„Glücksfall für die Schule“ : Leiterin des Förderzentrums Pinneberg verabschiedet

Reminiszenzen, Geschenke und zwei Ständchen: Das Kollegium würdigte die Arbeit von Astrid Zimmermann-Vollstedt (zweite Reihe, Vierte v. l.). Die Vollblutpädagogin war 23 Jahre lang Leiterin des Förderzentrums.
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Reminiszenzen, Geschenke und zwei Ständchen: Das Kollegium würdigte die Arbeit von Astrid Zimmermann-Vollstedt (zweite Reihe, Vierte v. l.). Die Vollblutpädagogin war 23 Jahre lang Leiterin des Förderzentrums.

Astrid Zimmermann-Vollstedt nach 40 Jahren im Schuldienst verabschiedet. Es war eine Bewegende Feier.

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15. Juli 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Inklusion – dahinter steckt der Gedanke, dass Kinder mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zusammen lernen. Und das vom Kindergarten - und Grundschulalter an. Astrid Zimmermann-Vollstedt hat seit ihrer Ausbildung zur Sonderschulpädagogin diese humanistische Idee auch während ihrer Arbeit als Lehrerin umgesetzt und in Pinneberg dafür gesorgt, dass aus der Heinrich-Hanselmann-Schule (HHS) in der Saarlandstraße 4 ein Förderzentrum wurde. 23 Jahre war sie dort Schulleiterin. Gestern wurde sie nach 40 Jahren im Schuldienst verabschiedet. Es war eine wehmütige, bewegende Feier, bei der viele Tränen flossen.

„Ich war jetzt auf sieben Veranstaltungen, auf denen Schulleiter verabschiedet wurden. Diese ist die emotionalste“, sagte Dirk Janssen, Schulrat im Kreis Pinneberg und zudem ausgebildeter Sonderpädagoge. Er war selbst Lehrer an der HHS: „Es hat nie eine Rolle gespielt, wer Chef von wem war“, sagte er während seiner Rede und nannte Zimmermann-Vollstedt „eine Freundin“, die ein Glücksfall für die Schule, die Kollegen und die Sonderschulpädagogik gewesen sei.

Das konnte Konrektor Jan Matthiesen nur bestätigen: „Du hast diese Kollegen über Jahre beispielhaft das Miteinander gelehrt. Du hast uns gefördert, Freiräume geschaffen und Zeit gelassen, uns zu wandeln und zu reifen“, sagte er. Schulrat Janssen trug gestern erstmals eine Krawatte, die er von Zimmermann-Vollstedt einst geschenkt bekommen hatte. „Dafür wurde ich heute bereits mehrmals gemobbt“, sagte er mit einem Schmunzeln auf den Lippen und spielte auf die Motive auf seinem Seidenschlips an – sie zeigen Projektbilder, die Kinder zum Thema Zukunftsvorstellung gezeichnet hatten.

Janssen ging auf Stationen in Zimmermann-Vollstedts Vita ein: Zum Schuljahr 1981/82 kommt die gebürtige Brunnerin nach ihrer Seminarausbildung in Berlin an die HHS. 1985 richtet Zimmermann-Vollstedt mit ihrer Kollegin Dagmara Rabe in der Helene-Lange-Schule eine Integrationsklasse für Behinderte und Nichtbehinderte ein. 1991 übernimmt sie die Schulleitung an der HHS. Bereits 1990 gibt es erste Überlegungen, neue Integrationsklassen in Pinneberg einzurichten, die künftig durch das Förderzentrum Pinneberg sonderpädagogisch betreut werden sollen.

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„Ausgegrenzt zu werden, ist
keine Alternative.“

Astrid Zimmermann-Vollstedt
Ehemalige Schulleiterin
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Doch zunächst eine Zäsur: Von ihren Fähigkeiten ist auch Kiel überzeugt. 2002 wird sie Referentin für Sonderpädagogik. Aber bereits 2005 zieht es sie wieder in den Schulalltag zurück. 2011 wird die HHS ins Förderzentrum Pinneberg umbenannt und schon 2012 werden die letzten Schüler in weiterführende Regelschulen in Pinneberg integriert.

„Die Förderschule ist mittlerweile zur Schule ohne Schüler geworden. Die Lehrer und Lehrerinnen schwärmen von hier aus in die Stadt und in die Region und tragen die Förderung zu den Schülerinnen und Schülern in ihren eigenen Schulen“, sagte Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) während ihrer Ansprache.Dafür hat Zimmermann-Vollstedt lange mit dem Schulträger, der Verwaltung und den Politikern gekämpft. „Ich wollte meinem Nachfolger eine Schule ohne Kinder übergeben. Das habe ich geschafft“, sagte Zimmermann-Vollstedt während ihrer Rede.

Angesprochen auf ihre Motivation sagte sie: „Ausgegrenzt zu werden, ist keine Alternative.“ Obwohl sie in den Ruhestand geht, will sie nicht müßig werden, sondern sich für die Tafel in Kiel engagieren und für das Schulamt Pinneberg eine Arbeitsgruppe moderieren. Doch erst einmal wird sie „die Füße in die Ostsee tauchen und den Sommer genießen“.

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