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Friedhof in Pinneberg : Letzte Ruhe mit Herrchens Liebling

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kommunaler Servicebetrieb plant gemeinsamen Friedhof für Mensch und Tier.

von
erstellt am 25.Sep.2015 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Friedrich der Große (1712 – 1786), auch der Alte Fritz genannt, zog in seinen letzten Jahren die Gesellschaft seiner Hunde der seiner Mitmenschen vor. Als er 1786 auf Schloss Sanssouci starb, war es sein größter Wunsch, in einer Gruft auf der Terrasse des Schlosses neben seinen Hunden beerdigt zu werden. Diese Bitte wurde zwar erst über 200 Jahre später erfüllt, als Friedrichs Sarkophag 1991 von der Potsdamer Garnisonskirche nach Sanssouci überführt wurde, dennoch: „Es ist nicht ganz neu, dass Tiere neben Menschen begraben werden“, sagt Ellen Lengwenat von der Pinneberger Stadtfriedhof-Verwaltung.

Hund, Katze, Kanarienvogel oder Goldhamster: In Braubach bei Koblenz wurde vor wenigen Monaten der erste deutsche Friedhof eingeweiht, auf dem Mensch und Tier auch über den Tod hinaus verbunden sein können. Die Stadt Essen zog nach. Jetzt überlegt auch Pinneberg, solche Bestattungen auf dem Stadtfriedhof im Hogenkamp 34 a zuzulassen. Eine Fläche von 400 Quadratmetern ist bereits dafür ausgesucht worden.

Der Vorstoß für diese etwas andere Beisetzungsform kommt von Silkata Sahin-Adu, Chefin des Kommunalen Servicebetriebs der Stadt Pinneberg (KSP). Sie ist auch für den Stadtfriedhof zuständig. „Es geht darum, neue Einnahmequellen aufzutun“, sagt sie klipp und klar. Friedhöfe machten nun mal Minus. „Vielen Menschen ist das Tier genauso viel wert wie der Partner“, sagt Sahin-Adu. Deswegen wolle man auch auf die Bedürfnisse vieler Menschen eingehen.

Der Trend geht auf jeden Fall weg von den klassischen Grabstätten. „Urnenpaar-Bestattungen sind beliebt. Die Grabstätten sind pflegefrei“, sagt Lengwenat. Die siebte Fläche auf dem Stadtfriedhof Pinneberg für solche Bestattungen sei in Arbeit. Lengwenat steht hinter der Idee vom Mensch-Tier-Friedhof und ist neugierig auf das Feedback aus der Bevölkerung. „Tiere sind auch Gottes Geschöpfe“, sagt sie.

Weitere Informationen zum Thema Mensch-Tier-Friedhof geben Lengwenat unter 04101-211595 und Sahin-Adu unter 04101-211600.

Ob allerdings auch die Asche von Pferden beigesetzt werde, bezweifelt Lengwenat. „Das wären 25 Kilo Asche“, sagt sie. Zum Vergleich: Ein menschlicher Leichnam hinterlässt zweieinhalb bis drei Kilogramm Asche. Zu den Kosten gibt es noch weitere Informationen. Eine neue Friedhofsgebührensatzung ist in Arbeit. In Braubach liegen die Kosten für ein gemeinsames Urnengrab für eine Zeitspanne von über 20 Jahren zwischen 1300 und 1800 Euro.

Als Kooperationspartner für Pinneberg kommt das Bestattungsunternehmen Deutsche Friedhofsgesellschaft in Frage. Das Unternehmen hat die ersten beiden Mensch-Tier-Friedhöfe unter dem Namen „Unser Hafen“ in Braubach und Essen eröffnet.

„Wir stehen in Kontakt mit rund 20 Gemeinden“, sagt Willi Brandt, Sprecher von „Unser Hafen“, auf Anfrage dieser Zeitung. Eine davon ist Pinneberg. „In den nächsten Wochen werden die Gespräche starten“, sagt er. Die Resonanz auf die ersten beiden Friedhöfe für Mensch und Tier sei positiv: „Auf Facebook haben wir über 5000 Follower“, berichtet er. Zwei Jahre habe es gedauert, die Sache organisatorisch und rechtlich zu klären.

Bestattungsrecht lässt Mensch-Tier-Friedhöfe zu

„Das Bestattungsrecht in Schleswig-Holstein würde Mensch-Tier-Friedhöfe zulassen“, weiß Sahin-Adu. Sie hat sich informiert. Nach den rechtlichen Vorgaben findet die Einäscherung jedoch getrennt in Human- und Tierkrematorien statt. Letztere gibt es in Hamburg und Kiel.

Der Bereich, in dem die Urnen von Mensch und Tier nebeneinander begraben werden, soll auf dem Friedhof indes gesondert sein. Aus gutem Grund: „Nicht jeder möchte neben der Asche eines Tiers begraben werden“, sagt Guido Roschlaub, Technischer Leiter des Stadtfriedhofs.

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