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Ein Tag voller Menschenrechte : Lesen, glauben, sagen, was ich will

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 09:38 Uhr

Kreis Pinneberg | Täglich, fast stündlich, nutzt fast jeder seine Menschenrechte, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Für viele Menschen, die einen Platz im System der deutschen Gesellschaft gefunden haben, sind sie heutzutage eine Selbstverständlichkeit. 

7.30 Uhr: Ich liege noch im Bett. Es klingelt an der Tür. Durchs Guckloch sehe ich unseren Hausmeister. Keine Ahnung, was er will. Ist mir auch egal. Ich schleiche zurück ins Bett. Heute morgen bin ich für ihn nicht zu sprechen.

8.30 Uhr: Es ist frisch draußen. Ich ziehe meine Winterjacke an, um nicht zu frieren. Auf dem Weg zur Arbeit schlendere ich zum Kiosk und kaufe mir ein Satiremagazin und lache zweimal herzlich über die Karikatur der Bundeskanzlerin, während mir ein Polizist, einen „Guten Morgen“ wünscht.

8.50 Uhr: Ich mache einen kurzen Abstecher zum Arzt, um mir ein dringend benötigtes Rezept abzuholen. Für den Gang zum Einwohnermeldeamt, um meinen neuen Reisepass rechtzeitig für meine nächsten Urlaub abzuholen, ist es heute zu spät. Wohin es geht? Nordafrika oder doch nach Asien: Das wird später festgelegt.

9.10 Uhr: Zwei Zeugen Jehovas grinsen mich friedvoll von ihrem Stand aus an und warten auf neue Glaubensgeschwister. Gestern gab’s bereits gratis einen Koran in der Fußgängerzone. Aber ich habe mich bereits entschieden.

9.15 Uhr: Alles im Zeitplan geschafft. Ich sitze in der Bahn zur Arbeit. Meine Freundin schreibt mir eine SMS darüber, dass  ihr Job sie nervt und sie bald den Arbeitgeber wechseln wird. Das weiß der allerdings noch nicht. Braucht er auch jetzt noch nicht. Erstmal wird sie ihren indischen Freund heiraten. Ich freue mich bereits auf die Feier.

10 Uhr: Am Arbeitsplatz angekommen. Die Kollegen grüßen freundlich. Wir werden die nächsten mindestens acht Stunden miteinander verbringen. Es könnte ein guter Tag werden, wenn wir es wollen. Niemand schwingt eine Peitsche. Wir haben uns diesen Beruf ausgesucht, sind mit Leidenschaft dabei und können auch noch am Ende des Monats volle Einkaufstüten aus dem Supermarkt nach Hause tragen. Sollte sich das gravierend ändern, könnte die Gewerkschaft Alarm schlagen.

14.30 Uhr: Wir diskutieren über tagesaktuelle politische Fragen. Jede Meinung ist erlaubt.

19.30 Uhr: Die Karten an der Theaterkasse liegen bereit. Ich freue mich auf die Vorstellung. Meine alte Schulfreundin, mit der ich zusammen Abitur gemacht habe, begleitet mich.

23 Uhr: Wieder daheim. Schnell noch mein Fahrrad in den Keller schieben, Post aus dem Briefkasten holen und dann in die warme Wohnung.

23.20 Uhr: Bilder flimmern über den Bildschirm. Bilder von Flüchtlingen, die gerade in Deutschland angekommen sind. 

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