Liebe statt Kohle

Ziel der Fahrrad-Demo war das Kohlekraftwerk Moorburg. Gestartet waren die Teilnehmer an der Umweltbehörde in Wilhelmsburg.  Fotos: Schwarz (2)
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Ziel der Fahrrad-Demo war das Kohlekraftwerk Moorburg. Gestartet waren die Teilnehmer an der Umweltbehörde in Wilhelmsburg. Fotos: Schwarz (2)

Klima-Aktivisten fordern Stilllegung des Kohlekraftwerks Moorburg und legen den Verkehr auf der Kattwykbrücke lahm

glosemeyer_barbara_75R_7369.jpg von
06. Oktober 2019, 16:00 Uhr

Hamburg | Moorburg: eigentlich ein friedliches Elbdorf noch auf Hamburger Stadtgebiet. Doch Freitagmittag wurde es etwas lauter. Rund 600 bis 700 Demonstranten kamen mit Fahrrädern angereist, um gegen das dortige Steinkohlekraftwerk zu demonstrieren. Zur Demo aufgerufen hatten die Umweltschutzorganisationen BUND Hamburg, BUNDjugend sowie die Bewegung „Fridays for Future“. Das mit Dampfturbinen ausgerüstete Kraftwerkwerk nahm 2015 seinen Betrieb auf. Genehmigt wurde es noch unter einem CDU-Senat mit Bürgermeister Ole von Beust.

Bei der Demo, die dann in eine Kundgebung überging, skandierten die vor allem jüngeren Teilnehmer und Teilnehmerinnen Parolen wie: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.“ Mit dabei war auch Leonie (17), Schülerin aus Hamburg-Rahlstedt: „Ich möchte mich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen“, begründet sie ihr Engagement. „Und das geht wohl nur, wenn man demonstriert.“ Die Schülerin nimmt auch an den freitäglichen Schulstreiks von „Fridays for Future“ teil, sagt sie, „wenn sich das mit der Schule einrichten lässt.“ Dann wird wieder gerufen: „Kohlekonzerne baggern in der Ferne, zerstören unsere Umwelt nur für einen Batzen Geld!“

Auch Moritz (18), Stadtteilschüler aus Hamburg, fühlt sich der „Fridays for Future“-Bewegung zugehörig: „Ich demonstriere für unseren Planeten, für unsere Zukunft und für alle Lebewesen, weil unser Planet gerade für ein paar Milliarden Euro kaputt gemacht wird. Wenn ich kann, bin ich dabei.“ Der 18-Jährige verzichtet auch auf Fleisch, ernährt sich vegan.

Kritisiert wird auch, dass die zum Betrieb des Kraftwerks nötige Steinkohle unter anderem aus Staaten der Dritten Welt komme, wo sie – so die Veranstalter – unter oftmals unmenschlichen Bedingungen abgebaut werde und deshalb „nicht ohne Grund auch Blutkohle genannt wird“.

Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg erklärt: „Wir fordern, dass das Kraftwerk Moorburg so schnell wie möglich vom Netz geht, auf jeden Fall noch vor 2030.“ Ab dem Jahr 2030 will die Stadt Hamburg laut Senatsentscheidung gänzlich aus der Strom- und Wärmerzeugung mit fossilen Brennstoffen aussteigen. Auch das Kohlekraftwerk Wedel soll nach dem Willen der Umweltschützer noch vor 2025 abgeschaltet werden, so Braasch.

Auch Bewohner des Elbdorfs Moorburg hatten sich vor dem Kraftwerk eingefunden und forderten dessen Abschaltung. „Als wir hierher zogen, war dasKraftwerk noch nicht da. Mittlerweile sieht man an manchen Sommertagen die Sonne nicht“, empört sich Simon Lochmann (41), Sozialarbeiter aus Moorburg. „Wir haben drei Kinder von drei, sechs und zehn Jahren und demonstrieren für das Klima, für frische Luft und alternative Energien.“ Scherzhaft fügt er hinzu: „Und für mehr Liebe statt Kohle.“

Noch während der Veranstaltung wurde die für die Hafenlogistik wichtige Kattwyk-Brücke von Aktivisten besetzt. Mehrere Demonstranten seilten sich ab und enthüllten ein Transparent. Der Aufforderung der Polizei, die Brücke zu räumen, kamen die Besetzer nach NDR-Informationen nicht nach. Daraufhin kam es zu einem Polizeieinsatz. Einige Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen, die Personalien festgestellt. Ihnen droht ein Verfahren wegen Nötigung.

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