. Sie weiß: Es würden immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund kommen.

Die steigenden Flüchtlingszahlen stellen die Schulen vor neue Herausforderungen. Deshalb stehen sie vor der Frage, wo und wie sie die vielen Mädchen und Jungen unterrichten können. Über sieben Millionen Euro und zusätzliche Lehrerstellen wurden dafür in diesem Jahr vom Land zur Verfügung gestellt. „Wir halten Reservestellen vor, damit wir flexibel und schnell reagieren können“, sagt Dr. Hakan Akgün, Daz-Koordinator beim Schulamt des Kreises Pinneberg.

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