Liebe kennt keine Landesgrenzen

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Katja Schultz und Zana Gello erzählen, wie sie zusammen gekommen sind / Mit Sprachtraining über Facebook fing alles an

shz.de von
14. Februar 2018, 16:00 Uhr

Nach den großen Flüchtlingsströmen, der Registrierung und Unterbringung hat jetzt die Zeit der tatsächlichen Integration für die Geflüchteten begonnen. Aber die Vorstellung, wie es laufen sollte, weicht manchmal von der Realität ab. Wie gelingt die Integration in Pinneberg? Bei Katja Schultz und Zana Gello sehr gut: Die deutsche Studentin und der syrische Azubi planen ihre gemeinsame Zukunft.

„Wir haben nie Probleme mit der Sprache gehabt. Wir verstehen uns auch ohne“, sagen Katja Schultz und Zana Gello. Das glaubt man ihnen sofort. Wer das deutsch-syrische Paar erlebt, spürt, dass die beiden ein gemeinsames Fundament trägt. Trotz aller Unterschiede in Kultur und Sozialisation haben sie sich wie zwei Magnetstecker aufeinander zubewegt und gewusst, dass es so genau richtig ist. Bedenken gab es nie. Ihre Gefühle füreinander waren klar und kompromisslos – und so ist es bis heute geblieben.

„Wir haben uns das erste Mal am 10. Dezember 2016 um 13.30 Uhr gesehen“, sagt Zana. Der 22-jährige kurdische Syrer war zu dem Zeitpunkt ein Jahr in Deutschland und wollte junge Leute zum Deutschsprechen kennenlernen. „Ich habe über Facebook kommuniziert und dabei Katja kennengelernt.“ Dann wollten sich die beiden auch einmal in natura sehen, haben sich am Jungfernstieg zum Weihnachtsmarktbummel verabredet. Und was haben die beiden gedacht, als sie dem anderen zum ersten Mal in die Augen gesehen haben? Beide lachen glücklich: „Wow, haben wir gedacht.“ Klassischer Fall von Liebe auf den ersten Blick.

Von dem Tag an sind die 19-jährige Studentin für Geophysik und der pharmazeutisch kaufmännische Auszubildende unzertrennlich – inzwischen wohnen sie zusammen. Vorurteile von Katjas Freunden, den drei Schwestern oder ihren Eltern gab es kaum: „Zana ist so ehrlich, herzlich und humorvoll, den mögen alle“, sagt Katja. Und sie verstehen ihn, denn Zana spricht unglaublich gut Deutsch. Gelernt hat er das nicht etwa durch Sprachkurse, sondern durch Eigeninitiative: „Ich hatte keine Lust mehr, auf einen Sprachkursus zu warten und habe am Computer Deutsch gelernt.“ Und natürlich mit Katja.


Mit Eigeninitiative zum Joberfolg

Genauso initiativ hat er sich einen Job gesucht: „Ich war in Pinneberg angekommen und bin einfach von Geschäft zu Geschäft gegangen und habe gefragt, ob sie Hilfe brauchen“, so Zana. Das hat dem Chef der Pinneberger Adler-Apotheke, Christopher Schwartz, imponiert. Er gab Zana eine Chance. Nach ersten Hilfsjobs wurde der junge Syrer in der Apotheke zum Azubi. Mittlerweile ist er im dritten Lehrjahr und schließt seine Ausbildung als pharmazeutisch kaufmännischer Angestellter im Sommer ab. Dann möchte er Medizin studieren. „Als Arzt kann ich Menschen helfen und diesem Land etwas zurückgeben. Besonders mein Chef hat mich sehr unterstützt, ohne etwas zu erwarten. Für mich ist er ein Vorbild“, sagt Zana.

Vor eineinhalb Jahren kam Zanas Familie nach. Auch die zwei jüngeren Brüder und seine Eltern leben in Pinneberg. Katja: „Ich fühle mich bei ihnen sehr willkommen. Sie sind inzwischen ein bisschen wie meine eigene Familie. Dort ist alles herzlicher, lebhafter und gemeinschaftlicher als in deutschen Familien“, findet sie. Die Studentin liebt das syrische Essen und erlernt die kurdische Sprache. An Zana schätzt sie, dass er sich nicht, wie viele junge Männer in dem Alter, besonders cool gibt, sondern im Gegenteil hilfsbereit und familienorientiert ist. „Er hat Tiefgang“, sagt Katja.

Zana hat als kurdischer Syrer in seiner Heimatstadt Al Maabadah für die kurdischen Rechte demonstriert, wurde politisch verfolgt. „Wenn man so will, hat mich Syrien rausgeschmissen und Deutschland hat mich adoptiert. Dafür bin ich dankbar. Zuerst bin ich in die Türkei geflohen. Aber als Kurde war die Situation dort natürlich ganz und gar nicht optimal. Es gab keine Zukunft“, erinnert er sich. „Mein Vater hat mich ermutigt, nach Deutschland zu gehen.“

Deutschland ist für Zana wie ein Paradies: „In Syrien müssen die Menschen um alles kämpfen. Hier bekommen sie vieles einfach so.“ Und obwohl es allen so gut ginge, alles so wunderbar pünktlich und ordentlich sei, hätten die Menschen immer Stress. Umgewöhnen musste sich der junge Syrer auch in Sachen Kommunikation: „In Syrien geht man vor die Tür und trifft 20 Leute, mit denen man spricht und lacht. Hier muss man zwei Monate vorher Bescheid geben, damit man sich mit jemandem zum Klönen treffen kann.“

Das Paar sieht positiv in die Zukunft und möchte eine Familie gründen. Heute feiern sie erst einmal den Valentinstag.

Im nächsten Teil unserer Serie am Mittwoch, 21. Februar, stellen wir den Freiwilligendienst für geflüchtete Menschen vor.

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