Demo mit Glockengeläut : Maikundgebung: Der Tag der Arbeit im Kreis Pinneberg

Für Gerechtigkeit und Solidarität: Etwa 200 Demonstranten hatten sich gestern auf dem Alten Markt an der Elmshorner Nikolaikirche versammelt.
Für Gerechtigkeit und Solidarität: Etwa 200 Demonstranten hatten sich gestern auf dem Alten Markt an der Elmshorner Nikolaikirche versammelt.

Internationaler Tag der Arbeit 200 Menschen treffen sich in Elmshorn zur DGB-Maikundgebung.

shz.de von
02. Mai 2016, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Just als Rolf Becker die Demonstranten aufforderte, sich „das Maul nicht verbieten“ zu lassen, übertönte das Glockengeläut der Nikolaikirche seine Worte. Da musste der Schauspieler seine Rede unterbrechen. „Ich hoffe, dass der Pastor auf unserer Seite ist“, schmunzelte Becker schlagfertig. Zehn Minuten dauerte es, bis der Hauptredner der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mit seinen Ausführungen fortsetzen konnte. Die etwa 200 Demonstranten, die sich gestern Vormittag auf dem Alten Markt in Elmshorn versammelt hatten, nahmen es mit Humor und applaudierten nach dem Verstummen der Glocken.

Becker, engagierter Kämpfer für Arbeitnehmerrechte, Friedensaktivist und seit 60 Jahren Gewerkschaftsmitglied, forderte eine sichere Zukunft des Rechtsstaats Bundesrepublik Deutschland und kritisierte „Lohnraub, Arbeitsplatzabbau, Rentenklau und Ausgrenzung von Menschen, die im Produktionsablauf nicht mehr benötigt werden.“ Es gebe keine überflüssigen Menschen, sie würden überflüssig gemacht. „Wir haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt. Die Ursache der Probleme ist eine Produktionsweise, die ausschließlich auf Profit orientiert ist.“ Es müsse eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten erfolgen.

Gute Arbeit, gerechte Löhne, ein starker Sozialstaat – das Motto, mit dem die Gewerkschaften bereits vor vielen Jahren auf die Straße gingen, sei nach wie vor aktuell, stellte der Schauspieler fest und bemerkte: „Wir kommen mit dem Lohn heute immer schlechter über die Runden.“ Statt Unternehmen und Regierung Zugeständnisse abzuringen, seien die Arbeitnehmer zunehmend gezwungen, Zugeständnisse zu machen. „Wir müssen wieder Klartext reden“, forderte der 81-Jährige unter dem Beifall der Zuhörer.

DGB-Kreisverbandschef Peter Brandt gratulierte Irmgard Jasker vom Friedensnetzwerk zum Geburtstag.
Krohn
DGB-Kreisverbandschef Peter Brandt gratulierte Irmgard Jasker vom Friedensnetzwerk zum Geburtstag.
 

Vor der Rede Beckers hatte der DGB-Kreisverbandsvorsitzende Peter Brandt das Motto der Kundgebung ausgerufen: „Zeit für mehr Solidarität“. Die Herausforderungen seien gewachsen, ihnen könne sich nur durch solidarisches Handeln gestellt werden. Dazu gehörten auch Solidarität mit den Flüchtlingen sowie die Bekämpfung der Ursachen für Flucht – die Kriege. Brandt: „Deshalb bedeutet Solidarität mit Flüchtlingen auch immer Friedenspolitik.“ Auslandseinsätze der Bundeswehr und Rüstungsexporte müssten umgehend gestoppt werden.

Hart ins Gericht ging Brandt mit der AfD. „Sie beteiligt sich am Schüren von Existenzängsten und zeichnet sich durch ein unsoziales und menschenverachtendes Horrorprogramm aus.“ Flüchtlingssolidarität und soziale Gerechtigkeit dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gemeinsam im Bündnis gegen Rechts müsse der Einzug der AfD in den schleswig-holsteinischen Landtag und in den Bundestag verhindert werden.

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