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Hausbesitzer prüfen nicht auf Keime : Legionellen im Kreis Pinneberg - hohe Ordnungsgelder drohen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Kreisverwaltung beklagt nachlässiges Verhalten von Immobilieneigentümern. Ordnungsgeld bis 25.000 Euro droht.

Weil sich in der Hausinstallation gefährliche Keime breitmachen können, sind Immobilienbesitzer verpflichtet, regelmäßig Wasserproben zu nehmen. Doch viele tun das nicht, vermutet die Kreisverwaltung. Den Bewohnern drohen Gesundheitsschäden und den Hauseigentümern ein Ordnungsgeld von bis zu 25.000 Euro.

Seit Dezember 2012 gilt eine neue Trinkwasserverordnung. Demnach müssen Trinkwassersysteme einer bestimmten Größe, meist ab drei Wohnungen in einem Haus, von einem zertifizierten Labor auf Legionellen untersucht werden. Die Bakterien verbreiten sich über Sprühnebel, etwa während des Duschens, und verursachen grippeartige Beschwerden.

Laut Kreisverwaltung haben etwa 20 Prozent aller Proben einen meldepflichtigen Befund. Dies sei ein Erfahrungswert aus öffentlichen Gebäuden, die regelmäßig untersucht würden. Zudem stützten Ergebnisse aus Nachbarkreisen diese Annahme. Daten des Statistikamts Nord zeigten, dass es im Kreis Pinneberg etwa 7700 Häuser gebe, in denen Proben gezogen werden müssten. „Demnach müsste es etwa 1540 Gebäude mit meldepflichtiger Legionellenbelastung geben“, sagte Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung. Tatsächlich seien seit 2012 nur 400 Meldungen eingegangen. Daraus schließt die zuständige Umweltbehörde, dass viele Hausbesitzer keine Proben ziehen.

Unterlassene Analyse kann Straftat sein

„Ein Vermieter, der seinen Pflichten nicht nachkommt, macht sich strafbar, wenn die Trinkwasserinstallation des Gebäudes mit Legionellen befallen ist“, sagte Carstens. Selbst wenn keine Legionellen gefunden würden, sei die versäumte Untersuchung eine Ordnungswidrigkeit. „Die kann mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden“, sagte Carstens. 2015 habe die Verwaltung zehn Fälle registriert, in denen die Konzentration der Keime besonders hoch und „Gefahr im Verzug“ war.

Die Behörde könne aber nicht überprüfen, ob Hausbesitzer Proben ziehen. „Das sieht der Gesetzgeber nicht vor“, so Carstens. Er baut darauf, dass die Mieter Druck machen: „Es steht jedem frei, sich bei seinem Vermieter zu erkundigen, ob er seiner Analysepflicht nachkommt. Der Vermieter muss Auskunft erteilen“. Positiv sei, dass große Wohnungsverwaltungen ihrer Pflicht nachkämen.

Laut einer Studie der Stiftung Capnetz aus dem Jahr 2005 gibt es deutschlandweit jährlich bis zu 30  000 Legionellosen. Bis zu 15 Prozent der Infektionen enden demnach tödlich. Damit sterben mehr Menschen an Legionellose als im Straßenverkehr sowie durch Feuer und Rauch zusammen.

Im Kreis Pinneberg wurden 2015 fünf und 2016 bisher zwei Legionellosen gemeldet. „Die Dunkelziffer ist aber hoch, weil einige Symptome der einer Lungenentzündung ähneln. Die Infektion wird dann nicht an uns gemeldet“, sagte Carstens. Todesfälle seien bisher nicht bekannt.

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