Leben am anderen Ende der Welt

Auf großer Fahrt: Drei Wochen verbrachten die Schüler aus Pinneberg, Schenefeld und Elmshorn mit dem ehemaligen Lehrer Harry Hansen (rechts) in Las Tablas und Panama City.
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Auf großer Fahrt: Drei Wochen verbrachten die Schüler aus Pinneberg, Schenefeld und Elmshorn mit dem ehemaligen Lehrer Harry Hansen (rechts) in Las Tablas und Panama City.

Seit zwölf Jahren fährt ein Pinneberger Lehrer der Johannes-Brahms-Schule mit Schülern nach Panama / Eine Teilnehmerin berichtet von ihrer Reise

shz.de von
07. Juni 2018, 16:02 Uhr

Drei Wochen in Panama – das bietet Harry Hansen, ehemaliger Lehrer an der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule (JBS), jedes Jahr für Spanischschüler aus dem Kreis an. Schon zwölf Touren hat er gemacht. Katharina Schiller, JBS-Schülerin in der 11. Klasse, war bereits zum zweiten Mal dabei und hat einen Bericht geschrieben, den sie unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat:

Jedes Jahr seit 2006 fliegt Harry Hansen, ehemaliger Lehrer der Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg, mit einer Gruppe Spanischschüler nach Panama, genauer gesagt nach Las Tablas, in die südwestliche Provinz Los Santos. Bis zu 20 Schüler aus Schulen in Pinneberg, Schenefeld und auch Elmshorn können an dieser Fahrt teilnehmen. Im Vordergrund der Reise steht für alle Teilnehmer das Leben in einer Gastfamilie in einem fremden Land, dessen Sprache man nur ansatzweise beherrscht – ein einzigartiges Erlebnis, auf diese Art in eine andere Kultur einzutauchen.

Harry Hansen selbst lebte von 1967 bis 1969 in Las Tablas. Er leistete dort einen freiwilligen sozialen Dienst als „Peace Corps Volunteer“ (Friedenskorps) und arbeitete als Lehrer für Sport und Englisch in einer staatlichen Schule in Las Tablas. Einer seiner ehemaligen Schüler, der mittlerweile Präsident der „Asamblea Nacional de Panama“ ist (vergleichbar mit dem Präsidenten des Deutschen Bundestages), bat ihn im Jahr 2005, Panama wieder einmal zu besuchen.

Seitdem reist er regelmäßig mit einer Schülergruppe aus dem Kreis Pinneberg in das kleine mittelamerikanische Land, das nicht nur durch seinen Kanal, der Atlantik und Pazifik verbindet, weltberühmt ist. Die gut dreiwöchige Reise findet jeweils in den Frühjahrs- oder Herbstferien statt. Daher müssen mitreisende Schüler eine Freistellung von der Schule beantragen. Zwischen 2006 und 2018 fanden schon ein Dutzend Reisen mit insgesamt 220 Schülerinnen und Schülern statt. Und es geht weiter!


Spanischunterricht und Ausflüge

Zu dem Leben in einer panamaischen Gastfamilie erwartet die Schüler jeden Vormittag zwei Stunden Spanischunterricht in einem Schulzentrum. Im Anschluss geht es zum Mittagessen mit der Gruppe. Nachmittags finden Ausflüge zu verschiedenen Institutionen statt: Museen, Gymnasien, Grundschulen, die Feuerwehr und Straßenfeste sowie ein Waisenhaus werden besucht. Dort werden die zuvor gesammelten Spenden verteilt. Vor allem in dem Waisenhaus „Nutre Hogar“, einer Einrichtung für unterernährte Kinder, werden die mitgebrachten Spenden verteilt. Schreib- und Schulutensilien erfreuen die Schüler der meist schlecht ausgestatteten staatlichen Schulen.

Selbstredend gehört auch Strandleben zum Programm, so dass sich alle Teilnehmer der Reise von den durchschnittlich 35 Grad Celsius heißen Temperaturen erholen können. Die Abende verbringen die Jugendlichen in ihren Gastfamilien oder sie treffen sich mit Freunden in Las Tablas. Auch ein Kinobesuch (Film in Spanisch oder Englisch mit spanischen Untertiteln) ist immer drin. Ein ganz besonderes Ereignis ist die „Junta de Emabarra“, das Bauen eines Hauses nach traditioneller Art und Weise. Das ganze Dorf kommt zusammen und innerhalb eines Tages hat man eine Hüte aus Lehm, Stroh und Wasser hingestellt. Das Gerüst wird vorher aufgebaut. Mit einer „Fiesta“ (Fest mit Essen, Tanz und Gesang) bedankt sich die Reisegruppe am Ende der Reise für die Gastfreundlichkeit der Einheimischen. Alle Gastfamilien und die Reisegruppe verbringen so einen schönen geselligen Abend.

Dann geht es ab nach Panama City. Der Abschied von den Familien, in denen die Jugendlichen kostenlos untergebracht waren, fällt den meisten Schülern schwer. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der sie aufgenommen wurden, rührt viele zu Tränen. So entstehen teilweise familiäre Verbindungen, die über tausende von Kilometern halten.


Besichtigung des Panama-Kanals

In Panama City warten weitere interessante Eindrücke und Erlebnisse. Mit dem Bus geht es vier Stunden lang von Las Tablas Richtung Hauptstadt. Das Hotel dort liegt direkt am Panama-Kanal. Erst 1999 gaben die Amerikaner offiziell die Hoheitsrechte über den Kanal wieder an die Panamaer zurück. Die folgenden Tage beinhalten die Besichtigung des Kanals, der Altstadt und Shoppen in den großen Malls, ebenso wie eine Bahnfahrt mit der einzigen Bahnlinie Panamas von der Pazifik- zur Atlantikseite entlang dem Panama Kanal, eine der wichtigsten Seerouten der Welt. Die Strecke ist nur 77 Kilometer lang, aber seit 1855 in Betrieb, zirka 58 Jahre vor der Fertigstellung des Canals durch die Amerikaner.

Die diesjährige Reise wurde von der Volksbank Pinneberg-Elmshorn, von der Stiftung Bruno Helms aus Rellingen und von Herrn Hans-Joachim Oltersdorf finanziell unterstützt. Wieder in Deutschland zurück gibt es viel zu erzählen und anhand der reichlichen Fotos viel zu zeigen. Auch ein Jetlag lässt sich dann leicht verkraften. Auf zum nächsten Dutzend Panama-Reisen mit Harry Hansen!

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