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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 00:20 Uhr

Leidenschaft und Grenzen erkennen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Daz-Klassen An der EBG in Wedel brauchen die Lehrer vor allem bei Flüchtlingskindern gutes Gespür und einen geschärften Blick

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 15:42 Uhr

30 Schüler besuchen die beiden Daz-Klassen
der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule (EBG) in Wedel. Die Abkürzung Daz steht für Deutsch als Zweitsprache und in diesen Klassen werden zu einem Großteil die Kinder unterrichtet, die in den vergangenen beiden Jahren als Flüchtlingen in die Stadt an der Elbe gekommen sind. Bei Schulleiter Stephan ist zu spüren, wie sehr ihm die Integration dieser jungen Menschen am Herzen liegt. Fast noch mehr merkt man, wie stolz er auf die Lehrer der EBG ist: „Wir haben ein wahnsinnig offenes Kollegium. Ein Kollegium, dass sich dieser Herausforderung stellt.“

Denn bei aller Leidenschaft, mit der Krumme und seine Kollegen an den Unterricht und die pädagogische Arbeit im Allgemeinen mit den Flüchtlingskindern herangehen, weiß der Schulleiter auch um die möglichen Probleme. „Es gibt Kapazitätsgrenzen der Integration.“ So müsse stets auf einen „gewissen Mix bei der Zusammenstellung der Klassen geachtet werden“, betont Krumme.

Wichtig sei es auch, dass jeweilige Niveau und die individuellen Talente und Interessen der Kinder zu erkennen. Denn diese kommen nicht nur aus zahlreichen verschiedenen Ländern – in Wedel unter anderem aus Syrien, Serbien, Kolumbien, Polen, Russland und Afghanistan. Die Kinder bringen auch sehr unterschiedliche Bildungsniveaus mit. Einige kämen aus gut gebildeten Haushalten und hätten auch schon in ihrem Heimatland die Schule besucht, erläutert Daz-Lehrerin Dana Gora: „Bei anderen sind bestimmte Grundkompetenzen einfach nicht vorhanden.“ Wie zum Beispiel das Prinzip des Ankreuzens: Wenn hinter Antworten leere kleine Kästchen stehen, wüssten einige Kinder nicht, dass sie an dieser Stelle ein Kreuz bei der richtigen Lösung machen sollen.

Um zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt für einen Schüler erreicht ist, von der Daz- in die Regelklasse zu wechseln, sei vor allem das Gespür der Lehrer gefordert. Dana Gora beschreibt den richtigen Moment so: „Wenn man merkt, dass die Schüler es kapiert haben.“ Mit dem Wechsel in die Regelklasse beginne dann eine neue Herausforderung – für die Schule und die Schüler. Gora sagt: „Es ist ein ganz starker Cut. Das fängt schon damit an, dass sie plötzlich mit den normalen Lehrbüchern arbeiten, in denen die Texte nicht mehr in einfacher Sprache gehalten sind.“ Die Schüler müssten mehr tun und die Schule müsse die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die Jugendlichen nicht den Anschluss verlieren – an den Lernstoff und die Klassengemeinschaft. „Integration heißt ja nicht, dass die Kinder und Jugendlichen einfach in einer Regelklasse geparkt werden“, sagt der Schulleiter.

Wichtig sei eine starke Vernetzung auf mehreren Ebenen. Innerhalb der Schule heißt dies unter anderem, dass die Schüler aus den Daz-Klassen in den Fächern, in denen es nicht vorrangig um die deutsche Sprache geht, mit den Schülern der Regelklassen Kontakt haben: Musik, Kunst oder Sport. Für den sozialen Kontakt arbeite die EBG mit der Volkshochschule, der Bücherei, dem TSV Wedel und anderen zusammen.

Für ein Theaterprojekt über das Rollenverständnis von Mann und Frau arbeitete die Schule mit einer externen Schauspieler-Gruppe zusammen. Dieses war eingebettet in einen Schwerpunkt-Unterricht zum Thema Sexualität. In ihrem Fazit zu dem Projekt betont Gora, dass das Weltbild vieler junger Flüchtlinge „von patriarchalen Denkmustern geprägt ist“ und die Schule habe den Auftrag, die Kinder zu befähigen, dieses zu hinterfragen. Von den Vätern und Müttern erlebe sie dabei in den meisten Fällen Rückendeckung, so Gora. Sie sagt: „Man sollte nicht vergessen: Die Eltern sind ja mit ihren Kindern geflohen, damit diese eine Chace auf Bildung haben.“

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