Kreis Pinneberg : Machtkampf in der FDP: Politiker stürzen den eigenen Fraktionschef

Klaus Bremer zieht sich aus dem Kreistag zurück.
Klaus Bremer zieht sich aus dem Kreistag zurück.

Klaus Bremer unterliegt in der Abstimmung gegen Olaf Klampe und legt sein Mandat für den Kreistag nieder.

shz.de von
06. Juni 2018, 10:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Die neue Wahlperiode beginnt für die FDP im Kreis Pinneberg mit einem Eklat. Klaus Bremer, seit 36 Jahren Mitglied des Kreistags und dort überwiegend Fraktionschef seiner Partei, verlor in einer Kampfabstimmung sein Amt. Sein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender ist Olaf Klampe. Bremer zieht sich nun aus dem Kreistag zurück.

In einer Mitteilung des Parteivorsitzenden Günther Hildebrand von gestern heißt es: „Am 30. Mai haben die fünf neu gewählten Kreistagsabgeordneten der FDP den zukünftigen Fraktionsvorsitzenden gewählt. In der Abstimmung unterlag der bisherige Vorsitzende Klaus Bremer dem neuen Abge-ordneten Olaf Klampe. Aus einer tiefen Enttäuschung heraus teilte Bremer den Anwesenden mit, dass er sein Mandat nicht antreten werde.“

Gesundheitszustand als Grund

Grund für den Wechsel an der Fraktionsspitze ist nach Angaben Hildebrands Bremers Gesundheitszustand. In seiner Mitteilung formuliert er das so: „Klaus Bremer war seit dem Jahreswechsel schwer erkrankt und konnte seine Arbeit als Kreistagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender seitdem nicht ausüben. In Hoffnung auf eine baldige Genesung wurde Klaus Bremer in Abwesenheit am 25. Februar auf einer Mitgliederversammlung des FDP-Kreisverbands zum Spitzenkandidaten zur Kreistagswahl am 6. Mai gewählt.“ Seit der Wahl nehme Bremer wieder an Sitzungen teil, obwohl er von einer Dialyse, die dreimal pro Woche anstehe, gehandicapt sei. Die Mehrheit der Fraktion sei der Meinung, dass er so nur eingeschränkt in der Lage sei, die Arbeit in der gewohnten Weise zu erledigen. Deswegen wählten sie Olaf Klampe, in der Kommunalwahl auf Listenplatz 2, zum Fraktionsvorsitzenden. Die FDP würdigte Bremers politische Leistungen so: „Mit Klaus Bremer verliert die FDP-Kreistagsfraktion einen überaus versierten und engagierten Kreispolitiker.“ Er sei nicht nur lange Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzender gewesen, sondern auch Kreisrat im früheren Kreisausschuss, Vorsitzender der Kreiskulturpreisjury, Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Südholstein und Vorsitzender des Finanzausschusses. „Für die FDP ist sein Ausscheiden ein großer Verlust, hat er doch als ,Urgestein’ und Aushängeschild die FDP im Kreis ganz wesentlich geprägt“, sagt Hildebrand in seinem Schreiben.

Tief getroffen

Bremer zeigte sich auf Anfrage von shz.de tief getroffen: „Das war eine völlig unverständliche Kampfabstimmung. Die habe ich mit drei zu zwei Stimmen verloren.“ Außer den neuen Kreistagspolitikern Klampe und Jan Bokisch habe auch sein langjähriger Fraktionskollege Jens Petersen gegen ihn gestimmt. Für ihn stimmte somit lediglich Alexandra Waßong. „Was da an Argumenten vorgetragen wurde, war abenteuerlich“, beklagt Bremer. Seine Gesundheitsprobleme seien ein vorgeschobener Grund. „Meine Ärzte haben etwas völlig anderes gesagt und grünes Licht gegeben. Die Dialysetermine sind vormittags und kein Hindernis für politische Beratungen am Nachmittag.“ Hauptverantwortlicher hinter dem Coup ist für Bremer Klampe. „Er hat sich durch nichts ausgezeichnet und in mehreren Wahlen der Vergangenheit miserable Ergebnisse eingefahren. Unter einem Vorwand hat er jetzt seine Chance gesehen.“ Politische Fehler hat Bremer der eigenen Ansicht nach nicht gemacht: „Wir hatten nicht eine einzige kontroverse Abstimmung in der Fraktion.“

Kontrahenten seien unfähig

Bremer hält seinen Kontrahenten für unfähig, die Fraktion zu führen. Er hätte sich nach eigener Aussage einen fließenden Übergang gewünscht: „Wir arbeiten seit langem sehr gut mit anderen Fraktionen zusammen. Meine Erfahrung hätte ich gern noch in mögliche Koalitionsverhandlungen eingebracht.“

Als Kreistagsmitglied wird für Bremer der Elmshorner Philipp Rösch nachrücken. Die FDP-Fraktion besteht dann aus Klampe, Bockisch, Waßong, Petersen und Rösch.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen