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Fliegende Metallteile : Lebensgefährliches Wohnen an den Bahngleisen in Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Es soll keine Schutzwand für Reihenhäuser im Pinneberger Neubaugebiet Düpenau Eck geben. Die Anwohner fühlen sich deshalb nicht mehr sicher.

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erstellt am 11.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Durch die Luft fliegende Metallteile und Steine, von Güterzügen heruntergefallene und aus Zugfenstern geworfene Gegenstände. Und dazu jede Menge Papier und Plastikflaschen – im Neubaugebiet Düpenau Eck in Pinneberg-Thesdorf herrscht der Ausnahmezustand. Und tagtäglich Lebensgefahr für die Anwohner. Um seine Worte zu untermauern, zeigt Kadir Tokus auf ein etwa 20 Zentimeter langes Metallstück, das in der Wand eines Gartenschuppens steckt.

„Das Metallteil wurde von einem vorbeifahrenden Zug hochgeschleudert und ist dann wie ein Geschoss im Holz steckengeblieben. Glücklicherweise ist niemand verletzt worden“, sagt er. Auch eine Registrierkasse und einen Laptop haben die Hausbesitzer auf ihren an den Gleisen liegenden Grundstücken kürzlich entdeckt. Der Aufenthalt auf der Terrasse ist nicht mehr möglich. Die Kinder haben Verbot, sich hier aufzuhalten“, sagt Tokus. „Wenn wir draußen sind und es nähert sich ein Zug, gehen wir Erwachsene hinter unserem Schuppen in Deckung“, ergänzt sein Nachbar Nico Schaaf.

Wir stehen auf einem der hinteren etwa 20 Quadratmeter großen Grundstück, die zu jedem den weißen Reihenhäuser im Neubaugebiet Düpenau Eck an der Bahnstrecke gehören. Nur drei Meter entfernt führen die Gleise entlang, „auf denen pro Tag 280 Ferngüterzüge fahren“, so Schaaf.

Einige Meter entfernt in Richtung S-Bahnstation Thesdorf ist die Bahn gerade dabei, Lärmschutzwände zu bauen. Die Pfosten sind bereits verankert. Doch genau dort, wo die Reihenhäuser stehen, von Hausnummer 11 bis 29, soll keine Wand aufgestellt werden, die die Bewohner sowohl vor dem Lärm als auch vor den herumfliegenden Metallteilen schützen würde. Es handelt sich dabei um eine Strecke von maximal 150 Meter.

Die Anwohner sind auf der Zinne: „Im Rahmen der Bauarbeiten für die Lärmschutzsanierung wurden im Herbst 2014 sämtliche Büsche und Bäume zwischen dem Zaun und den Bahngleisen entfernt. Jetzt besteht die Gefahr, dass Kinder über den Zaun klettern und dann freien Zugang zu den Gleisen haben. Vorher hat die Bepflanzung eine solche Gefahr fast völlig ausgeschlossen“, sagt Anwohnerin Nicole Schulz.

Ein vorbeifahrender Zug hat ein Stück Metall von den Gleisen in die Wand dieses Gartenhäuschens geschleudert.  (Foto: Erdbrügger)
Ein vorbeifahrender Zug hat ein Stück Metall von den Gleisen in die Wand dieses Gartenhäuschens geschleudert. (Foto: Erdbrügger)
 

„Uns geht es in erster Linie um den Sicherheitsaspekt. Die Deutsche Bahn weigert sich, eine Lärmschutzwand entlang unserer Häuser zu bauen, obwohl sie anfangs vorgesehen war“, beschreibt Tokus das Problem. Alle Pläne, die im Internet stehen, würden von einer durchgezogenen Lärmschutzwand ausgehen.

Doch davon ist nun keine Rede mehr. „Diese Bebauung wirkt gleichzeitig auch als Schallschutzriegel für die dahinterliegenden Gebäude. Damit ergibt sich für die Planung der Lärmschutzwände eine andere Ausgangssituation in diesem Teilbereich als wir in unserem Gutachten zugrundegelegt haben“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf Anfrage dieser Zeitung

Auch die Stadt Pinneberg sieht sich nicht in der Pflicht. „Uns ist bewusst, dass es sich dort um eine schwierige Wohnlage handelt. Dass das Gebiet in unmittelbarer Nähe zur Bahn liegt, wurde im Rahmen des Bebauungsplans entsprechend durch die Festsetzung zum Lärmschutz berücksichtigt. An dem Gebäude selbst, aber auch an der abgewandten Seite“, sagt Marc Trampe, Sprecher der Stadt Pinneberg. Und weiter: „Sowohl dem Investor als auch den Bauherren war die Lage des Grundstücks bekannt und die Festsetzungen des Bebauungsplanes zugängig.“

Dennoch glauben die Betroffenen, dass ihnen Lärmschutz zustehe und weisen auf Paragraf 2, Absatz 5 in den Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes hin. „Dort wird die Verhältnismäßigkeit dargestellt. Es wird innerhalb der nächsten fünf Jahre eine erhebliche Veränderung des Schienenverkehrs auf dieser Strecke erwartet“, sagt Torkus. „Man merkt schon jetzt, dass es mehr geworden ist“, sagt Schaaf. Im April hat er Urlaub. Da wollte er eigentlich die Terrasse für den Sommer fertig hübsch machen. Diese Pläne hat Schaaf erstmal auf Eis gelegt.

Die Anwohner wollen für eine Schutzwand kämpfen: „Es kann nicht in unserer Verantwortung liegen, uns vor den Gefahren, die von den Gleisen ausgehen, zu schützen. Das heißt, dass entweder die Stadt Pinneberg, die die Baugenehmigung erteilt hat, oder die Bahn, die dieses Grundstück veräußert hat, und die Gleise betreibt, dafür Sorge tragen muss, dass wir hier ausreichend geschützt sind“, sagt Schulz.

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