Muttertag im Kreis Pinneberg : Mama, Du bist einfach die Beste

Der Renner sind nach wie vor Blumen – egal ob als Schnittblume oder als Topfpflanze.
Der Renner sind nach wie vor Blumen – egal ob als Schnittblume oder als Topfpflanze.

Frauenrechtlerin legt im 19. Jahrhundert den Grundstein für den Feiertag. Deutsche geben bis zu 120 Millionen Euro für Schnittblumen aus.

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10. Mai 2015, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | In Kindergärten und Grundschulen haben Jungen und Mädchen in den vergangenen Tagen fleißig gebastelt, um ihren Müttern morgen ein Geschenk überreichen zu können. Ältere Kinder und Jugendliche haben sich vielerorts Gedanken gemacht, wie sie ihre Mütter verwöhnen können. Sei es mit einem ausgiebigen Frühstück am Bett oder dem festen Plan, Staub zu saugen, Wäsche zu waschen, Mittagessen zu kochen oder, oder, oder... Schließlich wollen sie ihren Müttern an deren Ehrentag etwas Gutes tun. Und damit eine Tradition fortsetzen, die ihren Anfang im 19. Jahrhundert nahm. In den Frauenbewegungen in den USA und in Europa.

Ann Maria Reeves Jarvis, die bis heute als „Mutter des Muttertags“ gilt, wurde 1832  in Culpeper im US-Bundesstaat Virginia geboren. Die Ehefrau eines Pastors gründete 1858 die „Mothers Days Works Clubs“. Diese Vereinigungen hatten zum Ziel, sanitäre Missstände, vor allem unter den Arbeitern, zu beseitigen, Medizin für Bedürftige zu kaufen und in Haushalten auszuhelfen, in denen die Frau aufgrund einer Infektion nicht mehr in der Lage war, für ihren Mann und die Kinder zu sorgen. Zudem organisierte sie „Mother’s Friendship Days“. Die Mütter-Freundschaftstage sollten dazu dienen, untereinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und sich gegenseitig Halt in schweren Lebenslagen zu geben.

Ähnliche Bewegungen gab es um diese Zeit auch in Europa. Mit dem Ergebnis, dass sich in den 1890er Jahren der Frauenweltbund gründete, eine internationale Vereinigung der Bewegungen. Dieser setzte sich für mehr Frauenrechte ein, im Speziellen für das Wahlrecht, bessere Bildungschancen für Mädchen und die Erlaubnis, auch als Frau arbeiten gehen zu dürfen. Vor allem machte er sich für Mütter stark.

1914: USA ruft Feiertag aus

Doch war es nicht der Frauenweltbund, der den Muttertag als gesetzlichen Feiertag in den USA oder in Deutschland durchsetzte. Vielmehr ließ Anna Marie Jarvis (Foto), Ann Marias Tochter, am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, einen Gottesdienst zu deren Ehren ausrichten. Im Jahr darauf, ebenfalls am zweiten Mai-Sonntag, drängte die Methodistin erneut darauf, ihre Mutter zu ehren. Jedoch nicht nur sie, sondern allen Müttern in der Welt. Sie verteilte 500 weiße und rote Nelken, die Lieblingsblumen ihrer Mutter. Die Weißen für die Gestorbenen, die Roten für die Lebenden. Damit dies aber nicht nur in ihrer Kirche geschehe, wandte sich die Tochter an Geistliche, Frauenvereine und Politiker. Und schon 1909 wurde der Muttertag in 45 Bundesstaaten begangen. US-Präsident Woodrow Wilson führte ihn schließlich im Jahr 1914 auf Wunsch des Kongresses als nationalen Feiertag in den USA ein.

Es sollte nur wenige Jahre dauern, bis der Muttertag auch in anderen Ländern der Welt zelebriert wurde. Ab 1923 auch in Deutschland. Allerdings war es nicht die Politik, die den Muttertag in der Weimarer Republik ausrief, sondern der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber, der heutige Fachverband Deutscher Floristen. Mit Plakaten „Ehret die Mutter“ warb er um den Tag. Jedoch nur bis 1926. Ab dann kümmerte sich die Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit darum, „Kirche und Schule zu gewinnen und die Regierung dahin zu bringen, den Muttertag am zweiten Sonntag im Mai als offiziellen Feiertag festzulegen“, heißt es in einer Verbandszeitung Deutscher Blumenhändler aus dem Jahr 1926.

1939: Verleihung von Mutterkreuzen

Gesetzlicher Feiertag in Deutschland wurde er schließlich 1933. Weitere sechs Jahre später fing Adolf Hitler an, an dem Tag das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, kurz auch Mutterkreuz genannt, zu verleihen. Es erhielten Mütter, die mindestens vier Kinder geboren hatten. Allerdings hatte die Einführung des Feiertags nichts mit den Ursprungsgedanken zu tun. Vielmehr wollten die Nazionalsozialisten diejenigen auszeichnen, die dafür sorgten, dass sich die „arische Rasse“ immer weiter vermehrte.

Der Muttertag in seiner Form, wie er heutzutage begangen wird, wurde hingegen erstmals 1950 in der Bundesrepublik gefeiert. Jedoch nicht als gesetzlicher Feiertag, sondern vielmehr als Übereinkunft von Wirtschaftsverbänden, unter anderem den Floristenverbänden, die zwar einerseits darauf pochen, den Muttertag am zweiten Sonntag im Mai zu begehen, nicht jedoch, wenn auf denselben Tag Pfingsten fällt. Denn im Gegensatz zum Muttertag, dürften Blumengeschäfte in einigen Ländern am Gründungstag der christlichen Kirche nicht öffnen. Und das schmälert den Umsatz zum Teil gewaltig. Dieser beträgt nämlich nach Angaben des Landesverbands Schleswig-Holstein des Fachverbands Deutscher Floristen bundesweit bis zu 120 Millionen Euro pro Jahr an Schnittblumen und bis zu 55 Millionen Euro an Topfpflanzen. Darüber hinaus ist der Muttertag der umsatzstärkste Tag im gesamten Jahr. „Grundlegend kann man sagen, dass in der Woche vor Muttertag das Ausgabenvolumen durchschnittlich um rund 20 Prozent höher ist, als in der Woche vor Valentin, bezogen auf Schnittblumen und Zimmerpflanzen“, teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft auf Anfrage mit.

Die Kommerzialisierung, die bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts rasant zunahm, war auch der Grund, warum sich Anna Marie Jarvis noch zu Lebzeiten von ihm abgewandt hatte. Sie bereute gar, ihn ins Leben gerufen zu haben, verriet sie kurz vor ihrem Tod. Das einzige, was sie wollte, war, dass den Müttern in der Welt Anerkennung zum Ausdruck gebracht wird.

Deutschland im Müttercheck

  •  29,4 Jahre alt ist eine Mutter in Deutschland durchschnittlich bei der Geburt ihres ersten Kindes.
  • 682069 Kinder haben Mütter in Deutschland im Jahr 2013 lebend auf die Welt gebracht.
  • 549 Mütter waren im Jahr 2013 in Deutschland bei der Geburt ihres Babys 15 Jahre alt und jünger.
  • 87 Mütter waren im Jahr 2013 in Deutschland bei der Geburt ihres Babys 50 Jahre alt und älter.
  • Etwa 2,3 Millionen Mütter waren 2013 in Deutschland alleinerziehend. Zum Vergleich: Zirka 385.000 Väter waren im selben Zeitraum alleinerziehend.
  • Sechs Kinder – vier Mädchen und zwei Jungen – hatte eine Mutter 2008 in Berlin auf die Welt gebracht. Die Sechslinge waren damals die ersten in Deutschland seit 1988.
  • 64 Jahre alt war eine Mutter in Bayern, die 2007 ein Kind gebar.
  • Zwölf Jahre alt war ein Mädchen, als es 2006 in Hamburg einen Jungen zur Welt brachte.
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