Menschen mit Behinderungen : Lotsin für gehandicapte Menschen in Rellingen

Kirsten Meins (Dritte von links) wurde von Bürgermeister Marc Trampe (parteilos) sowie den Gemeinderätinnen und Mitgliedern des Auswahlkomitees Marianne Stock (CDU, von links), Silke Faber (Grüne) und Ilona Schadendorf (SPD) als erste Behindertenbeauftragte der Gemeinde Rellingen im Amt begrüßt.
Kirsten Meins (Dritte von links) wurde von Bürgermeister Marc Trampe (parteilos) sowie den Gemeinderätinnen und Mitgliedern des Auswahlkomitees als erste Behindertenbeauftragte der Gemeinde Rellingen im Amt begrüßt.

Kristina Meins ist seit Montag als ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Gemeinde Rellingen aktiv.

shz.de von
10. Januar 2018, 16:30 Uhr

Rellingen | Menschen mit Behinderungen haben ab sofort eine eigene Ansprechpartnerin in der Gemeinde Rellingen. Kirsten Meins trat am Montag offiziell ihren Dienst als ehrenamtliche Behindertenbeauftragte an. „Wir sehen in der Position eine Lotsenfunktion zwischen Menschen mit Behinderungen und der Verwaltung“, sagte Rellingens Bürgermeister Marc Trampe (parteilos). Meins sei Ansprechpartnerin für die etwa 2500 Menschen mit unterschiedlichsten Graden von Einschränkungen, die in der Gemeinde leben.

„Wir hatten fünf Interessentinnen für die Position. Das waren alles sehr gute Bewerbungen, aber bei Frau Meins hat uns das Gesamtpaket am meisten überzeugt“, begründete Trampe die Entscheidung des Auswahlgremiums, dem außer ihm Marianne Stock (CDU), Ilona Schadendorf (SPD) und Silke Faber (Grüne) angehörten. „Die Politik hat die Schaffung der Stelle mit großer Mehrheit unterstützt. Das zeigt sich auch darin, dass alle Fraktionen bei der Auswahl beteiligt waren“, sagte Trampe.

„Ich halte die Aufgabe für sehr wichtig“, sagte Meins, die sich für die ehrenamtliche Aufgabe beworben hatte. Die 52-Jährige lebt seit mehr als 30 Jahren in Rellingen und hat bereits Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Behinderungen. „Ich habe immer familiäre Berührungspunkte gehabt. Unter anderem ist eine Nichte von mir schwerstbehindert“, erläuterte Meins. Durch den „Elternverein WoGee – dem Wohnprojekt Geest“, der in einer Wohnanlage in Harsefeld in Niedersachsen aktiv ist, habe sie selbst erfahren, wie wichtig ein selbstbestimmtes Leben für die Betroffenen ist. „Ich habe durch meine Tätigkeit in einem Hamburger Großunternehmen auch Erfahrungen mit der Sozialgesetzgebung und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“, sagte Meins bei ihrer Vorstellung. „Ich denke, dass ich eine hohe Beratungs- und Sozialkompetenz mitbringe, die ich in die Tätigkeit einbringen kann.“

Die Stelle der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten ist vorerst auf ein Jahr befristet. Die Politik hat ein Budget in Höhe von 2000 Euro zur Verfügung gestellt. „Es bringt nichts, wenn wir 10 000 Euro einstellen, aber gar nichts ausgeben. Wenn es konkrete Projekte gibt, werden wir sie der Politik vorlegen, um Finanzmittel einzuwerben“, sagte Trampe. Ideen hat Meins bereits: „Ich möchte Betroffene unterstützen und Hinweise geben, wo sie Hilfe finden.“ Bei einem runden Tisch will sie die Akteure aus Vereinen, Verbänden und Initiativen kennenlernen, sich mit diesen austauschen und miteinander vernetzten. „Wenn man akut von dem Thema betroffen ist, kann es schon helfen, wenn man einen Ansprechpartner hat, der einem sagen kann, wo man Hilfe findet und welche Angebote es gibt“, so Meins. Sie will Hilfe zur Selbsthilfe geben und Berührungsängste im Umgang mit der Verwaltung abbauen.

Konkrete Projekte, um die Infrastruktur in Rellingen für Menschen mit Beeinträchtigungen zu verbessern, gibt es laut Meins und Trampe noch nicht. „Ich glaube nicht, dass wir das eine Großprojekt haben“, sagte Trampe. „Ich bin auf die Anregungen der Bürger gespannt. Es gibt sicherlich Themen, die bisher bei uns gar nicht präsent sind“, ergänzte Meins. Bis zum Herbst soll ein Maßnahmenplan entwickelt werden. „Der ist wichtig, um langfristig Entscheidungen treffen zu können“, sagte Trampe. Auch über die Fortschreibung der Stelle. „Wie ich Frau Meins kennengelernt habe, ist sie gekommen, um zu bleiben“, sagte Trampe. Darüber soll die Politik auch im Spätsommer oder Herbst entscheiden. Marianne Stock (CDU) hatte schon die erste Anfrage an die neue Behindertenbeauftragte: Ein Flyer für das neue Angebot soll entwickelt und verteilt werden. „Es bringt ja nichts, wenn wir so eine tolle Einrichtung haben, aber niemand davon weiß“, sagte Stock. „Ich bin gespannt, was alles kommt und was wir in diesem Jahr noch bewegen können. Und ich freue mich auf die Aufgabe“, blickte Meins bereits voraus.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert