„Männern geht die Puste aus“

Angelika Wilder (links) und Neubürgerin Khelod Khalaf bieten nach syrischem Vorbild angefertigten Aleppo-Seife an.
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Angelika Wilder (links) und Neubürgerin Khelod Khalaf bieten nach syrischem Vorbild angefertigten Aleppo-Seife an.

22. Rellinger Frauenempfang: Premiere mit Zwergenaufstand aus Heide / Vorträge, Live-Musik und Aleppo-Seife

shz.de von
06. Februar 2018, 16:00 Uhr

„Mehr Frauen müssen in die Politik“. „Männern geht die Puste aus“. Derartige Sprüche zierten Spruchbänder von 50, auf drei Etagen verteilten Zwergen. Die mit dem Namen „Zwergenaufstand“ versehene Kampagne im Rathaus bildete den passenden Rahmen für den 22. Frauenempfang in Rellingen. Die Gleichstellungsbeauftragte Dorathea Beckmann freute sich, zahlreiche Frauen in der voll besetzten Galerie zu begrüßen. „Es gibt hier mehrere Premieren“, betonte Beckmann. Sie wies daraufhin, dass es sich bei der Kampagne Zwergenaufstand um eine Aktion der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Heide handelt.

Doch auch die aus Rellingen stammenden Künstlerin und Kantorin Irene Otto trat erstmals beim Frauenempfang auf. Die Kantorin und Organistin hatte sich speziell für das am Sonntag veranstaltete Event frei genommen. Während des Empfangs unterhielt sie ihre Gäste im Zuge eines abwechslungsreichen Programms mit Titeln aus den 60er Jahren, Evergreens und Klezmer-Musik.

Ebenfalls erstmals beim Empfang vertreten waren Angelika Wilder aus Rellingen und Neubürgerin Khelod Khalaf mit ihrer nach syrischem Vorbild angefertigten Aleppo-Seife. Wilder produziert die in Aleppo beliebte reine Pflanzenseife aus Oliven- und Lorbeeröl. „Das Herstellen der Seife bedeutet für die Frauen ein Stück Heimat“, weiß Wilder. Denn sechs Frauen und zwei Männer können gemeinsam mit ihr die Seife in dieser Zusammensetzung produzieren, wie es in ihrer Heimat geschieht. Die Seife wird in Aleppo von September bis März gekocht. „Die ganze Stadt duftet in dieser Zeit nach Seife“, berichtete Wilder.

Die Gleichstellungsbeauftragte Beckmann informierte des Weiteren über erfreuliche Neuerungen. „Die Hauptamtlichkeit von Gleichstellungsbeauftragten wurde in ein Gesetz gepackt“, sagte Beckmann. Kommunen ab einer Einwohnerzahl von 15 000 Menschen müssen Gleichstellungsbeauftragte nicht mehr nur, wie bisher halbtags, sondern in Vollzeit beschäftigen. Das Land stellt die erforderlichen Gelder bereit.

Anders als in Pinneberg und Uetersen konnte diese Regelung in Rellingen noch nicht eingeführt werden, weil die Einwohnermarke noch nicht geknackt wurde. Laut Einwohnermeldeamt gibt es 14 700 Rellinger.

Letzte Premiere: Die Zuhörer lauschten interessiert dem Vortrag der Schriftstellerin Barbara Sichtermann zum Thema „Der Duft der Freiheit. 1968 und die Geschlechterfrage“. Die Referentin unternahm in ihrem Vortrag eine Zeitreise von 1968 bis heute. Sie berichtete anhand von eigenen Erlebnissen, wie sich die Sichtweise der Gesellschaft auf die Rolle der Frau im Laufe der Jahre veränderte. Die autonome und neue Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts bezeichnete sie als Erfolg. Die selbstbestimmte Lebensführung sei für Frauen heute möglich. Es gebe zwar immer noch Lohnungleichheit und viel zu wenige Frauen in Führungspositionen. „Aber es hat sich etwas bewegt“, bilanzierte sie in ihrem mit langanhaltendem Applaus belohnten Vortrag.

Die Frauen genossen den Austausch. „Ich komme stets vorbei, weil Dorathea Beckmann für spannende politische Beiträge sorgt“, sagte Sigrid Rieck aus Pinneberg. Sie engagierte sich ehemals als Landesverbandsvorsitzende des Deutschen Hausfrauenbundes (heute: Verband Netzwerk Haushalt). Auch Elisabeth Bolle genoss das Treffen mit Frauen, mit denen sie sich, wie beim Frauen-Kleidermarkt, ehrenamtlich über das Jahr engagiert.



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