Mängel lassen Kosten explodieren

Die Arbeiten auf dem Außengelände der Grundschule ruhen derzeit witterungsbedingt.
Die Arbeiten auf dem Außengelände der Grundschule ruhen derzeit witterungsbedingt.

Grundschule Appen wird 270 000 Euro teuerer als geplant / SPD übt massive Kritik und greift Architekten an

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10. März 2018, 16:00 Uhr

„Was wir festgestellt haben, was wir an Baumängeln gefunden haben, ist wirklich sehenswert – vorsichtig gesagt“, sagte Architekt Burkhardt Koriath, der für den Umbau und die Sanierung der Appener Grundschule verantwortlich ist, im Bauausschuss der Gemeinde. „Da muss man sich schon fragen, wer das gemacht und beaufsichtigt hat.“

Vor allem beim Thema Brandschutz seien massive Mängel aufgedeckt worden. „Es wurden erhebliche Brandlasten im Bereich der Decken gefunden. Dabei wurden unter anderem hölzerne, ehemalige Lüftungskanäle als Sofortmaßnahme zurückgebaut“, erläuterte Koriath. Auch die Trinkwasserversorgung müsse den aktuellen Bestimmungen angepasst werden. Die aufgedeckten Mängel wirken sich auch auf die geplanten Kosten aus. Der Umbau der Grundschule soll nach aktuellem Stand insgesamt 2 475 000 Euro kosten – 270 000 Euro mehr als veranschlagt.

„Appen hatte in der Vergangenheit einen Bürgermeister und einen Kämmerer, die sehr sparsam waren. Bei Baumaßnahmen wurde nur das Notwendigste gemacht – vor allem in den 1960er Jahren. Das rächt sich jetzt“, sagte Heidrun Osterhoff (FDP), Vorsitzende des Bauausschusses. Das wollte der SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Lorenzen so nicht stehenlassen: „Von den Mängeln hätte man wissen müssen, wenn man schon lange in Appen wohnt. Es war ein Fehler, uns einzig und allein auf den Umbau zu konzentrieren. Warum wir keinen Neubau in Betracht gezogen haben, ist für mich bis heute unverständlich.“ Osterhoff erinnerte, dass die Sanierung auch mit Stimmen der SPD beschlossen worden und absolut notwendig sei. „Die Schule und die Betreuung sind aus allen Nähten geplatzt. Eine Schule mit 200  Kindern in Appen ohne Betreuung möchte ich mir nicht vorstellen.“ Ein Neubau hätte vier bis fünf Jahre gedauert. „Hätten wir die Betreuung einstellen sollen? Das ist indiskutabel“, so Osterhoff.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Lütje versuchte wieder Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen: „Ist das hier ein Bauausschuss oder Wahlkampf? Wir sollten dafür sorgen, dass die Baumaßnahme schnell umgesetzt wird.“

Stefan Puttmann (SPD) legte dennoch noch einmal nach: „Ich habe vor einem Jahr gewarnt, dass es mehr als zwei Millionen Euro werden. Jetzt sind wir fast bei 2,5  Millionen Euro.“ Süffisant fuhr er fort: „Ich habe die Unterlagen mit Freude gelesen. Was ich vor einem Jahr prognostiziert habe, ist eingetreten.“ Dann lieferte er sich noch ein Wortgefecht mit dem Architekten, wer welche Baumängel als Erster entdeckt hat. „Herr Puttmann, Sie nehmen sich eine fachliche Beurteilung heraus, die Ihnen nicht zusteht“, bremste Koriath ihn. „Ich habe Sachen festgestellt, von denen Sie gar nichts wussten“, konterte Puttmann. „Über die Kosten für den Fahrstuhl und die Dachsanierung haben wir noch nicht entschieden. Das sind 500 000 Euro, die wir möglicherweise einsparen“, sagte Osterhoff.

„In ein bis zwei Jahren werden wir am jetzigen Standort eine tolle Schule haben, die alle Anforderungen erfüllt. Bei einem Neubau hätten wir das sicherlich auch gehabt“, sagte der Leiter der Appener Grundschule, Martin Scharnweber. „Ich bin so oder so glücklich, dass etwas passiert.“ Er gehe davon aus, dass die Schule nach dem Umbau zukunftsfähig aufgestellt sei. „Aus der politischen Diskussion halte ich mich raus. Das müssen Sie unter sich klären“, sagte Scharnweber.

Gegen die Stimmen der SPD genehmigten FDP und CDU die Mehrausgabe in Höhe von 270 000 Euro. Darüber wird der Finanzausschuss am Dienstag, 13. März, erneut beraten. Konfliktpotenzial ist geboten.

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