Sturmchaos in der Rettungsleitstelle : Leiter wehrt sich gegen Kritik

Rettungsdienststellenleiter Stephan Bandlow (rechts) mit Lagedienstführer  Matthias Hofmann: Bei ihnen liefen die Fäden am vergangenen Montag zusammen.
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Rettungsdienststellenleiter Stephan Bandlow (rechts) mit Lagedienstführer Matthias Hofmann: Bei ihnen liefen die Fäden am vergangenen Montag zusammen.

Stephan Bandlow verteidigt seine Mitarbeiter: „Die Rettung eines Menschen steht für uns über dem Zersägen eines Baumes.“

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01. November 2013, 12:00 Uhr

Die Mitarbeiter der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn, die die Rettungskräfte für die Kreise Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen koordiniert, hatten am vergangenen Montag alle Hände voll zu tun, als Orkan „Christian“ über Norddeutschland hinwegfegte und am darauf folgenden Tag ein Bild der Verwüstung hinterließ. In etwa fünfeinhalb Stunden nahm das Team um Lagedienstführer Matthias Hofmann 4700 Notrufe entgegen. Die Freiwilligen Feuerwehren in den drei Kreisen, der Rettungsdienst und das Technische Hilfswerk fuhren 1350 Einsätze aufgrund des Sturmtiefs sowie 112 zusätzliche, die mit dem Unwetter nicht in Verbindung standen. Der Rettungsdienststellenleiter, Stephan Bandlow, zog gestern Bilanz und fand ausschließlich lobende Worte: „Die Mitarbeiter haben wirklich gute Arbeit geleistet.“ Es gebe keinen Grund, die Leistung der Kollegen an den Pranger zu stellen.

Die Deutsche Bahn nämlich übte heftige Kritik an der Koordination der Rettungskräfte. Stundenlang steckten zirka 40 Fahrgäste in einer Regionalbahn auf Höhe Pinneberg-Thesdorf fest, bis die Freiwillige Feuerwehr Pinneberg sie schließlich gegen 21 Uhr befreite. Bandlow sieht die Schuld jedoch nicht bei sich: „Bei der Bahn ist definitiv ein Fehler passiert.“ Schließlich habe das Team um Hofmann „stundenlang“ probiert, die Bahnleitstelle in Hannover zu erreichen, um für das Betreten der Gleise grünes Licht zu bekommen. Doch laut Bandlow und Hofmann war niemand ans Telefon zu bekommen – und sie würden niemals Rettungskräfte auf eine ungesicherte Bahnstrecke schicken, wenn für die Menschen in dem Zug keine Gefahr bestünde. Zudem gebe es einen Vertrag zwischen der Deutschen Bahn und dem Land Schleswig-Holstein, der die Alarmierungskette normiert. „Man kann nicht von uns erwarten, dass wir von Regeln abweichen“, sagte Bandlow im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Leiter der Regionalleitstelle konnte auch nicht verstehen, dass aus Reihen der Rettungskräfte hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird, dass die Alarmierungszeiten zum Teil viel zu lang gewesen seien. Ja, es war eine Schnittstelle beim vom PC gesteuerten Alarmierungssystem ausgefallen und es musste auf ein Notfallsystem, eine sogenannte Rückfallebene, zurückgegriffen werden, bestätigte Bandlow. Doch die Verzögerung bei der Alarmierung einiger Wehren habe nicht mehr als eine halbe Minute gedauert. Zudem sei es Aufgabe seiner Mitarbeiter, „wesentliche Ereignisse von unwesentlichen“ zu trennen – und nicht alles, was für jemanden subjektiv den Eindruck einer Dringlichkeit erwecke, sei es auch, so Bandlow.

Bei einem Ausnahmezustand, wie der am vergangenen Montag, könnte es in Einzelfällen durchaus dazu gekommen sein, dass Alarmierungen bewusst erst später als üblich erfolgt sind, als in der Regel üblich, räumte der Regionalleitstellenleiter ein. „Doch steht die Rettung eines Menschenlebens für uns über dem Zersägen eines Baumes.“

Er kündigte an, gemeinsam mit seinem Team die Einsätze aufzuarbeiten und zu analysieren, wie künftig Reibungsverluste vermieden werden könnten. So müsse beispielsweise sichergestellt werden, dass die technische Stabilität des Alarmierungssystems verbessert werde. Die Software wird in allen vier Leitstellen sowie dem Lage- und Führungszentrum des Landes genutzt. „Die Leitstelle Elmshorn meldet bisher mehr Störungen als die anderen“, sagte gestern Jürgen Börner vom Landespolizeiamt gegenüber dieser Zeitung.

Bereits am Dienstag sei laut Bandlow ein Update der Software erfolgt. Ob dies die Probleme behebe, werde sich zeigen.

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