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Friedhof Pinneberg : „Man spricht anders über den Tod“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pinnebergs Parkfriedhof: Leiterin beobachtet einen offeneren Umgang mit dem Thema. 300 Menschen werden jährlich beigesetzt.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Ein bunter Falter flattert ins Gebüsch. Riesige Bäume spenden Schatten. Blumen. Überall. Ortstermin in der Grünen Lunge Pinnebergs. Auf dem städtischen Friedhof der Stadt Pinneberg. Hier haben mehr als 17.000 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden. Hier kennt Ellen-Iris Lengwenat sich aus. Die 58-Jährige leitet den Stadtfriedhof am Hogenkamp. Sie weiß, wie Menschen sich die Zeit nach ihrem Ableben vorstellen. Und sie berichtet von einem zunehmend weniger verklemmten Umgang mit dem Tod.

Eine spontane Begegnung belegt diese Einschätzung: Ein betagtes Paar kommt auf uns zu. „Wir wollen nur mal schauen, wo wir später bleiben“, sagt die Frau. Und lacht. Auch Lengwenat lacht. Ein entspanntes Gespräch entwickelt sich. „Die Menschen werden offener“, sagt sie hinterher. „Man spricht heute anders über den Tod als noch vor einigen Jahren.“ Lengwenat hat auf das wachsende Informationsbedürfnis reagiert, mehrere Flyer aufgelegt. Pinneberger können sich so über verschiedene Grabarten informieren.

Der Pinneberger Friedhof – eine der schönsten Parkanlagen im Stadtgebiet. Auf August 1942 datiert Lengwenat die erste Beisetzung. Mitten im Krieg also. „Es war damals eine bewusste Entscheidung für eine Ruhestädte im Grünen“, sagt sie. Die Keimzelle sei ein so genanntes Ehrenfeld gewesen. „Heute ist die Anlage städtebaulich von großer Bedeutung für Pinneberg“, ergänzt Silkata Sahin-Adu. Sie leitet den Kommunalen Servicebetrieb der Stadt Pinneberg, der den städtischen Friedhof betreibt. „Viele Menschen kommen her, um spazieren zu gehen“, bestätigt Lengwenat.

Etwa 300 Menschen werden jährlich beigesetzt. Als Chefin der Friedhofsverwaltung muss Lengwenat auch die Zahlen im Auge haben. Verwaltung, Steinkontrolle, Geräte, acht Gärtner – der Betrieb des 17 Hektar großen Areals im Süden der Kreisstadt kostet viel Geld. In Kürze muss das Dach der 1957 erbauten Kapelle saniert werden. „90 Prozent der Friedhöfe arbeiten defizitär“, sagt die 58-Jährige. Das gelte auch für die Anlage am Hogenkamp. Regelmäßig würden die Gebühren angepasst. „Das ist sogar gesetztlich vorgeschrieben“, erklärt Sahin-Adu.

Und wie sieht es mit den aktuellen Trends aus? „Mittlerweile gibt es eine klare Tendenz zur Urnenbestattung“, so die Friedhofsverwalterin. Nur noch 40 Prozent Erdbestattungen sprächen eine deutliche Sprache. Urnenpaargräber, die es erst seit 2007 gebe, würden derzeit stark nachgefragt. Zudem bietet die Friedhofsverwaltung Urnenfamiliengräber, Erdgräber in Rasenlage, und einen Bereich für anonyme Bestattungen an. Auch eine wilde Wiese darf als letzte Ruhestätte ausgewählt werden. Aktuell sind von den 17 Hektar nur etwa drei belegt. Eine Erweiterung des Friedhofs ist also auf absehbare Zeit nicht nötig. Zentral gelegen ist ein Feld für Mitglieder jüdischer Gemeinden. Verstorbene Kinder können in der Nähe des Eingangstors bestattet werden.

Außer der städtischen Anlage am Hogenkamp gibt es in Pinneberg noch einen weiteren Friedhof – die Ruhestätte an der Lutherkirche.

Informationen, Flyer und Beratung gibt es in der Friedhofsverwaltung, Hogenkamp 34a. Geöffnet ist das Büro montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 12 Uhr. Montag, Dienstag und Donnerstag ist auch in der Zeit von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Nähere Informationen unter 04101-211595.
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