Kreis Pinneberg : Leser berichten vom Radweg-Chaos in der Region

Eine ganz miese Piste: Der Radweg von Barmstedt nach Brande-Hörnerkirchen.
Eine ganz miese Piste: Der Radweg von Barmstedt nach Brande-Hörnerkirchen.

Leser beschreiben die schlimmsten Strecken. Probleme gibt es fast überall. Sehr oft sind Landesstraßen betroffen.

shz.de von
07. August 2018, 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Es macht keinen Spaß, im Kreis Pinneberg mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Mehr noch: Es herrscht das total Chaos. Das ist das erste Ergebnis einer Umfrage von shz.de über die schlimmsten Radler-Pisten im Kreis Pinneberg. Die Rückmeldungen unserer Leser sind eindeutig: Es gibt üble Strecken in Massen. Ein Leser brachte es stellvertretend für andere auf den Punkt: „Es ist leider im Kreis Pinneberg einfacher, die guten Radwege aufzulisten als die maroden, denn von den schlechten haben wir einfach zu viele.“

Störende Baumwurzeln und Querrillen

Der Rücklauf war enorm: shz.de hatte nach maroden Radwegen gefragt und die Leser überhäuften uns mit Mails. Ein Punkt zieht sich durch fast alle Zuschriften: Hubbel und Aufwölbungen wegen Baumwurzeln: „Leider haben die Baumwurzeln die Decke teilweise so angehoben, dass man sich das Fahrrad kaputt fahren würde, wenn man normal durchfahren würde“, beschreibt eine Leserin die Strecke zwischen Quickborn und Renzel. In einer weiteren Zuschrift wird über störende Baumwurzeln bei Radwegen in der Haseldorfer Marsch geklagt. Andere Leser berichten von Querrillen, die die Fahrten zur Tortur für den Rücken machen.

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Wie schwer man dem entkommen kann, beschreibt eine andere Leserin. Bei der Fahrt von Tornesch nach Pinneberg wäre sie in Prisdorf fast wegen der vielen Baumwurzeln gestürzt. „Es ist lebensgefährlich auf diesem Radweg zu fahren“, so ihre Erfahrung. Doch als sie in ihrer Not auf die Straße auswich, bekam sie es außer mit hupenden Autofahrern mit der Polizei zu tun. Sie wurde wieder auf den Radweg verwiesen.

Grundstücksauffahrten

Immer wieder ein Ärgernis für Radfahrer sind die Grundstücksauffahrten. Fast jeder Grundstücksbesitzer grabe seine Auffahrt auf und mache sie unfachmännisch wieder zu, so ein Leser. Das Ergebnis beschreibt er so: „Alle paar Meter ein anderer Belag mit Höhendifferenzen, die ein zügiges Radfahren unmöglich machen. Die Stadt sollte die Erdarbeiten kontrollieren und nur fachgerechte Ausführungen abnehmen.“ Ein anderer Leser meint: „Grundsätzlich werden leider immer noch Radwege gebaut, die alle paar Meter von Hauszufahrten unterbrochen werden anstatt die Radwege durchgängig zu bauen und die Zufahrten zu unterbrechen.“

„Wenn die Radwege durch andere Gewerke wie Telekom, Gas- und Wasserinstallationsfirmen aufgerissen werden, so werden sie meist sehr schlecht ausgebessert und nicht wieder in ihren Urzustand zurückversetzt“, so die Kritik in einer weiteren Zuschrift.

Am schlimmsten rund um Barmstedt

Besonders häufig beschreiben Leser die schlimmen Zustände im der Region um Barmstedt und Brande-Hörnerkirchen. Seit rund zehn Jahren wird per Schild auf Radwegschäden an der Landesstraße 112 von Brande-Hörnerkirchen nach Barmstedt hingewiesen. Passiert sei nichts. Aufwölbungen von Baumwurzeln würden sich mit Absackungen, verursacht von Maulwürfen, abwechseln. Am Fahrbahnrand werde selten gemäht, so dass sich Buschwerk und Brombeerranken ausbreiteten. Ein anderer Leser meint, dass man diese Piste, „eher als Gefahrenquelle denn als Radweg bezeichnen kann“.

Ähnlich katastrophal, so ein weiteres Leserehepaar, sehe es zwischen Barmstedt und Lutzhorn sowie in Bokel aus. Darauf, dass es auch anders geht, weist ein andere Leser hin: Das Radwegenetz im Kreis Stormarn sei weitaus besser als im Kreis Pinneberg. Doch auch die Mitradler bekommen ihr Fett weg: Ständig seien Falschfahrer unterwegs, „die es einfach nicht begreifen, dass in Deutschland Rechtsfahrgebot gilt“.

Dringender Handlungsbedarf

Alle Leser sehen dringenden Handlungsbedarf. „Wenn – unter anderem auch aus Umweltschutzgründen – dazu aufgefordert wird, vom Auto auf das Rad zu steigen, dass sollte aber auch von offizieller Seite dafür gesorgt werden, dass das Radwegenetz in Takt ist“, so eine Meinung. Die Politik träume von Fernradwegen und „versemmelt so zusätzliche Millionen“, schimpft ein anderer Leser. „Wir, die oft mit dem Fahrrad im Kreisgebiet unterwegs sind, wünschen uns erstmal eine Verbesserung der vorhandenen Radwege“, schreibt er.

Wer für die maroden Radwege zuständig ist (Gemeinde, Kreis oder Land) ob, und wenn ja, wann was getan wird, um die Pisten zu sanieren, berichten wir in den kommenden Wochen.

 
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