Freiwillige Leselernhelfer gesucht : Lesen lernen leicht gemacht beim Verein Mentor im Kreis Pinneberg

Jeden Donnerstag treffen sich Birgit Pausmer (links) und Njud, um das Lesen zu üben.

Jeden Donnerstag treffen sich Birgit Pausmer (links) und Njud, um das Lesen zu üben.

Mentoren üben Lesen und Textverständnis mit Jungen und Mädchen. Regelmäßige Schulungen.

shz.de von
18. Juni 2018, 11:06 Uhr

Elmshorn | „Die Passagiere auf der ersten Heißluftballonfahrt waren ein Schafbock, ein Hahn und eine Ente.“ Komisch – findet die zehnjährige Njud. Gemeinsam mit ihrer Leselernhelferin Birgit Pausmer liest sie in der Kinderzeitung einen Text über die Heißluftballonfahrt. Der Nachname der beiden Erfinder, die Brüder Montgolfier, fällt der Viertklässlerin schwer. Nicht schlimm, denn „das ist Französisch“ sagt Pausmer und greift ihr unter die Arme.

Njud und Pausmer treffen sich jeden Donnerstag nach dem Unterricht in einem Klassenzimmer der Timm-Kröger Grundschule in Elmshorn. Pausmer ist eine von 185 Mentoren im Kreis Pinneberg, die an 27 verschiedenen Schulen als Leselernhelfer aktiv sind. Einmal die Woche treffen sich die Mentoren mit ihren Schützlingen, um das Lesen zu üben. Pausmer war früher Lehrerin und Schulleiterin, Kindern beim Lernen zu helfen, ist für sie also nichts Neues. Aber Mentor werden kann eigentlich jeder „Bevor man als Mentor startet, nimmt man an einer Schulung teil und es gibt auch regelmäßige Fortbildungen“, erzählt die Zweite Vorsitzende des Vereins der Lesehelfer im Kreis Pinneberg.

Abwechselnd lesen

„Hast du schon mal einen Heißluftballon gesehen?“, fragt Pausmer Njud. „Ja, im Disney-Land“, erzählt die Viertklässlerin. „Über Elmshorn fliegen aber auch oft welche“, meint Pausmer. Zu Beginn jedes Treffens lesen die beiden zunächst einen Sachtext in der  Kinderzeitung. Dabei wechseln sie sich immer ab, jede liest einen Absatz. Auf der nächsten Seite stehen kurze Artikel zu aktuellen Themen – diesmal geht es unter anderem um die Fußball-Weltmeisterschaft. „Guckst du die Spiele?“, fragt Pausmer ihren Schützling. „Nur manchmal“, antwortet Njud. Die Weltraum-Mission von Alexander Gerst interessiert die Zehnjährige schon etwas mehr. Bei der „russischen Raumstation“ bleibt Njud kurz hängen, einmal Luft geholt, klappt es im zweiten Anlauf. „Einige Astronauten bleiben sogar zehn Jahre im All“, weiß die Zehnjährige.

Das Ziel des Mentor-Programms ist es, dass die Kinder die Texte nicht nur vorlesen können, sondern den Inhalt auch verstehen. Deshalb unterhalten sich Pausmer und Njud auch viel über die Texte.

Ein eingespieltes Team

Seit zwei Jahren sind die Viertklässlerin und die Rentnerin ein eingespieltes Team. Für die Leselernhilfe wurde Njud von ihrer Klassenlehrerin vorgeschlagen. „Meist sind es Schüler, die ein bisschen Hilfe brauchen oder sich einfach nicht trauen“, sagt Pausmer. Njud sei in der gemeinsamen Zeit schon sehr viel sicherer geworden. „Die Kinder profitieren von dieser Eins-zu-Eins-Beziehung“, im Klassenverbund könne man die Schüler, die etwas mehr Hilfe beim Lesen brauchen, natürlich nicht so intensiv betreuen.

Auf die zwei Textseiten folgt auch immer eine Seite mit Rätseln. Beim Ersten soll Njud neun Heißluftballons unterscheiden. Immer zwei sehen genau gleich aus, aber welcher hat keinen Doppelgänger? Einmal die richtige Strategie gefunden löst die Grundschülerin das Rätsel ganz fix. In der nächsten Aufgabe soll sie Reim-Paare finden, rasend schnell ist auch das getan. Zuletzt muss Njud noch ein paar Fragen zum Text beantworten: „Wo sitzen die Passagiere während einer Ballonfahrt?“

 Pausmer und Njud sind mit der Kinderzeitung fertig. Aber es bleibt noch genug Zeit für eine kurze Geschichte. Diesmal hat Pausmer eine Rittergeschichte mitgebracht. Nach 45 Minuten ist die Mentor-Stunde vorbei. In wenigen Wochen, wenn Njud die Grundschule verlässt, ist für sie auch die Leselernhilfe vorbei. Nach den Sommerferien besucht sie das Elmshorner Bismarck Gymnasium.

Der Verein Mentor im Kreis Pinneberg sucht  neue Freiwillige, die Lust haben, einem Kind beim Lesenlernen zu helfen. Wer Interesse hat, kann sich bei Birgit Pausmer unter Telefon (04121) 94753 informieren. Mentoren betreuen jeweils ein Kind pro Woche für 45 Minuten. In den Schulferien finden keine Stunden statt. Erfahrungen sind für die Aufgabe nicht notwendig – die Ehrenamtlichen nehmen vorab an einer Schulung teil. Außerdem gibt es regelmäßige Weiterbildungen. Weitere Informationen gibt es auch auf der Internetseite des Vereins. cin www.mentor-pinneberg.de
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