Helstenbek : Ledersattler verzweifelt gesucht

Nähzeug, Messer, Stanzmaschinen: Das Werkzeug des Sattlers.
Nähzeug, Messer, Stanzmaschinen: Das Werkzeug des Sattlers.

Kreativität, Sorgfalt und handwerkliches Geschick: Halstenbeker Firmenchef preist Kunsthandwerks-Beruf an. Drei Jahre Ausbildung.

von
30. Mai 2015, 16:00 Uhr

Jede Menge Fingerspitzengefühl, geschickter Umgang mit Nähzeug, Kleber, Schere und Schablonen, mit Nieten, Messer und Stanzmaschinen – der Beruf des Fahrzeugsattlers setzt eine Menge voraus. Kreativität, Sorgfalt und handwerkliches Geschick gehören dazu, sind das A und O. Für Helge Busemann ist der Job ein Traumberuf. Und gleichzeitig ist der Geschäftsführer der Firma Neidfaktor in Halstenbek, spezialisiert auf die Ausstattung für Fahrzeuge, ernüchtert und verzweifelt: Die Suche nach Nachwuchs erweist sich als äußerst zäh.

„Es ist ein Kunsthandwerk“, betont Busemann, dessen Betrieb in der Ludwig-Meyn-Straße 18 residiert. Die Kombination aus kreativen und handwerklichen Aufgaben sei mehr als ausfüllend. Und er wundert sich, dass der Nachwuchs ausbleibt.

Der Firmenchef bleibt realistisch. Seine Mitarbeiterin Jenna Wangorsch koordinierte beispielsweise die Aktion, sämtliche Schulen im Kreise Pinneberg sowie Hamburg aktiv anzuschreiben, um per Aushang den Beruf schmackhaft zu machen. „Jüngst habe ich Kontakt zur Berufsschule Pinneberg gehabt, dort sollte sich eine Gruppe Interessierter finden, bei denen wir eine persönliche Vorstellungsrunde inklusive Vorstellung unsererseits und des Berufs geben sollte. Allerdings wurde dies mangels Interessenten abgesagt“, beschreibt Wangorsch die Offensive in ihrem Haus.

Dabei erwartet die Auszubildenden eine Atmosphäre mit Tradition: „Die hauseigene Sattlerei garantiert die Verarbeitung des Leders in höchster Qualität. Und unterschiedlichen Materialien wie Alcantara, Wildleder, Feinnappa oder Kunstleder. Ob mit roter, schwarzer, weißer oder gelber Naht“, so Wangorsch.

Die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre, die Berufsschule befindet sich in Rendsburg. Die Theorie wird im regelmäßigen Blockunterricht vermittelt, gemeinsam mit den Azubis für Raumausstattung – auch eine Konsequenz daraus, dass der Job des Sattler-Azubis kein Magnet ist. Busemann gibt die Hoffnung nicht auf: „Wer sich für den Job des Ledersattlers entscheidet, wird es nicht bereuen.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen