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Gedächtnistrainer in Pinneberg : Lernen hat wenig mit dem IQ zu tun

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

400 begeisterte Schüler, Eltern und Lehrer: Gedächtnistrainer Gregor Staub zu Gast in der Pinneberger Johann-Comenius-Schule.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Reagan, das war der, bei dem die Brezel im Regen aufweichen. Danach kommen Bush, Clinton und wieder Bush, Letzterer wie die Flasche, die auf der Bühne steht. Nichts verstanden? Zirka 400 Menschen, die am Montagabend in der Sporthalle der Pinneberger Johann-Comenius-Schule (JCS) in Thesdorf zu Gast waren, wohl schon.

Denn dort trat der Gedächtnistrainer Gregor Staub auf. Der 60-Jährige vermittelte den Schülern, Lehrern und Eltern thailändische Worte, das Merken von Handynummern und dass Mathe plötzlich Spaß machen kann. Der Schweizer ist Profi im Gedächtnistraining mit Hilfe von Bildersprache und anderen Methoden.

Amüsant und lehrreich stellte er das in Pinneberg zur Schau. Nach 90 Minuten konnte der Großteil des Publikums unter anderem mehr als 20 Wörter Thailändisch und die Präsidenten der Vereinigten Staaten seit 1953 aufzählen. Bereits tagsüber hatte er mit den mehr als 800 Schülern der JCS und deren Lehrern trainiert.

Mit seinen Tricks referierte der Schweizer nach eigener Aussage europaweit bereits vor 1,3 Millionen Menschen, vom Versandhandelsmanager bis zum Grundschüler. Auch der Siebtklässler Tarek Donner war begeistert: „Mathe kann sogar Spaß machen“, stellte der 13-Jährige nach dem Workshop fest. Und zeigte sogleich gemeinsam mit Mitschüler Moritz Philipp Neumann (12) wie man das Einmaleins einfacher nachrechnen kann – mit den Händen und ein paar Eselsbrücken. Und was blieb den Lehrern im Gedächtnis? „Vor allem, dass Fehler zum Lernen da sind“, so die Schulleiterin Uta Holst-Timm.

Der 60-jährige Staub begeisterte das Publikum. Er sorgte für Massenumarmungen, Massenhändeschütteln, Massenlacher und weckte die Neugier für das eigene Gedächtnis. Eine seiner wichtigsten Botschaften lautete: Lernen können habe weniger mit dem IQ zu tun, sondern mehr mit der Motivation. Vor allem der positive Wille trage dazu bei. „Wer von Anfang an sagt, ich schaff das nicht, tut das auch nicht“, so Staub. Und worauf er immer wieder hinwies: „Sie können etwas nicht ein bisschen lernen, sie können ja auch nicht nur ein bisschen Fahrrad fahren oder halbschwanger sein.“ Seine Methoden zu lernen koste zwar ein paar Stunden Zeit, rentiere sich aber ein Leben lang.

Hinsichtlich des Lernens bemängelte er außerdem die deutsche Fehlerkultur: „Wenn Sie etwas können, dann freuen sie sich. Und wenn sie etwas nicht können, dann freuen sie sich auch. Denn dann gibt es noch etwa zu verbessern“, so der gelernte Betriebsökonom. Worauf es bei Fehlern vor allem ankomme, zeige sich im individuellen Umgang damit. „Der Unterschied zwischen angenehmen und nicht angenehmen Menschen ist, dass die angenehmen ihre Fehler eingestehen können.“

Wer Staub in Pinneberg verpasst hat, dem sei versichert: Er kommt wieder. Allerdings ist Geduld gefordert: 2018 wird Staub das nächste Mal bei der JCS zu Gast sein. Der Trainer ist so gefragt, dass er seine Termine bereits bis in die nächsten vier Jahre hinein plant.

Und mit welchem Bild merkt sich der Schweizer den Namen der Kreisstadt? „Na, ich tippe meine Pin-Nummer auf einem Berg ein – Pinneberg“, antwortete er ohne zu zögern.

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