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Offenes Atelier : Lichtkonzerte im eigenen Garten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Künstlerin Gisela Meyer-Hahn öffnet am Wochenende ihr Atelier. Eine Reise durch ein umfangreiches Schaffen.

Pinneberg | Die ersten Objekte stehen bereits in ihrem Garten. Wer sich über das Schaffenswerk von Pinnebergs Ausnahmekünstlerin Gisela Meyer-Hahn informieren will, kann das am Sonnabend, 1. Juli, von 11 bis 22 Uhr, und am Sonntag, 2. Juli, von 11 bis 19 Uhr tun. In diesem Zeitraum öffnet Meyer-Hahn im Zuge des Sommerateliers Schleswig-Holstein auch ihre Werkstatt im Hogenkamp 1 in Pinneberg. „Ich arbeite mit Licht, Farbe, textilem Material, Klang und den Dimensionen von Raum, der durch künstlerische Wandlung neu erfahrbar wird“, beschreibt Meyer-Hahn kurz auf ihrer Website ihre Arbeit. Genau in dieses Oeuvre soll der Besucher einen Einblick erhalten.

„Es ist eine Zeitreise durch meine Jahre als Künstlerin“, sagt sie. „Ich habe alle meine Außenstellen aufgelöst und das Material in mein Atelier gebracht“, verrät sie. Kisten, Kästen, Ordner, ein ganzes Lager. „Bei der Betrachtung habe ich festgestellt, dass sich ein roter Faden durch mein ganzes Werk zieht und mich da hat ankommen lassen, wo ich jetzt bin“, sagt sie.

Es war eine lange Reise bis zu dem Zeitpunkt, wo Meyer-Hahn sich als Lichtkünstlerin, als Meisterin, die die Synästhesie von Musik und Farbe in den Mittelpunkt ihrer Kunst stellt, einen Namen weit über die Grenzen von Pinneberg gemacht hat. Denn mittlerweile ist sie eine der bedeutendsten Schaffenden Schleswig-Holsteins. Im vergangenen Jahr folgte die 64-Jährige einer Einladung zu einem Kongress in Chile mit dem Thema „Color in urban life“. Farbe, das ist auch Meyer-Hahns Mittelpunkt im Leben. Spurensuche: Nach ihrem naturwissenschaftlichen Abitur in Hanau und dem anschließenden Gestaltungsstudium in Wiesbaden und Salzburg begann sie mit der Herstellung von Kleidungsstücken. Schnell merkte sie, dass man davon nicht leben kann. Doch sie blieb bei dem textilen Material. Aus dieser Zeit stammen auch die schweren Rahmen mit dem Verbundglas. Meyer-Hahn hat farbige Seide hineingelegt, die von innen her beleuchtet wird.

Derzeit stehen sie in ihrem Atelier. „Lange Zeit standen diese Teile brach. Ich konnte sie nicht tragen“, erklärt sie. Warum, das erklärt uns die Künstlerin auch. „Vor sechs Jahren hatte ich einen schweren Unfall beim Skifahren in Kanada, in Lake Louise. “ Dabei sei sie so unglücklich auf die Skibindung gefallen, dass ihre rechte Schulter zerschmettert worden sei. Die Ärzte hätten Titan einsetzen müssen. Tragen habe sie mit dem rechten Arm so gut wie nichts mehr können. Doch seit einem halben Jahr gehe es ihr besser. „Die Heilung entsteht im Kopf.“ Anfang des Jahres war sie noch einmal am Unfallort. „Ich habe damit Frieden geschlossen.“

Ein kleiner Überblick ihrer Aktionen.
Ein kleiner Überblick ihrer Aktionen. Foto: Rene Erdbrügger
 

Zurück zur Werkschau: Die Installation des Spiegelschriftzugs „Nie wieder“, den sie 2006 über den Bombentrichter auf Helgoland spannte, bezeichnet sie als einschneidendes Erlebnis in ihrem Schaffen. Dort habe sie etwas gespürt, einen rauschenden Wind, der durch den Trichter fährt, wie sie es beschreibt. „Diesen Spannungsbereich aus Klang und Licht habe ich in der Kirche in Helgoland umgesetzt.“ Es war die Geburt der Lichtkonzerte, die sie auch in der Pinneberger Christuskirche aufführte. „Ich bringe immer wieder Bewegung, Licht, Klang und Veränderung in eine Linienstruktur, die Teile bringe ich in eine Form. Andere schreiben. Ich übertrage es in Farbe und Wahrnehmung.“ Dass das nicht jeder Betrachter versteht und polarisiert, weiß die Künstlerin auch. „Nicht ich, aber meine Arbeiten polarisieren.“

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erstellt am 29.Jun.2017 | 12:00 Uhr

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