Kunst, die nicht an der Wand hängt : Lichtinstallation an der Pinneberger Christuskirche von Gisela Meyer-Hahn

Die Außenschweinwerfer hat Künstlerin Gisela Meyer-Hahn bereits auf ihre Funktion überprüft. Am 5. November sollen sie zum Einsatz kommen.

Die Außenschweinwerfer hat Künstlerin Gisela Meyer-Hahn bereits auf ihre Funktion überprüft. Am 5. November sollen sie zum Einsatz kommen.

Die Künstlerin öffnet wieder ihr Atelier. Lichtinstallation an der Außenfassade der Christuskirche als neues Projekt.

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20. Juni 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Per Definition ist Licht eine Form der elektromagnetischen Strahlung. Wenn Pinnebergs Künstlerin Gisela Meyer-Hahn sich der Sache annimmt, verschmelzen Farbe, Klang und Licht. Eine Synästhesie entsteht. Lieder werden in Farbtöne umgesetzt. Beim Klang von Musik höre sie Farben. „Nichts ist im Geist, was nicht vorher in den Sinnen war“, zitiert Meyer-Hahn den englischen Philosophen John Locke (1632-1704).

Den Schaffensprozess, der zu ihren Lichtinstallationen führt, mit denen sie sich überregional, gar international einen Ruf erarbeitet hat, wird sie während der landesweiten Tage der Offenen Ateliers in Schleswig-Holstein erläutern. Am Sonnabend, 30. Juni, von 11 bis 22  Uhr, und am Sonntag, 1.  Juli, von 11 bis 19 Uhr können Interessierte ihr Atelier Farbton am Hogenkamp 1 in Pinneberg besuchen.

Umtriebige Ausnahmekünstlerin

Die umtriebige Ausnahmekünstlerin, die bereits die Innenstädte und Kirchen von Eckernförde, Bonn und Bremen illuminierte und in Chile auf einem Kongress mit dem Thema „Color in urban life“ einen Vortrag hielt, arbeitet derzeit an einem neuen Projekt. Meyer-Hahn wird am Montag, 5.  November, eine interaktive Lichtinstallation an der Außenfassade der Pinneberger Christuskirche zeigen – die Umsetzung einer Komposition von Claude Debussy. Vor und nach einem Konzert des Ensembles Quartonal. Beginn ist um 19 Uhr. Anlass ist das 20-jährige Bestehen der Freunde des Regioklinikums Pinneberg. Der Eintritt beträgt 20 Euro, Kinder kommen umsonst rein.

Schon zweimal hat Künstlerin Gisela Meyer-Hahn in der Christuskirche Lichtkonzerte gegeben.
René Erdbrügger
Schon zweimal hat Künstlerin Gisela Meyer-Hahn in der Christuskirche Lichtkonzerte gegeben.
 

Dem nicht genug: Auch im Zuge der 200-Jahr-Feier in Fürth wird die gebürtige Hessin ein Lichtprojekt im November präsentieren. „Ich habe mich beworben und den Wettbewerb gewonnen“, sagt Meyer-Hahn.

Kein Stillstand

Stillstand gibt es für Meyer-Hahn nicht: Die 65-Jährige kann auf eine lange Schaffensperiode zurückblicken. 1988 kam sie nach Pinneberg. Ihr Material war viele Jahre lang Textil für Rauminstallationen. Im Laufe der Zeit hat sie sich auf Farbe, Klang und Licht verlegt. „Ich arbeite immer weniger mit Materialien, sondern mit nicht greifbarem Licht“, sagt sie. Das gipfelte 2010 in ihrem Aufsehen erregenden Projekt: „Pinneberg im Licht“. Unter anderem illuminierte sie das Rathaus und die Hochbrücke.

Einige tun sich allerdings schwer mit ihrem Werk, verstehen die Intention nicht. Es ist ein Außenseiterweg, den sie geht. Das weiß sie. Mit ihren Lichtinstallationen eckt sie an. Aus Pinneberg kommt wenig Feedback. Meyer-Hahn ist der Prophet, der im eigenen Land nichts gilt. „In Schleswig-Holstein ist immer nur wichtig, dass das Bild an der Wand hängt und die Skulpturen auf dem Sockel stehen“, sagt sie. Was sie bedauert: Für ihre temporären Projekte fehlt es an einer Plattform. Doch Meyer-Hahn will Abhilfe schaffen, möchte ihre Auftritte und Lichtinstallationen digital aufnehmen lassen. Für die Ewigkeit erhalten. Und freut sich um so mehr, dass es eine erste, kleine Werkschau gibt. In analoger Form. Anlässlich ihrer Ausstellung in den Räumen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein erscheint ein Begleitheft in der Reihe „Ars Borealis – Kunst im Norden“. Darin ist auch die „Tänzerin im Wind“ zu sehen, über deren Entwicklung Meyer-Hahn selbst ein Buch verfasst hat. Insgesamt vier Jahre lang war ihr Werk aus 40  Quadratmetern beidseitig bedrucktem Polyester-Stoff, der sich bei Wind kunstvoll um eine Metallstange drehte, auf Gewässern in Deutschland zu sehen – zuletzt noch auf dem Rantzauer See in Barmstedt.

Radikal in allem

„Das Kunstwerk muss gewartet werden, aber die Barmstedter wollten kein Geld dafür zur Verfügung stellen“, sagt die Künstlerin – und entschloss sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. Zusammen mit dem Ersten Stadtrat Ernst-Reimer Saß baute sie das Kunstwerk ab. Stück für Stück. Radikal in allem, was sie macht: das ist Meyer-Hahn. Pinnebergs Ausnahmekünstlerin.

„Tänzerin im Wind“ ist in der Pinneberger Buchhandlung Bücherwurm, Dingstätte 24, erhältlich.

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