Wegen Pilzbefall : Lindenallee in Rellingen: Bäume nicht zu retten

Die Tage sind gezählt: In wenigen Wochen werden die Linden auf dem Rellinger Friedhof – Eingang Hauptstraße gegenüber der Kirche – auf etwa sechs Meter gekappt.
Die Tage sind gezählt: In wenigen Wochen werden die Linden auf dem Rellinger Friedhof – Eingang Hauptstraße gegenüber der Kirche – auf etwa sechs Meter gekappt.

CDU unterstützt Kappung auf Rellinger Friedhof. Einige Bäume sind mehr als 300  Jahre alt.

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01. November 2018, 00:00 Uhr

Rellingen | Aufschrei und Protest waren nicht zu überhören: Als im Juli 2013 erstmals in unserer Zeitung über eine mögliche Fällaktion der historischen Linden auf dem Rellinger Friedhof berichtet wurde, lagen die Nerven blank. Doch die laut Planungsunterlagen der Kirche um 1838 gepflanzten Linden – andere gehen von einem Datum um 1900 aus – schwächeln. Der Pilz nagt an den Stämmen. Manfred Heitmann, der damalige Chef des historischen Rellinger Friedhofs, sagte vor Jahren gegenüber unserer Zeitung: „Ich möchte nicht, dass der nächste Baum umfällt und etwas passiert.“

Dessen Nachfolger seit Oktober 2014, Arne Meyer-Ebeling, übernahm das Problem und stellte jetzt einen Fäll-Antrag an die Gemeinde. Der Friedhofsverwalter kündigt den Radikalschritt in wenigen Wochen an. Auf sechs Meter müssen die Stämme gekürzt werden. Kosten für die Kirche als Eigentümer: etwa 20 000 Euro.

Auf dem großzügigen Areal an der Hamburger Straße sind 1838 die ersten Bestattungen nachweisbar. Einige Bäume sind mehr als 300  Jahre alt. Die Lindenallee – geschützt durch eine Baumschutzsatzung – ist ein Lieblingskind der Rellinger. Doch ein Herbst- oder Wintersturm, und die Folgen wären verheerend. Darüber sind sich die Experten vor Ort einig.

Und: Hilfsmaßnahmen und die Jahre zurückliegenden Überlegungen wie Düngung, Abstützung oder Stabilisierung der instabilen Stämme sind vom Tisch. Zu teuer. Die Kosten würden in die Tausende gehen.

In der neuen Ausgabe „Zur Sache“ – Ausgabe Oktober 2018 äußert sich CDU-Gemeindevertreter Rolf-Rüdiger Schmidt auf den Seiten 25   bis 27 kompromisslos: In Bezug auf die „prächtige, uralte Lindenallee“ gegenüber der Kirche „trügt der Schein: Es besteht akuter Handlungsbedarf, weil die Bäume der Allee stark bruchgefährdet sind. Einige von ihnen sind schon den Stürmen der letzten Jahre zum Opfer gefallen und mussten gekappt oder sogar gerodet werden.“

Schmidt führt weiter aus, dass die Winterlinden (Talia cordata) nicht ohne Genehmigung der Gemeinde gerodet oder geschädigt werden dürfen. Davor bewahre sie die bereits genannte Baumschutzsatzung. Im gleichen Atemzug unterstreicht der Ratsherr: „Ebenfalls sind die Linden als Kulturdenkmal des Landes Schleswig-Holstein eingestuft und unterstehen daher der unteren Landschaftspflegebehörde des Kreises Pinneberg und darüber hinaus auch dem Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein.“

Eine Einigung zwischen Kirche, Land, Kreis, Gemeinde und Politik liegt nun vor. Der Kompromiss beinhaltet keine Rodung, der Einschätzung des Baumsachverständigen würde nun gefolgt: „Durch gezielte Schnittmaßnahmen könne eine Lebensdauer von 50 bis 60 Jahren erwartet werden“, zitiert Schmidt den Experten. Die Entfernung der Sekundärkronen sollen von Fachfirmen ausgeführt werden.

Schmidt stellt sich auf „Unverständnis und Empörung bei den Besuchern“ ein: „Aber ohne diese Maßnahmen sind die Linden zeitnah abgängig. Die Sicherheit der Besucher ist durch herabstürzende Äste nicht mehr zu gewährleisten.“

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