Das Sonntagsgespräch : „Literatur fördert Demokratie und Empathie“

Leiterin Heidrun Tummoßeit freut sich über die seit Jahren überdurchschnittlich hohe Ausleih- und Nutzerzahlen in der Halstenbeker Bücherei.

Leiterin Heidrun Tummoßeit freut sich über die seit Jahren überdurchschnittlich hohe Ausleih- und Nutzerzahlen in der Halstenbeker Bücherei.

Heute mit Heidrun Tummoßeit von der Bücherei in Halstenbek.

shz.de von
26. März 2017, 15:00 Uhr

Halstenbek | Heidrun Tummoßeit ist Leiterin der Bücherei in Halstenbek. Im Sonntagsgespräch erläutert sie unter anderem, warum Büchereien so wichtig sind und wie sie sich in den vergangenen Jahren gewandelt haben.

Was zeichnet die Halstenbeker Bücherei aus?
Die Bücherei ist durch ihre beiden Standorte an der Schulstraße im Ortskern und im Ortsteil Krupunder sehr publikumsfreundlich aufgestellt und erreicht so einen Großteil der Bevölkerung. Eine Stärke ist auch der persönliche Umgang. Viele Kunden kennen wir namentlich. Außergewöhnlich ist außerdem die große Unterstützung unseres Bücherei-Fördervereins „Freunde der Bücherei“.

Wie ist der Zuspruch?
Sehr groß. Die Ausleih- und Nutzerzahlen sind seit Jahren überdurchschnittlich hoch. Auch die Zahl der Besucher hat zugelegt. Viele halten sich gern bei uns auf – besonders im Ortsteil Krupunder. Dort ist die Bücherei im Wolfgang-Borchert-Gymnasium untergebracht. Dadurch wird sie gerade von den Schülern häufig aufgesucht. So nutzen sie Freistunden, um in Büchern zu stöbern oder in Zeitschriften zu blättern. Die Unterbringung im Gymnasium bedeutet aber nicht, dass dort nur Schüler willkommen sind. Auch Erwachsene können das Angebot jederzeit nutzen. Derzeit erreichen wir in Halstenbek 20 Prozent der Bevölkerung. Mein Wunsch ist, dass wir alle für uns gewinnen – auch wenn das vermutlich unrealistisch ist.

Welche Altersgruppen suchen die Bücherei besonders häufig auf?
Fast 50 Prozent unser Nutzer sind Kinder und Jugendliche. Viele Familien suchen uns schon mit ihren kleinen Kindern auf. Auch Kindergartenkinder und Grundschüler sind häufig mit ihren Erziehern und Lehrern bei uns. Für die Fünft- und Sechstklässler haben wir spezielle Angebote wie den Ferien-Leseclub. Danach fängt es aber an zu bröckeln. Die Altersgruppe ab 14 ist leider nur schwer zu erreichen. Das versuchen wir zu ändern. Deshalb beteiligen wir uns an einem Projekt der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und veranstalten unter dem Motto „Mein Name ist James Bound - auf der Jagd nach dem Superschurken“ eine digitale Schnitzeljagd. Mit dieser spielerischen Einführung in die Bücherei wollen wir die älteren Schüler ab Klasse fünf ansprechen.

Wie ist die Situation bei den Erwachsenen?
22 Prozent unserer Nutzer sind älter als 60 Jahre, 28 Prozent sind zwischen 19 und 60. Ältere Leser, denen das Lesen aufgrund nachlassender Sehkraft schwer fällt, lassen sich gerne von uns beraten. Sie freuen sich, dass sie zum Beispiel dank Hörbüchern nicht auf ihre geliebte Lektüre verzichten müssen. Auch der Umstieg in den digitalen Bereich kann eine Lösung sein, da es am Bildschirm möglich ist, die Schrift zu vergrößern. Grundsätzlich ist es so, dass die Bücherei-Kundschaft zu zwei Dritteln weiblich ist. Das ist ein allgemeiner Trend. Lesen ist weiblich.

Warum sind Büchereien so wichtig?
Literatur regt an, sich mit dem zu beschäftigen, was in der Welt passiert. Sie fördert so Demokratie und Empathie. Bücher und auch Filme können helfen, sich in die Situation anderer Menschen hineinzuversetzen. Das ist gerade in der heutigen Welt wichtiger denn je.

Hat sich die Bücherei in den vergangenen Jahren gewandelt?
Ja. Der Medienbestand ist zwar nicht massiv gewachsen. Die Struktur hat sich allerdings verändert.  So haben wir wesentlich mehr audiovisuelle Medien als früher. DVDs, Hörbücher und die digitale Ausleihe werden immer wichtiger. Viele Ausleihen erfolgen inzwischen über die „Onleihe zwischen den Meeren“.  Dadurch ist es für Büchereien einfacher geworden, die mediale Vielfalt abzubilden. Der Anstieg im digitalen Bereich führt allerdings zu Rückgängen im Printbereich. 

Was macht den Reiz Ihrer Arbeit aus?
Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Die Mischung aus dem Umgang mit den Kunden und die intensive Beschäftigung mit Büchern und anderen Medien finde ich einfach toll. Ich bin selbst begeisterte Leserin. Das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe, ist „Geister“ von Nathan Hill.

Was plant die Bücherei in den kommenden Monaten?
Am 24. April stellen ab 19.30 Uhr zwei Lüneburger Buchhändlerinnen bei uns die Frühjahrs-Neuerscheinungen im Roman- und Sachbuchbereich vor. Die Herbst-Produktion präsentiert NDR-Moderatorin Annemarie Stoltenberg. Zudem laden wir Kinder immer dienstags von 14.15 Uhr bis 15 Uhr ein und lesen ihnen spannende Geschichten vor. Sehr wichtig sind mir auch die Medientaschen „Kleines Picknick im Labyrinth“, die bei uns erhältlich sind. Sie geben Anregungen und Hintergrundwissen für den Umgang mit Demenzkranken.

Was für Bücher sind momentan besonders gefragt?
Krimis und Thriller kommen besonders gut an. Die Menschen finden offenbar Entspannung durch Spannung.

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