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Das Sonntagsgespräch : „Lieder liegen auf der Straße“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch: Heute mit Jörn Schröder, Mitglied der Heidgrabener Band Liekedeler.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2014 | 14:00 Uhr

Heidgraben | Jörn Schröder ist eines der Mitglieder der Liekedeler. Die in Heidgraben gegründete Gruppe macht Musik ausschließlich mit plattdeutschen Texten und feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Schröder erklärt im Sonntagsgespräch unter anderem, warum die Liekedeler sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache einsetzen.

Wie schafft es eine Band, 25 Jahre gemeinsam zu musizieren?
Uns verbindet der Spaß an der Musik und an der plattdeutschen Sprache. Die meisten unserer Lieder sind selbst geschrieben – und zwar Texte und Musik. Jeder bringt seine Ideen ein und gemeinsam werden diese umgesetzt.

Wieso machen die Liekedeler plattdeutsche Musik?
Wir lieben einfach die plattdeutsche Sprache. Ich bin hin und weg vor Freude, wenn ich kleine Kinder auf Platt sprechen höre. Da geht mir das Herz auf. Denn diese wunderschöne Sprache ist vom Aussterben bedroht. Das dürfen wir nicht zulassen.

Wieso ist es so wichtig, die plattdeutsche Sprache zu pflegen?
Sie ist ein Teil unserer Geschichte und gehört zu unseren Wurzeln und unserer Herkunft. Wenn eine Sprache nicht täglich gepflegt wird, geht sie irgendwann verloren. Für Dinge wie ein Smartphone gibt es doch gar keine plattdeutschen Begriffe. Von einer früheren Amtssprache ist nur noch ein kümmerlicher Rest geblieben.

Wie kann dem entgegen gesteuert werden?
Immerhin geben sich inzwischen einige Kindergärten und Schulen Mühe, diese wunderschöne Sprache weiterzugeben. Das Hauptproblem ist allerdings, dass die Medien nicht mitziehen. Im Radio und im Fernsehen sind plattdeutsche Sendungen gekürzt oder gleich ganz gestrichen worden. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Was macht den Charme der plattdeutschen Sprache aus?
Zum einen sicherlich der Klang. In meinen Ohren klingt Plattdeutsch einfach wundervoll. Diese Sprache ist ein schöner Teil unserer Geschichte. Dazu kommt: Einige Redewendungen, die auf Hochdeutsch richtig böse rüberkommen, erscheinen auf Platt viel freundlicher.

Wie entstehen die Lieder der Liekedeler?
Ich persönlich drücke meine Gefühle aus und beschreibe mein Leben und Dinge, die ich erlebt oder beobachtet habe. Lieder liegen auf der Straße. Man muss sie nur aufschreiben, vertonen und unter die Leute bringen.

Gibt es Auftritte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Unser Auftritt beim Schleswig-Holstein-Tag, das Benefizkonzert für einen Schwerstbehinderten in Uetersen – da sind einige zu nennen. Auch unsere jährlichen Weihnachtskonzerte sind  ein fantastisches Erlebnis. In die Vorbereitung stecken wir  viel Arbeit, da die Auftritte jedes Jahr unter einem anderen Motto stehen.

Was steht bei den Liekedelern als Nächstes an?
Die Jubiläumsveranstaltung zu unserem 25-jährigen Bestehen in Heidgraben am 14. September. Dort wurden die Liekedeler 1989 gegründet. Auf der Bühne wird nicht nur die aktuelle Besetzung stehen. Auch viele ehemalige Mitglieder und die Trachtengruppe Ueterst End werden dabei sein. Ursprünglich waren die Liekedeler Begleitmusiker der Trachtengruppe.

Was hat sich seit dem Start verändert?
Auf jeden Fall die Besetzung. Von den Gründungsmitgliedern ist niemand mehr dabei. Ich selbst bin 1994 zu der Gruppe gestoßen. Auch die Inhalte der Lieder sind anders. Früher ging es um Themen wie Liebe, Deiche, Schafe und Möwen. Inzwischen verarbeiten wir unsere eigenen Erfahrungen und beschäftigen uns mit aktuellen Zeiterscheinungen.

Jörn Schröder ist seit 1994 Mitglied der Band Liekedeler. Der 60-Jährige spielt Gitarre und Bass und singt zudem. Der verheiratete Vater zweier Söhne musiziert  nicht nur bei den Liekedelern. Außerdem hat er mit der Gruppe Clonmel eine CD mit irischen, schottischen und nordamerikanischen Songs aufgenommen. Mit den SlowStrings spielt er Pop, Folk und Oldies. Und auch solo ist er als Liedermacher unterwegs. www.liekedeler.com
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